Sonntag, 7. Oktober 2018

Irgendwo im Nirgendwo der Kalahari-Wüste

Kaum zu glauben, trotz aller unserer Ausflüge gibt es noch immer ein paar Ziele in Botswana, die auf unserer "bucket list" stehen.
Kürzlich hatten wir ein durch Feiertage um Montag und Dienstag verlängertes Wochenende; klar, dass wir das nutzen mussten. Ein Ziel auf unserer imaginären Liste war das Central Kalahari Game Reserve (CKGR). Mit 52.700 km² ist es das das weltweit zweitgrößte Wildtierreservat, etwas größer als Bosnien und Herzegowina, 1,27-mal so groß wie die Schweiz oder die Niederlande oder knapp kleiner als Hessen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Wir hatten etwas Respekt vor diesem "wilden" Gebiet, durch das ein paar sehr sandige (in der Regenzeit sehr matschige) Pisten führen und in dem man womöglich tagelang niemandem begegnet. Auch wenn unser Schluckspecht uns bisher überall hin- und wieder weggebracht hat, wollten wir unser Glück und ihn nicht zu sehr herausfordern, und so planten wir keine Campingtour, sondern buchten uns kurzfristig in einer der nur zwei Lodges in diesem Riesengebiet ein. Anders als die "normalen" Gäste flogen wir jedoch nicht zu unserer Unterkunft, sondern entschieden uns dazu, mit dem Auto hinzufahren - das war bei dieser eher am Rande des CKGR liegenden Lodge prinzipiell möglich: Nach ca. acht Stunden Fahrt (inkl. einer Übernachtung im Dachzelt) verließen wir die geteerte Straße und fuhren auf einer welligen Piste ca. 42 km bis zum Nationalparkeingang. Dort wurden wir per Funk im Camp angemeldet und fuhren anschließend die letzten ca. 60 km bis zur Lodge, die wunderschön gelegen war.
Die Fahrt über die Pisten hatte etwas länger gedauert als uns vorab angegeben worden war (was nur teilweise daran lag, dass wir einmal im Sand stecken blieben), aber gleich nach Ankunft und Einchecken konnten wir noch zu einem verkürzten Nachmittags-Game Drive aufbrechen. Dieser begann gleich mit einem Höhepunkt: Unser Guide hatte per Funk gehört, wo es etwas Spannendes zu sehen geben sollte. Dort fanden wir dann eine getötete Oryx-Antilope. Bevor wir noch überlegen konnten, wer das Tier gerissen hatte, entdeckten wir die erfolgreiche Jägerin auf der anderen Seite des Wagens in einem Busch: Eine Leopardin, die uns erst beobachtete, sich schließlich aber doch entschloss, weiter zu ziehen.



Anhand der Spuren konnten wir am nächsten Tag nachvollziehen, dass wohl Hyänen ihre Beute über Nacht weggezerrt hatten. Wir fanden die Leopardin schließlich noch einmal mit frischer Beute.

Die Landschaft in der Zentralkalahari unterschied sich deutlich von anderen Gegenden Botswanas, die wir bereits kannten: flacher, mit mehr großen, weiten Steppen und weniger/keinem Wasser. Hier fühlen sich vor allem Springböcke und Oryx-Antilopen wohl, die ihren Wasserbedarf durch das Kauen des trockenen Grases stillen können. Wir sahen außerdem viele Schakale, Riesentrappen in größeren Ansammlungen, und erstmals auch Füchse und Honigdachse.
Bekannt ist die Kalahari auch für ihre Löwen, die hier besonders groß werden und deren Mähne - wenn sie mal ausgewachsen sind - zunehmend schwarz wird. Eins dieser Exemplare sahen wir - es war eine imposante Erscheinung!



Der Unabhängigkeitstag Botswanas am 30.09. wurde besonders gefeiert: Das Hauptgebäude der Lodge war mit Luftballons in den Farben der botswanischen Flagge geschmückt, selbst das Game Drive-Fahrzeug war dekoriert worden (wobei wir sowohl das Fähnchen als auch die blau-weiß-schwarzen Ballons im Laufe des Vormittags-Game Drives verloren). Nachmittags gab es eine Präsentation zur Geschichte des Landes und den bisherigen Präsidenten. Abends am Lagerfeuer wurde dann erst die botswanische Nationalhymne gesungen, schließlich getanzt und gesungen - ein eindrückliches Erlebnis. Das Abendessen dieses Tages war typisch botswanisch, zwar auch lecker gekocht, es wird aber dennoch wohl nicht mein Lieblingsessen werden.




Über unserem Luxus-Zelt war eine Plattform errichtet, auf der wir zwei Nächte lang draußen schlafen konnten unter einem fantastischen Sternenhimmel. Auch das war ein Erlebnis - und wäre noch schöner gewesen, hätten wir nicht nach den erfüllten Tagen so gut und tief geschlafen. Nur einmal wachten wir nachts auf, weil jemand einen großen Scheinwerfer auf uns richtete - bis uns klar wurde, dass offenbar der (Halb-)Mond aufgegangen war und uns anschien. In einer Nacht hörten wir Löwengebrüll - der Löwe, den wir bereits tagsüber gesehen hatten, versuchte wohl, sein Rudel wiederzufinden. In der anderen Nacht wurden wir morgens von Vögeln geweckt - dachten wir, es stellte sich heraus, dass die Laute von Schakalen kamen, die sich offenbar ganz in der Nähe gegenseitig riefen.

Neben den "normalen" Game Drives bot unsere Lodge auch noch eine besondere Aktivität: Die Zentralkalahari ist die Heimat der San (Buschleute). Sie wurden von der Regierung überwiegend vertrieben, ein paar Dörfer sind jedoch (wieder oder noch?) vorhanden, und eine San-Familie kam, um mit uns einen "bush walk" zu machen. Es blieb uns erspart, dass sich unterwegs ein Löwenrudel mit zwölf Löwen anpirschte, obwohl der eine obige Löwe kurz vorher nach seiner Familie gerufen hatte (einer anderen Gruppe war das wohl mal passiert, sie behielten die Nerven, blieben standhaft und die Löwen griffen nicht an, sondern zogen schließlich wieder ihrer Wege). Dieser Spaziergang war sehr faszinierend: Wir lernten, wie die San verschiedene Pflanzen zur Heilung oder als Gift für die Pfeilspitzen nutzen, uns wurde das Fallenstellen für verschiedene Tiere sowie die Jagd auf Hasen gezeigt, außerdem das Feuermachen mit zwei Stöcken und etwas Stroh.



Es waren sehr intensive zweieinhalb Tage, die wir im Central Kalahari Game Reserve verbrachten. Voll mit neuen Eindrücken fuhren wir zurück nach Gaborone (was tatsächlich zwölfeinhalb Stunden Fahrt an einem Tag bedeutete). Werden wir es schaffen, hier noch einmal hinzukommen?

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