Dabei begann die Veranstaltung für mich ganz schön früh: Um kurz vor 7 Uhr war ich bereit am Ort des Geschehens, aber trotzdem nicht die allererste. Ein einsames Auto stand schon da, meine ersten "stall holder", die ihren Stand aufbauen wollten. Wenige Tage vorher hatte ich allen Ausstellern auf einem Kommunikationsweg ihrer Wahl (E-Mail, WhatsApp, SMS) noch einmal letzte Details zukommen lassen, unter anderem die Aufbauzeit: ab 7 Uhr, bis 9:30 Uhr könne auf dem Gelände geparkt werden, um 10 Uhr ginge es dann los. Da wir die Standplätze schon im Vorfeld verteilt hatten, hatte ich nicht wirklich schon um 7 Uhr morgens mit jemandem gerechnet und nehme auch immer noch an, dass Lorato nur so früh da war, weil sie "first come, first serve" vermutete - aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch und ich freute mich, den ersten Haken auf meiner Standliste mit insgesamt 31 Ständen machen zu können.
Eine Stunde später hatte ich bereits die erste Lektion der Marktorganisation gelernt: Entweder, Du stellst den Leuten Tische für ihre Stände zur Verfügung, oder Du akzeptierst, dass Du Deine Vorstellungen von der Standgröße nicht durchsetzen können wirst. An unserem Veranstaltungsort Lady Masire Youth Center waren Tische wie Stühle Mangelware; wir mieteten zwar für den Markt Mobiliar an, hatten aber den Ausstellern gesagt, dass sie für ihre jeweiligen Stände alles selbst mitbringen müssten. Und dass ein Stand nicht breiter als zwei Meter sein sollte, sonst müsste ein Doppelstand gebucht werden (der dann die doppelte Standgebühr kostete). Zum Glück hatte niemand seinen Tisch vergessen, aber die zwei Meter Vorgabe wurde doch äußerst flexibel ausgelegt.
Die gastgebende NGO machte meiner "Das Tor bleibt zu"-Politik allerdings einen Strich durch die Rechnung - mehreren VIPs musste erlaubt werden, auf dem Gelände zu parken. Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft (mögliche Sponsoren der gastgebenden NGO) sowie der kubanischen Botschafterin wollte man nicht zumuten, drei Meter weiter als nötig zu laufen. Wobei letztere das mit Sicherheit mitgemacht hätte, sie war auch sonst ganz cool und ließ sich nach ihrer Ankunft zunächst in unserer Kinderecke mit einem facepainting verzieren.
Der Markt hatte begonnen, eine Marimbaband spielte zur Begrüßung, es fuhren nach wie vor Autos rein und raus und die erste auftretende Tanzgruppe, das Mophato Dance Theatre, hatte ein Transportproblem und daher größere Verspätung. Es lief also nicht total ideal, aber auch nicht schlecht. Und spätestens als das Mophato Dance Theatre auftrat und den Platz füllte, um den die Stände gruppiert waren, kam Stimmung auf.
Alle meine Freunde waren tatsächlich gekommen - außer denen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Oder denen, die die Royal Wedding im Fernsehen verfolgten. Tatsächlich hörten wir an diesem Wochenende mehrmals, dass Leute sich gegen den Markt und für Harry und Meghan entschieden hatten. Ich weiß nicht genau, ob das britische Königshaus hier generell so einen hohen Stellenwert genießt oder ob es daran liegt, dass selbst die Facebookseite BW government nicht müde wird, die Verbindung des Paares zu Botswana zu preisen (gemeinsamer Urlaub hier, der Diamant am Verlobungsring ist aus Botswana etc.). Überdies war es recht windig - das seien die Winterwinde, sagte mir eine Ausstellerin. Sie brachten Bewölkung mit sich, was gar nicht so verkehrt war, denn auf dem Gelände ist sonst nur wenig Schatten. Trotzdem wirkte das Wetter auf einige potentielle Marktbesucher eventuell abschreckend. Ich denke, es hatte mit diesen zwei Faktoren zu tun, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückblieben - und vielleicht auch damit, dass es die erste Großveranstaltung auf einem ziemlich unbekannten Gelände war.
Für unser gutes advertisement waren wir von den Ausstellern zum Teil gelobt worden. Zumindest für eine Tanzgruppe war es jedoch nicht gut genug, die hat ihren Auftritt glatt verpasst, weil die Leiterin dachte, der Markt wäre erst eine Woche später. Meine Kollegin Wally, die den Auftritt organisiert hatte, war fassungslos, hatte sie doch erst ein paar Tage vorher die letzten Fragen mit eben jener Leiterin geklärt.
Aber sonst hat eigentlich alles recht gut geklappt. Obwohl wir mit mehr Besuchern gerechnet hatten, wurde der Essensstand komplett leergekauft. Einige Aussteller machten kein gutes Geschäft, dafür aber neue Bekanntschaften, aus denen sie sich Folgeverträge erhoffen. Der erfolgreichste Stand neben dem warmen Essen war wohl der mit Popcornmaschine und Zuckerwatte. Ich habe gestern noch einmal alle Aussteller kontaktiert und mich bedankt - die häufigste Reaktion war die Bitte, beim nächsten Markt doch wieder eingeladen zu werden. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn ich nicht denke, dass ich einen weiteren Markt mitorganisieren werde. Da das Event jährlich stattfinden soll, stellt sich die Frage für mich vermutlich eh nicht.
Mir gegenüber hat sich eigentlich nur Samosa-Eva unzufrieden geäußert, was aber keine Überraschung war - ich habe Samosa-Eva bislang eigentlich immer nur unzufrieden erlebt. Eva verkauft auf den hiesigen Farmer's Markets warme Samosas und war schon im Vorfeld nicht glücklich, weil Wally und ich ihr das auf unserem Markt nicht erlauben wollten. Warme Speisen sowie Kuchen wurden bei uns exklusiv vom "Thapelong Empowerment Trust" angeboten, weitere Stände mit essfertigen Snacks etc. sollte es daher nicht geben, Popcorn und Zuckerwatte waren hierbei unsere einzige Ausnahme. Eva tat ihren Unmut sowohl persönlich als auch telefonisch mehrmals kund und beschloss dann murrend, einen Kunsthandwerksstand zu machen. Ein paar Tage vor dem Markt rief sie mich dann an, weil sie sich überlegt hatte, neben dem Kunsthandwerk gefrorene Samosas zum Mitnehmen anzubieten. Die Marktbesucher wären sonst sicher traurig, wenn sie ohne Samosas dastünde. Mein Einwand, dass ich das für keine gute Idee hielte, weil am Essensstand schon warme Samosas verkauft werden würden, kam nicht gut an: Eva witterte eine Verschwörung gegen ihre Samosas. Ich lenkte ein. Eva war halbwegs versöhnt - bis zum Markt, auf dem sie keine einzige gefrorene Samosa verkauft hat, was in ihren Augen nun auch wieder irgendwie meine Schuld ist. Zum Abschied beschwor sie mich, ihr beim nächsten Event den Verkauf warmer Samosas zu erlauben. Im Hinblick auf Samosa-Eva wünsche ich mir wirklich, bis dahin außer Landes zu sein ...
Alles in allem war der Arts & Crafts Market doch recht vorbereitungsintensiv - in den Tagen vorher habe ich in Supermärkten Plakate aufgehangen, bin auf der Suche nach Einwegtischdecken in mir völlig unbekannte Gegenden Gaborones gefahren und habe mit Hilfe einer zufälligen Passantin Getränkespenden abgeholt. Nebenbei waren zig Anrufe zu führen und Nachrichten zu schreiben. Und ich habe noch nicht mal den Großteil der Arbeit gemacht: Meine Namensvetterin Wally organisierte neben Essensspenden noch die Verlosung, holte die Preise bei ihren Spendern ab, informierte den Moderator über die Veranstaltungsdetails und spannte ihren Gärtner ein, um Sachen vom Tierheim zum Veranstaltungsort zu bringen. (Ihr Gärtner besitzt zum Glück einen Pick-up - unserer hat nur ein Fahrrad ...) An das Tierheim fließen jetzt auch die Veranstaltungserlöse aus Eintrittsgeldern, Standgebühren und Losverkauf - genaugenommen war der Arts & Crafts Market ja auch eine Veranstaltung des Tierheims. Nachdem ich im Vorfeld gehört hatte, dass das Tierheim so viele ehrenamtliche Helfer hat, dass sie sich untereinander gar nicht mehr kennen, hatte ich angenommen, dass aus dieser Richtung eine gewisse manpower zu erwarten sei. Am Veranstaltungstag selbst waren auch durchaus Helfer zugegen, im Vorfeld hielten sie sich aber extrem zurück. Für das nächste Mal würde ich schon empfehlen, so eine Marktorganisation auf mehr als zwei Schultern zu verteilen. So wurde eben lang von zweien gekocht und dann schnell gegessen ...





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