Samstag, 8. April 2017

Kunst!

Kulturveranstaltungen stehen in Gaborone nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Es gibt kein Theater, kein Opernhaus oder ähnliches, was man in einer Hauptstadt vermuten würde - gelegentliche Aufführungen finden in Schulaulen oder im Kongresszentrum statt. Auch was Museen angeht, hat Gabs nicht viel zu bieten. Das Nationalmuseum ist seit fast einem Jahr wegen Renovierung geschlossen und die anwesenden Mitarbeiter, die trotzdem täglich an der Rezeption sitzen, können keinerlei Auskunft geben, wann es wieder öffnen wird. Ansonsten ist mir nur noch ein Philateliemuseum bekannt, und auch das nur von außen. Denn obwohl es an dem Gebäude dransteht, kann ich nicht so recht glauben, dass sich hinter den Mauern wirklich eine Briefmarkenausstellung verbirgt – in einem Land, in dem auf ein funktionierendes Postsystem nicht wirklich Wert gelegt wird … aber eines Tages werde ich herausfinden, ob es dort wirklich etwas anzuschauen gibt. Hier geht man halt auch nicht unbedingt nach Interesse, sondern nimmt mit, was angeboten wird.

Über den GIZ-Verteiler erreichte uns dann vor zwei Wochen eine Einladung zu einer Vernissage, die uns spontan interessierte. In der zum Nationalmuseum gehörenden (und eigentlich ebenfalls geschlossenen) Nationalgalerie wurde eine dreiwöchige Ausstellung eines botswanischen Künstlers namens Botho David angekündigt: "BOKA - Batswana Of Known Appearances". Die Vernissage war ein öffentliches Event, das an einem Dienstagabend stattfand. Also machten wir uns mit unseren Gästen auf den Weg. Das „Opening Event Programme“ fand open air vor dem Museum statt. Es wurden noch Plastikstühle gerückt und verteilt, als wir kamen und man begrüßte uns sogar persönlich, was eventuell daran lag, dass Philip direkt von der Arbeit gekommen war und mit Anzug doch relativ offiziell aussah. Die Veranstaltung begann mit einem Eröffnungsgebet, für das ein Pastor eingeladen worden war. Anschließend gab es verschiedene Reden, in mittelmäßigem bis sehr gutem Englisch. So war zum Beispiel der Managing Director der Botswana Development Corporation Limited  (BDC) zu Gast. Das BDC fördert im Auftrag der Regierung unter anderem Start-Ups und der Direktor rief in seiner Rede zu mehr Engagement und Eigeninitiative von Künstlern auf – sie hätten zum Beispiel gerade erst ein neues Geschäftshaus errichtet und er hätte es großartig gefunden, wenn Künstler auf ihn oder seine Mitarbeiter zugekommen wären und ihnen angeboten hätten, ihre Kunst dort an die Wände zu hängen. Das war offensichtlich nicht geschehen und hätte mich auch eher gewundert, denn diese Denke passt für mich nicht zum eher gemächlichen Gang, den die Dinge in Botswana zu gehen. Aber der Managing Director des BDC forderte auf, auch mal anders und quer zu denken, und das fand ich gut und inspirierend. So etwas hatte ich hier noch nicht gehört.
Anschließend trug die Schwester des Künstlers, eine Dichterin, zwei kurze Texte vor, die in Richtung Poetry Slam gingen – auch so etwas war uns hier noch nicht begegnet. Botho David selbst meldete sich nur sehr kurz zu Wort, aber insgesamt dauerten die Reden ungefähr eine Stunde. Dann wurden wir in den Ausstellungsraum gebeten und begutachteten die zwanzig bis dreißig Portraits. Der Künstler hatte verschiedenste prominente Batswana portraitiert: Sportler, Fernsehmoderatoren, Schönheitsköniginnen … uns waren sie sämtlich unbekannt, aber die Bilder haben uns gefallen.



Dennoch wurden wir nach kurzer Zeit schon wieder herauskomplimentiert, da inzwischen ein kostenloses Buffet aufgebaut worden war. Wir aßen, tranken und unterhielten uns mit anderen Gästen und ich hatte das Gefühl, unter lauter kulturinteressierten, weltoffenen Menschen gelandet zu sein – ebenfalls eine in Gaborone so noch nicht gemachte Erfahrung. Was für eine schöne Überraschung!

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