Weihnachtsstimmung – die kam bei uns in diesem Dezember etwas kurz. Das hatte ganz verschiedene Gründe: den heißen Gaboroner Dezember, fast ohne nennenswerten Regen und Abkühlung, einen Krankenhausaufenthalt von Philips Vater und die damit verbundenen Sorgen, ein wunderschöner Kurzurlaub in Südafrika bis zum 21.12. ... die letzten drei Wochen waren von ganz unterschiedlichen Emotionen geprägt, aber keine hatte einen größeren Weihnachtsbezug. Geschmückte Plastikweihnachtsbäume, hier und da etwas Weihnachtsbeleuchtung sowie das gespannte tägliche Türchen-Öffnen bei Adventskalendern sind kein vollständiger Ersatz für deutsches Dezemberwetter, Weihnachtsmärkte und Plätzchenbacken. Aber wir planen, nächstes Jahr wieder das komplette Programm zu genießen – und wer weiß, vielleicht werden wir im Dezember 2019 sehnsüchtig an die gleißende Sonne im südlichen Afrika zurückdenken?
Aber der Reihe nach: 2018 war ein erlebnisreiches Jahr. Obwohl Philip seit Jahresanfang ein Auge auf in Deutschland ausgeschriebene GIZ-Stellen hatte, versuchten wir, es nicht im Zeichen des Abschieds von Botswana zu sehen, sondern ganz im Jetzt zu leben. Das ist uns auch meistens gut gelungen. Wenn unser Internet mal wieder völlig erlahmte, der Strom für ungewisse Zeit abgeschaltet wurde, unser Einfahrtstor aus ungeklärten Gründen nicht richtig schloss und Ameisen durch unseren Kühlschrank spazierten, dachten wir nicht nostalgisch an unseren irgendwann bevorstehenden Umzug, sondern wünschten Provider, Handwerkern und Insekten die Pest an den Hals – ganz im Jetzt eben. Und auch beruflich merkte Philip wenig von seinem geplanten Abschied, und das wird wohl auch bis zu seinem letzten Arbeitstag in Gaborone so bleiben. Sein Team, 2017 noch zu großen Teilen neu eingestellt, ist nun eingearbeitet und versucht weitgehend selbstständig, Handel und Industrialisierung im südlichen Afrika voranzubringen. Die Vertretung der EU in Gaborone will Philips Projekt kofinanzieren, d.h. mit erheblichen Mitteln aufstocken, auch das will vorbereitet werden, und dann steht noch die Fusion mit einem anderen Projekt an – so gesehen ist gerade richtig viel los und Philips Abschied wird für das Projekt ein paar Monate zu früh kommen, war aber von uns nicht besser steuerbar. Ein Nachfolger ist gefunden, er kommt ab Mai, ab März muss vorübergehend ein Mitarbeiter übernehmen.
Walli organisierte in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einer anderen Wally einen Kunsthandwerksmarkt, der sie Land und Leute noch besser kennenlernen ließ, ein paar Nerven kostete und letztendlich zwar nicht berauschend besucht war (Harry und Meghan heirateten dummerweise am gleichen Tag), aber dennoch erfolgreich. Sie hat zwei weitere NGO-Klassen unterrichtet und versucht, ihnen Spar- und Businesspläne und den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit näherzubringen. Und als die Schüler in einem anderen Unterrichtsfach eine Powerpoint-Präsentation über ihr Heimatdorf machen sollten, hat sie nachgezogen und ebenfalls eine über Odendorf gehalten.
Im Zeichen des interkulturellen Austauschs stand auch der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Gaborone. Es waren ca. 24 Stunden, die für uns hochspannend waren. Mittendrin statt nur dabei betreuten wir die Kultur- und die Wirtschaftsdelegation und waren komplett begeistert, einen Blick hinter die Kulissen so eines Staatsbesuchs zu bekommen. Ein absolutes Highlight! Und die anderen Highlights dieses Jahres? Waren, wie immer, unsere Reisen – zum Teil mit liebem Besuch im südlichen Afrika: Wir haben Geno und Ali in Kapstadt getroffen, mit Philips Mutter die Garden Route bereist und mit Wallis Eltern das nordöstliche Südafrika unsicher gemacht. Auch sonst waren wir wieder viel, viel unterwegs, mit Freunden und allein, im Auto mit Dachzelt, aber auch in der ein oder anderen Lodge. Wir sind immer noch nicht nach Mauritius oder auf die Seychellen geflogen, sondern haben uns nach wie vor voll und ganz den Safaris verschrieben, die uns immer noch begeistern und faszinieren. Ihre indirekte Auswirkung war ein Fotobuch-Produktions-Marathon, den Philip von Oktober bis November absolviert hat – wer gerne mal „ein paar Fotos“ von unserem Leben und Reisen im südlichen Afrika sehen will, sollte einiges an Zeit einplanen …
Walli hat im Laufe des Jahres mehr und mehr Kinderbücher vorgelesen, Deutsch unterrichtet und sich als Schreibschrifttrainerin betätigt. Das war oft spaßig, manchmal anstrengend und vor allem sind ihr all diese Kinder ans Herz gewachsen. Sie freut sich, dass sie einige hoffentlich nicht völlig aus den Augen verlieren wird – einen Teil von ihnen werden wir im Laufe des nächsten Jahres in Frankfurt und Umgebung wiedersehen. Die größte Entscheidung dieses Jahres: Ende Februar 2019 wird es zurück nach Deutschland gehen! Philip wird ab März wieder in Eschborn bei der GIZ arbeiten, in einer Stabsstelle, wo er zu Grundsatzfragen und unternehmenspolitischen Fragen arbeiten soll – so ziemlich das Gegenteil dessen, was er jetzt macht, aber die jetzige Arbeit wird ihm (hoffentlich) für den neuen Job weiterhelfen.
Und was macht Walli? Das wurde in unseren Anfangsmonaten in Botswana oft gefragt und scheint nun wieder ein Thema, seitdem unser Rückkehrzeitpunkt feststeht. Für sie ist es das noch nicht: Im Moment schlägt sie sich mit Umzugsfirmen herum, rezensiert auf ihrem Bücherblog www.romanregal.de und kümmert sich weiter um deutsche Kinder, serbische Teenager und botswanische junge Erwachsene. Zwischendurch ist sie mit neu zugezogenen Freundinnen unterwegs und zeigt ihnen ihre Entdeckungen der letzten zweieinhalb Jahre in Gaborone und Umgebung. Ab März ist dann volle Konzentration auf den deutschen Arbeitsmarkt angesagt. Aber bis dahin: Alles zu seiner Zeit.
Und jetzt ist es erstmal an der Zeit, Weihnachten zu feiern. Wir freuen uns sehr, dass auch dieses Jahr wieder mit Familie und Freunden zu können. Und dass die Abschiede am Ende dieses Deutschlandbesuchs nicht ganz so groß ausfallen werden wie sonst – wir kommen ja bald wieder! Dafür wird dann der nächste Februar unser Monat der Abschiede. Wer verfolgen will, wie es uns damit und mit unserem Umzug ergeht, kann das nach wie vor hier auf unserem Blog tun. Doch nun genießen wir erstmal die Feiertage.
Frohe Weihnachten und ein glückliches und gesundes Jahr 2019!
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