Man könnte meinen, dass sich bei uns nun alles um den bevorstehenden Abschied dreht, doch dem ist nicht so, im Gegenteil: In der vergangenen Woche hatten wir wohl eines der Highlights unserer gesamten Zeit hier. Der deutsche Bundespräsident kam zum Staatsbesuch nach Botswana, und wir waren mittendrin statt nur dabei. Dieser Staatsbesuch war doch etwas größer als der Arbeitsbesuch des BMZ-Ministers Müller Ende August. Herr Steinmeier kam mit einer Delegation von ca. 60 Leuten, Walli organisierte die Kulturdelegation ganz allein, ich hatte die Wirtschaftsdelegation an der Backe (letzteres immerhin zusammen mit einem Kollegen aus der Botschaft). Der Hochzeitsanzug wurde aus dem Schrank geholt!
Mit den Mitarbeitern der deutschen Botschaft trafen wir uns letzten Mittwochmorgen um 8 Uhr am Hotel, in dem die Delegation später eincheckte, trafen letzte Absprachen, teilten die Busse ein, etc. Der Fahrer "meines" Busses erschien nicht nur zu spät, sondern auch in Unterhemd und Flipflops; ihn schickten wir erst einmal zum Umziehen. Dann ging es frühzeitig zum Flughafen - nein, nicht zu dem Teil für Normalsterbliche, den wir mittlerweile gut kennen, sondern zum VIP-Terminal daneben. In diesem warteten wir zwei Stunden, bis die Delegation aus Südafrika eingeflogen kam. Eigentlich besteht Gaborones VIP-Terminal nur aus einer Lounge mit schweren Sesseln bzw. Couchgarnituren. Während wir dort saßen, lief nach und nach die Prominenz auf: Einige Militärs in Ausgehuniform, später die botswanischen Minister, dann auch Teile des "diplomatischen Korps", sprich die Botschafter anderer Länder oder ihrer Stellvertreter. Schließlich entstiegen auch der botswanische Präsident Masisi und seine Frau einer Limousine. Wir fühlten uns jetzt schon wichtig.
Der Flieger der deutschen Flugbereitschaft, ein A340 (solche große Flugzeuge sieht man an unserem Flughafen sonst eigentlich nicht), landete gegen 11:45 Uhr, der rote Teppich wurde ausgerollt (bzw. die letzten Meter zur Treppe gerollt), wir hasteten zur hinteren Treppe, nahmen die Mitglieder "unserer" Delegationen in Empfang und führten sie zum Rand des Rollfelds.
In der Zwischenzeit starteten die militärischen Ehren: 21 Kanonenschüsse, das Abschreiten der Formation, eine Militärkapelle spielte die botswanische und die deutsche Nationalhymne. Wir schauten noch kurz zu, hasteten jedoch aufgrund des engen Zeitplans noch vor dem Auftritt der traditionellen Tanzgruppe zu den Bussen und stiegen ein (gemäß eines genauen Plans, wer in welchen Bus mit wem!), damit alle Wagen abfahrtsbereit sein würde, sobald die Präsidenten mit der Zeremonie fertig sein wären. Mit Blaulicht in langer Kolonne ging es durch die Stadt, überall stand der Verkehr still, bis wir durch waren. So schnell sind wir selten von einem Ort zum anderen gekommen!
Erster Programmpunkt war ein Staatsbankett, man macht so etwas ja nicht jeden Tag mit, insofern eine spannende Angelegenheit für uns: 330 Plätze an runden Tischen im größten Saal des Kongresszentrums Gaborones, in der Mitte die Präsidenten mit Ehefrauen. Nationalhymnen, Rede des botswanischen Vizepräsidenten (Präsident Masisi ließ sich wegen erkältungsbedingter Heiserkeit als Redner entschuldigen), Rede des deutschen Präsidenten (in exzellentem Englisch!), dann wurde das Essen serviert.
Unser Tisch war leider halb leer, was die Konversation etwas erschwerte. Im Hintergrund spielte eine botswanische Blaskappelle Stücke wie "An der blauen Donau" oder den "Radetzky-Marsch" (letzteren assoziiert Walli mit einer Bonduelle-Werbung von 1985, das war wohl musikalische Früherziehung!). Waren wir noch in Botswana? Nein, wir waren auf Staatsbesuch!
Nachmittags begleiteten wir unsere Delegationen zu ihren Terminen, abends trafen wir uns in im Mokolodi Game Reserve wieder. Dort wurden wir zum Konferenzzentrum World's View geshuttelt, wo uns eine Marimba-Band begrüßte. Es war der interne Delegationsabend, dem wir (jetzt als Delegationsmitglieder) beiwohnen durften. Die Stimmung war gut, Herr Steinmeier sprach mit meiner Wirtschaftsdelegation über eine Stunde lang, so dass die Delegationsmitglieder anschließend sehr glücklich waren.
Tag 2 begann wieder mit einem Termin der Wirtschaftsdelegation, dann fuhren wir zum Hauptprogramm mit Herrn Steinmeier, der ein Berufsbildungsprojekt einweihen sollte. Wir waren planmäßig etwas früher dort, und es zeigte sich, dass Delegationsbegleitung durchaus aus mehr besteht, als die Bespaßung der Delegationsmitglieder. In letzter Minute entdeckten wir z.B. noch diese deutsche Fahne, die etwas Korrektur bedurfte.
Von dort ging es wieder mit Blaulicht durch die Stadt zurück zum Flughafen: Salutschüsse, Nationalhymnen, die Delegationen Richtung Hintereingang des Flugzeugs bugsieren. Atem anhalten: Das Flugzeug hatte bereits in Südafrika Startprobleme, man hatte kurzfristig über die Landgrenze noch technisches Equipment geholt, Botschaftsmitarbeiter mussten noch morgens schnell zur Grenze eilen, um mit der Entzollung zu helfen. Und dann ging doch alles gut: Die Türen schlossen sich, die Maschine wurde startklar gemacht, fing langsam an zu rollen bis ans eine Ende der Startbahn, nahm lange Anlauf und entschwebte über dem Himmel von Gaborone. Wir blieben zurück, und hatten als Abschiedsgeschenk einen ordentlichen Sonnenbrand im Gesicht bekommen. 24 Stunden lagen hinter uns, intensiv waren sie, und wir dürften uns wichtig fühlen, waren wir doch nah "an der Macht" und mittendrin als Teil der Delegation des Staatsbesuchs. Spannend!







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