Mittwoch, 28. Februar 2018

Verkehrsrowdys

Botswana spielt mal wieder ganz oben in den Rankings mit. Das berichteten kürzlich deutsche Medien sinngemäß: Russland, USA, Ägypten, Jemen, China, Botswana. Ein illustrer Kreis: Die Liste stellt die Rekordhalter unter den in Deutschland lebenden Diplomaten in Sachen Verkehrsordnungswidrigkeiten im Jahr 2017 dar. Botswana schaffte es mit seinen 535 Delikten immerhin auf Rang 6 (zum Vergleich: Russland hatte 817, die USA lagen schon etwas abgeschlagen bei 667). Mit lediglich 7 botswanischen Diplomatenfahrzeugen in Deutschland ist es schon eine gewisse Leistung, in diesem Ranking so weit oben aufzutauchen (76 Delikte pro Fahrzeug ist tatsächlich sogar der Spitzenplatz!). Quelle z.B. hier.

Sind wir gerade überrascht? Nun, es klingt vielleicht undifferenziert und vorurteilsbeladen, aber ich schreibe es trotzdem: Nein. Letztes Wochenende waren wir hier mal wieder über Land unterwegs. Nicht weit, aber weit genug, damit ich mich mal wieder über die Fahrweise so mancher Batswana aufregen konnte. Halte ich mich an ein Geschwindigkeitslimit, dann gelte ich eigentlich schon als Verkehrsbehinderung, überholt wird auch dort, wo gerade Gegenverkehr kommt (wer zuerst ausweicht, hat verloren). Mit unserem großen Schluckspecht fühle ich mich eigentlich halbwegs sicher, aber die Geschwindigkeiten mancher anderer Verkehrsteilnehmer sind dann doch so hoch, dass dieses Sicherheitsgefühl trügt. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht doch ein wenig zu "deutsch", obrigkeitshörig und pedantisch bin, was Verkehrsregeln angeht. Zugegeben, Walli und ich ergänzen uns da schlecht. Auch Walli versucht unsere autofahrenden Mitbürger bei unangekündigten und die Hinterfrau schneidenden Spurwechseln im zweispurigen Kreisverkehr durch Hupen zu erziehen; bisher haben unsere derartigen pädagogischen Bemühungen allerdings noch keine Früchte getragen.
Das zeigt leider auch die Verkehrsstatistik. Pro 100.000 Einwohner gerechnet gab es in Botswana 20 Verkehrstote im Jahr 2016 (mit gleichbleibendem Trend, Quelle). In Deutschland waren das gerade einmal 3,9 (mit sinkendem Trend, Quelle). (Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2015 ist übrigens Malawi mit 35 das Land mit den meisten Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner pro Jahr, Quelle.) Mit den "Sustainable Development Goals" haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten um die Hälfte zu reduzieren (Indikator 3.6). In Botswana sehen wir immer wieder Plakate entlang der Straße, "Accident Free A1" - sie erscheinen mir jedoch leider mehr Wunschdenken zu sein als irgendetwas anderes. Außer ausgebrannten Unfallwagen sieht man allerdings immer wieder Polizisten mit Laserpistolen entlang der Straßen stehen, die auf Verkehrssünder richtiggehend warten. Fest installierte Starenkästen, wie wir sie z.B. in Südafrika schon gesehen haben, kennen wir aus Botswana hingegen noch nicht. Ich stelle mir vor, dass sie hier doch eine ordentliche Einnahmequelle für den Staat wären und gleichzeitig vielleicht den ein oder anderen dazu bewegen könnten, etwas langsamer und rücksichtsvoller zu fahren. Zugegeben, dafür müsste man sie vermutlich alle 100 m aufstellen.

Bis dahin fahre ich zumindest dienstlich hier gerne weiterhin mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen. Und wenn ich dabei mal etwas zu schnell bin, werde ich von der Polizei gar nicht erst angehalten, weil sie von Diplomaten ohnehin keine Strafen kassieren dürfen. Und weil das Autokennzeichen auf SADC läuft, trage ich mit meinen Verkehrsordnungswidrigkeiten noch nicht einmal zu einem "guten" Ranking deutscher Diplomaten in Gaborone bei ...

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