Sonntag, 9. September 2018

Der Herr Minister fliegt ein

Für Arbeitsverweigerer im Auslandseinsatz gibt es kaum eine größere Drohung als "Der Minister kommt" (je nach Besuchsprogramm ungefähr gleichzusetzen mit "Die Bundeskanzlerin kommt" oder "Der Bundespräsident kommt").
Wenn mein Chef, der GIZ Landesdirektor, im Urlaub oder auf Dienstreise ist, dann darf ich ihn vertreten. Das fand ich bisher immer interessant, weil man so noch einmal Einblicke in andere Aufgaben bekommt - und bisher hielten sich die dringenden oder kritischen Anfragen in seiner Abwesenheit meist in Grenzen.
Während der Abwesenheit meines Chefs bin ich nicht nur Chef, sondern auch mein Chef. Doch als er im Juli in Urlaub war, kam es knüppeldick: absehbare Budgetkürzungen, kritische Abfragen, und schließlich: Der Minister kommt. Zunächst sollte ich es noch nicht groß weitertragen, dann kam die Anfrage, innerhalb von 48 Stunden Dokumente zu erstellen, der Druck ging los.
Glücklicherweise wird solch ein Ministerbesuch nicht von der GIZ koordiniert, für so etwas gibt es ja die deutsche Botschaft. Dort fand allerdings im Zeitraum Juni bis August ein Wechsel von drei der sechs Mitarbeiter/innen statt, wobei zu dem Zeitpunkt noch keine/r der neuen Mitarbeiter/innen eingereist war. Der deutsche Botschafter war zwar noch da, machte jedoch deutlich, dass er seinen Urlaub im August - während des Ministerbesuchs - durchaus anzutreten gedenke. Interessant, was man sich als Botschafter alles erlauben kann...
Glücklicherweise kam mein Chef kurze Zeit später aus dem Urlaub zurück und konnte wieder übernehmen. Mit den verbliebenen Mitarbeiter/innen an der Botschaft sowie dem Protokoll des Ministers wurde ein Ablaufplan ausgearbeitet, Besuchstermine angefragt und die Logistik ausgetüftelt. Projektfahrzeuge mit Fahrer wurden ausgewählt, um die Delegation des Ministers durch die Stadt zu kutschieren, ein Mitarbeiter als "Gepäckmeister" auserkoren, der sich am Flughafen um das Gepäck der Delegation kümmern sollte.
Für die Projekte kam - glücklicherweise? - keine weitere dringende Anfrage. Wir haben überhaupt sehr wenig vom Ministerbesuch mitbekommen: Ich habe ihn noch nicht einmal gesehen. Schade eigentlich. Obwohl, doch, live habe ich gesehen, facebook-live, denn die botswanische Regierung hat dort die ersten 25 Minuten des Besuchs von Herrn Müller bei Präsident Masisi live bei Facebook gestreamt. Auch eine Art von "open Government". Wann wir wohl mal ein Gespräch von Frau Merkel oder Herrn Steinmeier mit einem ausländischen Politiker live online verfolgen können? Oder wollen wir das vielleicht gar nicht?
Apropos mitbekommen: Wenn ich den Minister schon nicht gesehen habe, so haben wenigstens Walli und ihre Eltern das Flugzeug der Flugbereitschaft am Flughafen aufgesucht und ein Foto gemacht - für unsere Blogleser machen wir doch (fast) alles - und am Flughafen Gaborones fühlen sich Walli und ihre Eltern ja mittlerweile auch recht heimisch dank gewisser Koffersuchaktionen...


Es war der erste Besuch von Herrn Müller im südlichen Afrika überhaupt, von Botswana und seinem Präsidenten zeigte er sich sehr beeindruckt - man brauche in Deutschland solche Beispiele aus Afrika von Staaten mit funktionierender Demokratie, und gutem Wirtschaftswachstum. Auch der Besuch bei SADC verlief im Großen und Ganzen wohl zur Zufriedenheit des Ministers. Beim anschließenden Stopp in Kasane im Norden Botswanas ließ sich Herr Müller noch die Kooperation mehrerer Staaten im Naturschutz erklären - u.a. während einer Boots-Safari auf dem Chobe-Fluß und während einer Safari zu Land. Sicherlich eindrücklich! Frisches Geld brachte Herr Müller leider keines mit; wir wären ja schon dankbar, wenn die angekündigten Kürzungen nächstes Jahr etwas weniger stark ausfielen.

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