Montag, 25. Juni 2018

Plastikverbote

Die Europäische Union hat kürzlich angekündigt, dass demnächst Einweg-Plastikgeschirr sowie Strohhalme aus Plastik in der EU verboten werden sollen. Begründet wird dies u.a. mit dem Schutz der Meere vor Plastikabfall. Ich finde den Schritt prinzipiell gut und richtig - allerdings eigentlich nicht weitgehend genug. Ich bezweifle, dass Plastikgeschirr und Strohhalme einen Großteil des Plastikmülls in den Weltmeeren ausmacht, somit müsste eigentlich noch viel mehr an Plastikprodukten verboten werden.
Wie wäre es z.B. mit Plastiktüten? Da hat die EU immerhin Ziele für die Mitgliedsstaaten gesetzt. Bis 2025 soll der Pro-Kopf Verbrauch an Plastiktüten auf 40 Stück pro Person und Jahr sinken. Deutschland hat seinen Soll bereits jetzt mehr als erfüllt, mit 29 Plastiktüten pro Person und Jahr. Anstelle von Verboten könnte ich mir auch eine zunehmende Besteuerung von Plastik vorstellen, um so Anreize für Innovationen in Alternativprodukten zu setzen.
Die botswanische Regierung hat nun verkündet, dass ab November 2018 Verkauf, Verwendung und Besitz von Plastiktüten verboten wird. Wird man mit einer Plastiktüte erwischt, soll man 5000 Pula (ca. 430 EUR) Strafe zahlen oder 30 Tage ins Gefängnis gehen. Gezielt wird mit dieser Maßnahme vor allem auf die Plastiktüten, die im Supermarkt an der Kasse häufig kostenlos abgegeben werden, als Müllsäcke z.B. werden Plastiktüten weiterhin erlaubt bleiben. Wir hatten ja schon einmal berichtet, wie verbreitet die Plastiktüten an der Supermarktkasse sind und wie seltsam wir angeschaut werden, wenn wir unsere Stoffbeutel auspacken (siehe hier), das wird in Botswana sicherlich ein ordentlicher Kulturwandel werden.
Botswana wird übrigens nicht das erste Land mit einem Plastiktütenverbot sein: Länder wie Bangladesch, Nepal, Ruanda, Kenia und weitere haben bereits vor einiger Zeit Plastiktüten verboten. Interessant, dass bisher wenig "westliche" Industrieländer nachgezogen sind.

Vor ein paar Jahren fragte ich mal nach der GIZ-Position zum Plastiktütenverbot. Die Antwort hat mich überrascht: Meine Kollegen der Umwelt-Abteilung waren gegen ein komplettes Plastiktütenverbot. Sie argumentierten, dass es beim Einpacken mancher Lebensmittel eventuell hygienischer sei, Plastiktüten zu verwenden. Und man bräuchte bei einem Plastiktütenverbot eben auch eine ökologische Alternative. Papiertüten seien dies eher nicht. Denn diese brauchen in der Herstellung so viel Wasser, dass man sie mehrfach verwenden müsste, was aber bei Papiertüten eher selten passiert. Es wäre also schon ironisch, wenn in dem überwiegend so trockenen Land Botswana Plastiktüten durch Papiertüten ersetzt würden.
Kürzlich las ich auch in einer Kolumne im SZ Magazin online, dass auch Stoffbeutel nur eingeschränkt eine gute Alternative zu Plastiktüten sind. Deren Produktion verbraucht ebenfalls eine Menge Wasser und Pestizide, so dass sie erst ab 25-maliger Benutzung ökologischer als Plastiktüten sind. Es ist nicht einfach, ökologisch korrekt zu handeln! 
Ich bin gespannt, was hier ab November passieren wird. In der Zwischenzeit merke ich, dass mir an der Supermarktkasse mittlerweile schon etwas weniger automatisch Plastiktüten angeboten werden bzw. dass ich gefragt werde, ob ich auch ohne Plastiktüte auskomme.

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