Mittwoch, 7. Februar 2018

Kapstadt und das Wasser

Mittlerweile liest, hört und sieht man ja auch in deutschen Medien, dass Kapstadt das Wasser ausgeht - während wir noch gar nicht mitbekommen haben, dass die botswanischen Medien dem Thema große Beachtung schenken würden.

Kapstadts Wasserreservoirs sind leer, der nächste Regen wird nicht vor Mai erwartet. So hat die Stadt schon vor ein paar Wochen den "Day 0" festgelegt, an dem bei konstantem Wasserverbrauch das Wassernetz der Stadt abgeschaltet werden muss. Dieser Tag ist mittlerweile von der zweiten Aprilhälfte auf die erste Aprilhälfte gewandert. Denn seitdem der Tag kommuniziert wurde, ist der Wasserverbrauch noch einmal angestiegen.
Restriktionen wie das Verbot der Befüllung von Swimmingpools, des Autowaschens oder des Gießens von Pflanzen mit Leitungswasser gibt es bereits lange. Letztes Jahr wurde der Bevölkerung Kapstadts gesagt, dass sie nicht mehr als 83 Liter Wasser pro Person und Tag verbrauchen dürfe (zum Vergleich: Das relativ sparsame Deutschland verbraucht pro Person und Tag ca. 120 Liter). Seit 1. Februar sind die Kosten für den Verbrauch von 50 Litern und mehr pro Person und Tag massiv erhöht worden. Wieviel man mit 50 Litern Wasser pro Tag noch verbrauchen kann, macht diese Grafik deutlich:


Was macht eine Stadt, der das Wasser ausgeht? Und was macht das mit einer Stadt? Wir wollten keinen Katastrophentourismus betreiben, als wir kürzlich dort waren - und es artete auch nicht zu einem solchen aus, im Gegenteil: Wir bekamen nur sehr wenig von der Wasserknappheit mit.
Vorbereitend hatte die Vermieterin unseres Airbnb-Appartments uns die obige Grafik geschickt mit der Bitte, möglichst sparsam mit dem Wasser umzugehen. Bei Ankunft am Flughafen sahen wir (d.h. ich, Walli organisierte uns mit dem Smartphone gerade ein Uber-Taxi) einige Plakate, die zum Wassersparen aufriefen. Bei Spaziergängen (!) durch die Stadt sahen wir gelegentlich Schilder wie "Dieser Bürgersteig wird nicht mit Leitungswasser geputzt" oder "Diese Blumen werden nicht mit Leitungswasser gegossen" - letzteres muss noch häufiger der Fall gewesen sein, denn die Stadt wirkte alles in allem doch recht grün, verdorrte Büsche und Bäume sahen wir de facto gar nicht. In den Toiletten einer Shoppingmall sowie am Flughafen waren alle Wasserhähne bis auf einen abgestellt, dafür wurde Desinfektionsspray angeboten. 


Wir waren etwas verwundert, wie wenig die Wasserknappheit in der Stadt präsent war. Wollte man Touristen nicht abschrecken? Ohnehin ist es ja bei einer Stadt am Meer kaum zu glauben, dass dort Wassermangel herrschen könnte.
Wir bemühten uns also, im Appartment möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Wie oft darf also jeder duschen? Und warum ist im Toilettenkasten eigentlich kein Kurzspüler eingebaut?
Ja, die Gegend um Kapstadt erlebt seit Jahren eine schwere Dürre; manche vermuten darin Auswirkungen des Klimawandels. Es heißt aber auch, dass selbst diese Dürre nicht komplett ungewöhnlich sei und man sie besser hätte managen können; die Wasserknappheit sei so durch Inkompetenz und schlechtes Management zustande gekommen oder zumindest gefördert worden.

Wie wird es nun weitergehen in Kapstadt? Wir wissen es nicht. Die Stadt bereitet sich wohl auf das schlimmste Szenario vor, bei dem Anfang April das öffentliche Wassernetz weitgehend abgestellt wird und nur noch Krankenhäuser etc. versorgt werden sollen. Die Bürger sollen dann an 20 zentralen und vom Militär gesicherten Ausgabestellen je 25 Liter pro Tag abgefüllt abholen können. Allein diese Logistik dürfte den zuständigen Personen schlaflose Nächte bereiten, denn wie managed man eigentlich die Schlangen von wartenden Fußgängern und Autos, die diese 25 Liter fortschaffen wollen, und das täglich? Und wie gewährleistet man die Sicherheit der Wartenden? Wie kann Tourismus in dieser stark vom Tourismus abhängigen Stadt noch funktionieren, wenn kein Wasser aus der Leitung kommt?

In meiner Zeit in Ghana hatte ich häufiger Stromabschaltungen und gelegentlich auch kein Wasser. Ich weiß noch zu gut, dass es nervig ist, keinen Strom zu haben - aber kein Wasser zu haben, ist ungleich schlimmer. So hoffe ich also mit den Kapstädtern, dass es vorzeitig regnen möge oder sich doch noch eine Lösung finden lässt, damit das Wassernetz nicht abgestellt werden muss.

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