Ich hatte daher nicht vor, den diesjährigen "Inner Wheel Charity Lunch" zu besuchen. Wally lud aber Charity und deren Kollegin Kopo kurzerhand ein, weil sie uns bei der Durchführung des Arts and Crafts Markets eine große Hilfe gewesen waren. Außerdem kam noch eine französische Freundin von ihr, die ich ebenfalls kannte und sie schlug mir vor, dass wir das Ganze doch als entspanntes Markt-Nachtreffen sehen könnten. Und so habe ich mich dann überreden lassen und es nicht bereut: Zu fünft war die Veranstaltung schon wesentlich lustiger als letztes Jahr zu zweit. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es letztes Jahr auch kostenlosen Wein gab, dieses Jahr war es auf jeden Fall so. Als ich das zweite Glas dankend ablehnte, fragte mich die Französin mitfühlend, ob ich noch fahren müsse, worauf Wally empört sagte: "Wir müssen alle noch fahren!" und sich schwungvoll ein weiteres Glas einschenkte. In Gaborone müssen ja eigentlich immer noch alle fahren, zumindest, wenn man ohne seinen Partner unterwegs ist. Fahrgemeinschaften sind selten realisierbar, die meisten Leute wohnen einfach in ganz verschiedenen Ecken der Stadt. Einen öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht und ein Taxi zu bestellen, kann kompliziert werden und lange dauern. "Drink and drive" erscheint dadurch gesellschaftlich akzeptierter. Die Polizei sieht das sicherlich anders, aber wir haben bislang nur von einer einzigen Alkoholkontrolle gehört (der sich der Kontrollierte erfolgreich durch Verweigerung entzogen hat).
Die Stimmung beim Charity Lunch war also ganz gut, das Essen auch. Bevor es losging, wurden noch ein paar Reden gehalten und außerdem Kunstwerke versteigert - Wally erklärte fröhlich, dass die zu ersteigernden Bilder von ihren Besitzern gespendet worden waren, was bei einigen der angepriesenen Katzen- und Landschaftsaufnahmen nicht verwunderte. Während Charity, Kopo und ich unsere Hände unter dem Tisch behielten, um bloß keine unbedachte Bewegung zu machen, die als Gebot gewertet werden könnte, mischten andere Damen fröhlich bei der Versteigerung mit. (Laut Wally wäre diese trotzdem noch erfolgreicher gewesen, wenn man sie ans Ende der Veranstaltung gelegt hätte ... wie gesagt, der Wein war kostenlos.) Wenn die Versteigerung einzelner Bilder nicht recht in Schwung kam, wurde auch mal der Rahmen als besonders hübsch und der eigentliche Wertgegenstand angepriesen, was von der Moderatorin noch nicht mal witzig gemeint war, aber einer gewissen Komik nicht entbehrte.
Nach dem Essen (einem großen Buffet) fand dann die Verlosung statt, der "Charity Lunch Raffle Draw" als eigentliches Higlight der Veranstaltung. Ich hatte auch fünf Lose gekauft (und schon letztes Jahr nichts gewonnen). Die Preise waren Spenden lokaler Unternehmen - es gab Gutscheine von Beauty Spas, Gutscheine von Restaurants, Modeschmuck von Schmuckdesignern und ähnliches. Beim dritthöchsten Gewinn war ich fast erleichtert, kein Glück zu haben: Mit dem 1000 Pula Gutschein von Senn Foods, einem großen Fleischproduzenten, hätte man hier sehr viel Fleisch kaufen können, das hätte mich doch überfordert. Den Hauptpreis, drei Übernachtungen für zwei im Chobe Nationalpark, hätte ich dagegen sehr gerne genommen, aber leider wurde keines meiner Lose gezogen. Und nicht nur das: Mein ganzer Tisch hatte Pech.
Dafür unterhielten wir uns gut in unserer Fünfergruppe. Am anderen Tischende saßen noch drei ältere Damen, die unter sich blieben. Zwischen unseren zwei Grüppchen waren zwei Stühle freigeblieben, kurz bevor das Essen losging, stieß dann noch eine Frau verspätet zu unserem Tisch. Eine Weiße, auch jünger als der Durchschnitt. Das andere Grüppchen schien zu glauben, das sie zu uns gehörte, wir hatten sie den anderen drei Ladies zugeordnet, aber sie war ganz alleine da. Das Eis war gebrochen, als Charity irgendwas über Malawi erzählte, wo ihre Eltern herkommen. Die Frau verschluckte sich fast und rief: "You are from Malawi? Me too!" und dann hörten die beiden für den Rest des Charity Lunchs gar nicht mehr auf, sich zu unterhalten. Diese ungeahnte Gemeinsamkeit, die keiner auf den ersten Blick geahnt hätte, schuf sofort eine Verbindung und irgendwann berichteten sie uns Umsitzenden abwechseln vom Leben in Malawi. Für mich war das der netteste Moment des Charity Lunchs und so ging meine Charity-Woche sehr fröhlich zuende.
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