Montag, 3. September 2018

Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 1

Dass wir unseren Volvo-Schluckspecht nicht unbedingt schonen, dürfte in vergangenen Blogbeiträgen bereits deutlich geworden sein. Er hat sich immer noch nicht komplett von unserem Roadtrip ins Okavango Delta erholt. Zwar war er danach in der Reparatur (gebrochene Feder hinten, neue extra-starke Safari-Stoßdämpfer, neuer Auspuff, etc.), ist aber immer noch nicht vollständig wiederhergestellt. Zunächst merkte Philip, dass die Lenkung einen unguten Rechtsdrall hatte, auch ein quietschendes Geräusch beim um die Kurve fahren machte uns nicht glücklich. Der serbische Mechaniker unseres Vertrauens, Goran, bekam das Auto also wieder. Und behielt es fast eine Woche. Ein verlängertes Wochenende, das wir in Südafrika verbringen wollten, rückte derweil näher. Als Philip Goran an Mittwochabend mit der Frage anschrieb, ob wir mit dem Auto am Samstag einen Kurztrip antreten könnten, lautete die so knappe wie eindeutige Antwort: "No." Nach einem klärenden Telefonat schlug Goran vor, das Auto für unseren Wochenendausflug wieder zusammenzubauen, fahrtüchtig sei es ja und er müsste eh noch auf eine Ersatzteillieferung aus Südafrika warten, bevor er es weiter reparieren könnte. Und so bekamen wir es am Freitag wieder - allerdings nicht in dem Zustand, in dem wir es abgegeben hatten. Rechtsdrall und Pfeifen waren nun die geringste Probleme, mehr beunruhigte uns das Klappern und Zittern, vor allem bei Bremsvorgängen. Kurz: Das Auto schien für längere Fahrten unbrauchbar. Aber wir haben ja noch ein anderes.

Unser Golf (den wir liebevoll "das kleine Auto" nennen) ist ein Stadtauto, das noch nie irgendwelche Zicken gemacht hat. Anfang Mai hatte ich es zur Jahresinspektion gegeben - nicht bei Goran, sondern bei einem malawischen Mechaniker namens Gabriel, der uns ebenfalls empfohlen worden war. Es schien mir eine Art Risikoverteilung zu sein, den Golf zu jemand anderem zu geben und mein Ersteindruck von Gabriel war super: Wir vereinbarten einen Termin, er holte das Auto morgens ab und brachte es abends zurück. Der Preis war vernünftig und das Auto immerhin zu 80% okay, wie Gabriel mir mitteilte. Eine Sache war ihm allerdings aufgefallen: Der Zahnriemen hätte bereits bei 75.000 km gewechselt werden sollen, inzwischen hatte er schon über 100.000 km auf dem Buckel. Und feine Risse. Er müsste ersetzt werden, denn wenn ein Zahnriemen reißen würde, würde ein meist irreparabler Motorschaden entstehen. Ich fragte Gabriel nach den Kosten, die er mir spontan nicht nennen konnte, er wollte sich aber erkundigen und mir einen Kostenvoranschlag schicken, um dann das Ersatzteil zu bestellen. Inzwischen könnte ich ruhig noch einige Wochen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen.

Ende Mai fragte ich das erste Mal nach. Gabriel versicherte mir per WhatsApp, den Zahnriemen zu bestellen und mich über die Kosten zu informieren. Ein paar Tage später bat er mich um die Fahrzeugnummer, um auch das richtige Teil zu ordern. Dann passierte - nichts. Ende Juni fragte ich wieder nach. Die Antwort lautete, dass der Zahnriemen nächsten Dienstag geliefert werden würde. Dann hörte ich wieder - nichts. Und das war so ungefähr der Zeitpunkt, an dem wir feststellten, dass wir mit dem Golf nach Südafrika fahren müssten, weil der Volvo ein Sicherheitsrisiko war.

Inzwischen machte ich mir doch langsam Sorgen, dass der Zahnriemen reißen könnte. Und stellte fest, dass Autoprobleme googeln ähnlich empfehlenswert ist wie die Online-Recherche nach Krankheitssymptomen: Man kann sich damit bestens verrückt machen. Es gibt diverse deutschsprachige Autoforen in denen Leute die feinen Risse in ihren Zahnriemen beschreiben, die Antworten von anderen Autofahrern sind stets die gleichen: "Mit dem Wagen würde ich maximal noch bis zur nächsten Werkstatt fahren!" In Botswana brachten mich derartige Tipps aber nicht weiter - Werkstätte gibt es zwar auch hier in Hülle und Fülle, aber die haben höchstens die allergängigsten Ersatzteile da. Alles andere muss in Südafrika bestellt werden, und das kann dauern, wie wir bereits aus leidvoller Erfahrung von Goran wussten. Also beschlossen wir, dass der Zahnriemen schon noch durchhalten würde und hatten auch Glück: Unser kleines Stadtauto fuhr uns einwandfrei durch Südafrika. Und als wir wieder in Gaborone waren und ich Gabriel anrief, war der Zahnriemen tatsächlich da! Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur, das Auto war dreieinhalb Tage in der Werkstatt, dann bekam ich es wieder. Mein Glück, dass diese Sache geklärt war, währte leider nur kurz. Dass mein Auto extrem blumig nach Politur roch und ich einen Bierdeckel in der Seitentasche fand, konnte ich noch tolerieren, aber dass ein Display über dem Lenkrad nicht mehr funktionierte, war dann doch blöd. Dieses Display zeigt normalererweise verschiedene Informationen an: z.B. den Spritverbrauch, die Außentemperatur, in welchem Gang das Auto gerade fährt etc. Fahren lässt es sich auch ohne diese Informationen prima, aber dennoch: Bis zum Austausch des Zahnriemens hatte das Display funktioniert, nun funktionierte es nicht mehr. Ich informierte Gabriel darüber und wir vereinbarten, dass er das Auto noch einmal abholen würde. Fortsetzung folgt.

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