Montag, 30. Juli 2018

Star gazing

In den vergangenen Jahren waren wir immer mal wieder im nahgelegenen Mokolodi Nature Reserve. Wir sind dort schon Mountainbike gefahren, besuchen oft unser Lieblingsrestaurant, ich habe dort Tagungen abgehalten und auch sonst werden manchmal nette Veranstaltungen angeboten (wie z.B. das Weihnachtsliedersingen).
Für vergangenen Freitag hatten wir uns zu einem "star gazing" angemeldet. (Klingt "star gazing" nicht viel netter als "Sterne gucken"?) Zugegeben, wir meldeten uns erst zwei Tage vorher an, obwohl das Event schon eine Weile beworben wurde. Sonst sind kurzfristige Anmeldungen kein Problem in Mokolodi - diesmal waren sie es schon. Nur weil andere abgesagt hatten, bekamen wir überhaupt noch einen Platz. Wir hatten uns unwissentlich zu einem der größten Fundraising Events des privaten Naturschutzgebiets angemeldet.
Mit Safarifahrzeugen wurden wir in Gruppen in den Busch gefahren - außer uns noch ca. 250 weitere Gäste! Dort waren auf einer Lichtung Tische und Stühle aufgebaut, außerdem ein Beamer und eine Leinwand. Wir kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit an, d.h. um kurz vor 18 Uhr.


Dann gab es erst einmal etwas zu essen. Ein nicht mehr ganz junges britisches Ehepaar führte durch den Abend und erklärte die Sterne. Sie machen das wohl regelmäßig in Mokolodi, d.h. mindestens einmal jährlich. Sonst findet das "star gazing" allerdings nicht an einem Vollmondabend statt, sondern nur, wenn kein Mond zu sehen ist. Dank der klaren Luft und der nur geringen Luftverschmutzung aus Richtung Gaborone (ca. 10 km hinter Hügeln) konnten wir jedoch trotz des Vollmonds immerhin fünf Planeten erkennen: Venus, Jupiter, Saturn, Mars und Zwergplaneten Pluto. Merkur hätten wir wohl auch noch sehen können, wenn man ihn uns rechtzeitig gezeigt hätte, doch er war zum Zeitpunkt des Vortrags bereits untergegangen. Aufgrund des hellen Mondes waren viele weitere Sterne noch nicht zu sehen.
Nach einiger Zeit begann dann die angekündigte Mondfinsternis mit ihrem Blutmond: Zunächst ahnten wir nur, dass eine Ecke sich verdunkelte, dann wurde die Verdunklung immer deutlicher, schließlich blieb nur eine Sichel des Mondes - und dann war er ganz rot. Begleitet wurde die Mondfinsternis von dem sich an diesem Abend ganz in der Nähe des Mondes befindenden Mars, der auch der Erde derzeit so nah wie zuletzt vor 15 Jahren steht.


Spätestens jetzt war der Sternhimmel in seiner vollen Pracht zu sehen: Die Milchstraße durchzog den Himmel wie ein Band, und weitere Sternzeichen wurden uns gezeigt. Praktischerweise verwendeten unsere Präsentatoren einen lichtstarken Laserpointer. Hier zeigen sie übrigens gerade auf das "Kreuz des Südens" (liegend):


Manche Sternbilder oder Nebel waren trotz des fantastischen Sternhimmels schwer zu erkennen und viele der astronomischen Erklärungen auch nicht einfach nachzuvollziehen. Ein Astronom einer britischen Uni, der gerade in Botswana weilt, hielt noch einen kurzen Fachvortag. Man will in den nächsten Jahren offenbar eine Sternwarte für wissenschaftliche Forschung in Botswana bauen, schon jetzt wurde ein astronomischer Verein gegründet, für den Mitglieder gesucht werden (ob dessen Mitgliedsbeiträge auch astronomisch sind? - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).


Nach Eintritt der vollen Verdunklung blieben wir noch kurz, während die meisten anderen Gäste schon wieder mit den Safariautos zum Ausgang gebracht wurden. Walli stellte sich ans gerade entzündete Lagerfeuer, während ich noch ein wenig fotografierte.


Doch mehr als viereinhalb Stunden in der winterlichen Kälte forderten ihren Tribut. Glücklicherweise war es in den letzten Tagen schon wieder ein bis zwei Grad wärmer als zuvor. Wir waren ja vorbereitet mit Strumpfhosen, Winterstiefeln, dicker Winterjacke und Mütze, aber irgendwann wurde es uns dennoch zu kalt und auch wir fuhren zurück. Noch ein schneller letzter Blick aus dem Garten unseres Hauses auf die MoFi und den Mars, dann befüllten wir unsere Wärmflaschen mit heißem Wasser und vertrauten darauf, dass der Mond auch ohne unser Beisein wieder aus dem Erdschatten hervortreten würde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen