Montag, 18. Juni 2018

Am Wendekreis des Steinbocks

Das könnte auch ein Buchtitel sein - und ist es auch, von Henry Miller. Der Wendekreis des Steinbocks ist aber auch eine imaginäre geographische Linie, die den südlichsten Breitenkreis bezeichnet, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, nämlich zur Sommersonnenwende am 21. oder 22. Dezember. Es ist somit der südliche Wendekreis - und der läuft auch durch Botswana. Der nördliche Wendekreis, der Wendekreis des Krebses, findet sich ungefähr auf der Höhe des südlichen Ägyptens. Beide Wendekreise sind 2609 km vom Äquator entfernt. Die Breitengrade zwischen den beiden Wendekreisen werden landläufig als die Tropen bezeichnet.
Gaborone liegt somit nicht mehr in den Tropen, da es südlich des südlichen Wendekreises liegt. Der Wendekreis des Steinbocks ist uns in Botswana schon früh aufgefallen, denn an der A1, also der Straße, die Gaborone mit der zweitgrößten Stadt Botswanas, Francistown, verbindet, steht ein entsprechendes Schild:


Nur vier Tage vor seiner Amtsübergabe an seinen Nachfolger hat der frühere Präsident Botswanas Ende März ein Denkmal enthüllt. Seitdem wird der Wendekreis also auch gebührend gefeiert:


Wir hatten schon davon gelesen, und als wir nun kürzlich mal wieder auf der Strecke unterwegs waren, hielten wir tatsächlich an, um es uns anzuschauen. Jede der Stelen steht für ein Land, durch das der Wendekreis verläuft, angegeben wird u.a. die Fläche des Landes sowie die Verschiebung der Zeitzone gegenüber Botswana. Außer Botswana verläuft der Wendekreis des Steinbocks auch durch Namibia, Südafrika, Mosambik, Madagaskar, Australien, Chile, Argentinien, Paraguay und Brasilien.
Als ich von dem neuen Denkmal las, dachte ich mir "Was für eine Geldverschwendung." Da wird entlang dieser Straße im Niemandsland ein Denkmal für teures Geld enthüllt - hätte man mit dem Geld in einem Land wie Botswana nicht sinnvolleres anfangen können? Nach unserem Besuch dort fange ich langsam an, etwas milder zu werden. Es ist ein stilvolles Monument, und vielleicht muss man es als einen Anfang sehen. Zunächst werden vielleicht einige Autofahrer dort anhalten und eine kurze Pause machen (so wie wir), was der Verkehrssicherheit dienen mag, da sie so eventuell wieder fitter werden. Mit der Zeit wird sich (hoffentlich) auch etwas weitere touristische Infrastruktur dort ansiedeln und so für Beschäftigung in dieser Gegend sorgen. Bei unserem Besuch hat schon jemand Wassermelonen aus seinem Pickup-Truck verkauft. Und wer weiß, was sich dort noch entwickelt?
Aufgrund der Verschiebung der Erdachse bewegen sich die Wendekreise übrigens um ca. 14 Meter jährlich. Wie die botswanische Regierung das bei der Erbauung des Denkmals berücksichtigt hat, ist mir ja noch nicht ganz klar... wird das Monument dann jährlich verschoben?

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