Sonntag, 16. Dezember 2018

Ungeplanter Garage Sale

Ganz, ganz langsam beginnen unsere Umzugsvorbereitungen. Dass wir mit dem Verkauf von ersten Möbeln bereits begonnen haben, hatte ich ja schon geschildert. Diese Woche habe ich nun bislang vier Umzugsunternehmen kontaktiert, damit sie unseren Hausstand in Augenschein nehmen. Die ersten drei haben jeweils am darauffolgenden Tag gleich jemanden vorbeigeschickt. Am Dienstag empfing ich zunächst Pelo von Umzugsfirma Nummer 1, der sogleich mit seinem Tablet los fotografierte.

Philip und ich planen, die Mehrzahl unserer Möbel zu verkaufen. Einige Verkäufe sind schon fix vereinbart, eine Liste mit allem Übrigen wollen wir ab Mitte Januar über den GIZ-Verteiler jagen. Insofern musste ich in jedem Raum erklären, was bereits verkauft ist, was wir bestimmt verkaufen werden, was wir vermutlich und was auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass das ungefähr so klang: "Dieses Regal hier ist verkauft, das Fahrrad will ich noch verkaufen und die leeren Blumenkübel nehmen wir mit nach Deutschland." Ich sagte also NICHT: "Dieses Regal hier ist verkauft, aber dieses formschöne Retro-Rad mit bequemem Sattel, neuwertiger Klingel und einem entzückenden Fahrradkörbchen, das jedem Radfahrer schmeicheln würde und pfeilschnell über die Straßen gleitet, ist für schlappe 400 Pula - nur heute! im Sonderangebot ..." Also, das sagte ich nicht. Trotzdem verlud Pelo mein Fahrrad nach einem sehr kurzen Verkaufsgespräch in seinen Kofferraum. Für seine Frau. Davor war er Probe gefahren und es hatte hinten einen Platten, den wir auf die Schnelle auch nicht erfolgreich aufgepumpt bekamen, aber das störte ihn nicht. Ich dagegen fand, dass ich ein gutes Geschäft gemacht hatte - vor sechs oder sieben Jahren habe ich für das Rad auf dem Flohmarkt 40,- € gezahlt und es jetzt für 32,- € weiterverkauft. Pelo hätte auch noch großes Interesse an Philips Rad gehabt, aber so spontan wusste ich nicht, was Philip dafür haben wollte. Ich habe ihm dann später wie vereinbart den Preis gewhatsappt - ca. das Zehnfache von meinem Rad, aber Philip hat eben auch kein altes Damenrad vom Flohmarkt ... seitdem habe ich nichts mehr von Pelo gehört. Ob er mir wohl noch ein Umzugsangebot schickt?

In meinem früheren Job habe ich gelernt, dass es bei Auftritten wichtig ist, dass der Künstler in seiner Rolle bleiben kann. Wenn er als Moderator gebucht ist, sollte er nicht zwischendurch noch eine halbe Stunde Standup-Comedy machen müssen. Sowas funktioniert in der Regel nicht wirklich gut und verwirrt das Publikum. In diesem Fall war ich tatsächlich verwirrt als potentielle Umzugskundin, die plötzlich zur Verkäuferin wurde. Es ist natürlich ganz nett, das alte Fahrrad schon losgeworden zu sein, aber irgendwie waren Pelo und ich so ziemlich vom Umzugsthema abgekommen. Zumindest war ich am nächsten Nachmittag schon etwas routinierter: Lebo von Umzugsfirma Nummer 3 fand zunächst Gefallen an einem alten Klappstuhl in unserem Gästezimmer und dann noch an unserem Campingtisch. Dessen Plastikoberfläche hatte auf unseren letzten Touren etwas gelitten und war nicht mehr sauber zu bekommen. Sie fragte, ob ich es mit dem hiesigen Putzmittel "Handy Andy" probiert hätte (ich hatte allerdings bislang nur mit Spüli geschrubbt). Und so wischten wir schließlich beide mit "Handy Andy" an dem Tisch herum (der tatsächlich sauberer wurde!) während sie mir erzählte, dass dieser eine gute Größe für ihr geplantes mobiles Nagelstudio hätte. Tja. Vielleicht kauft Lebo uns am Freitag auch noch meinen alten Ikea-Schrank mit Nachttisch ab, ich habe ihr auf jeden Fall Fotos gewhatsAppt, damit sie sie ihrem Mann zeigen kann. Später schrieb sie mir noch, was eigentlich die Zieladresse für unseren Umzug sei - stimmt, das hatten wir gar nicht mehr besprochen. Mir fiel dafür später auf, dass Philip und ich den Campingtisch für die nächste Woche (wir machen Campingurlaub in Südafrika) noch ziemlich gut hätten brauchen können. Aber jetzt leiht uns Philips Chef seinen. Und falls er schmutzig wird, schrubbe ich ihn danach mit "Handy Andy" sauber ...

Vermutlich werden wir mit Umzugsfirma Nummer zwei umziehen. Herr Henriksen, der skandinavische Wurzeln hat und sich mir als der letzte Rhodesier vorstellte, brachte mir einen Folder mit Informationen mit und erklärte mir erstmal eine Viertelstunde, wie sein Unternehmen arbeitet, bevor wir einen Hausdurchgang machten. Kaufinteresse hatte er keinerlei, dafür war er der einzige, der unserem Beiladungswunsch nicht völlig hilflos gegenüberstand und dem "Austria" immerhin etwas sagte (wir wollen für einen von Philips Kollegen eine Kiste mitumziehen, die dann nach Salzburg weitergeschickt werden soll). Vermutlich wird seine Firma die teuerste sein, aber er hat einen meilenweit besseren Eindruck bei mir hinterlassen. In der Hoffnung, vielleicht noch ein ähnlich professionelles Unternehmen zum Vergleich zu finden, habe ich gestern dann noch eine vierte Umzugsfirma kontaktiert. Falls sie doch nicht in Frage kommen sollten, kaufen sie mir vielleicht zumindest noch etwas ab!

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