Donnerstag, 27. Dezember 2018

Kulinarische Überraschungen

Mit der Weihnachtszeit werden ja auch immer kulinarische Exzesse assoziiert. Walli las kürzlich einen Weihnachtsroman mit dem Titel "Sieben Kilo in drei Tagen" (nicht empfehlenswert, daher auch nicht auf Romanregal.de besprochen). Also dachten wir uns, dass jetzt, zwischen den Jahren, eine kleine Story zum Thema Essen gut passen könnte:

Eine kulinarische Spezialität in Botswana sind frittierte Mopane-Würmer. Nein, wir haben noch keine probiert, und haben das eigentlich auch nicht vor. Beinahe hätte (habe?) ich jedoch kürzlich gebratene Insekten gegessen. Doch von vorne.

Ein echter Vorteil meines neuen Büros ist, dass es in Laufentfernung mehrere gute Mittagessenslokale gibt. Das war bei den letzten beiden Büros leider nicht der Fall. Und so nehme ich mir zwar manchmal etwas von zu Hause mit, aber häufig gönne ich mir auch, das Büro zu verlassen, ein paar Schritte zu gehen und in einem der Restaurants etwas zu essen.
Letzte Woche Donnerstag traf ich einen Kollegen und seine botswanische Frau im chinesischen Restaurant, das direkt über meinem Büro liegt. Dort gibt es sogar - wenn man nachfragt - eine Mittagskarte, die deutlich günstiger ist als die normale Speisekarte. Wir bestellten alle drei das gleiche Gericht von eben dieser Mittagskarte. Als ich meinen Teller schon fast aufgegessen hatte, fand Thandi, die Frau meines Kollegen, mitten in ihrem Gemüse eine gebratene Schabe. Nun ist sie zwar eine Motswana, aber sie mag auch keine Mopane-Würmer, ebenso wenig andere Insekten. Und erst recht mag sie keine Insekten, wenn sie diese nicht bestellt hat, sondern sie sich in ihrem Gemüse verstecken. Wir reklamierten, und immerhin ging der Kellner halbwegs gut mit der Reklamation um: Er besprach sich mit dem Chefkoch, entschuldigte sich dann bei uns und sagte uns, dass wir für das Mittagessen alle drei nicht zahlen müssten. So waren wir halbwegs versöhnt.
Allerdings hatte Walli schon vorher beschlossen, das Restaurant zu boykottieren, denn ein paar ihrer Aflateen-Schüler hatten dort ein Praktikum gemacht, und sie hatte zu hören bekommen, dass diese dort zu absoluten Hungerlöhnen ziemlich ausgebeutet wurden. So haben wir jetzt neben dem moralischen auch noch einen hygienischen Grund, dieses Restaurant nicht mehr zu besuchen.

Am darauffolgenden Tag, einem Freitag, der es aus verschiedenen anderen Gründen in sich hatte, besuchte mich Walli zum gemeinsamen Mittagessen (ein Lichtblick). Wir wählten ein relativ neues italienisches Restaurant, das uns halbwegs gefiel. Dort hatte ich schon mal eher schlechte Service-Erfahrungen gemacht, aber keine, die uns davon abgehalten hätten, dort noch einmal hinzugehen. Um den Tag etwas zu verbessern, gönnten wir uns beide Nudeln mit Lachs in einer Tomatensauce. Wir aßen und sprachen, und irgendwann fiel uns auf, dass das, was wir da aßen, eher nicht nach Lachs schmeckte, sondern nach dem Dosenfisch, den Walli gelegentlich mal isst, der jedoch erheblich günstiger als Lachs ist. Oder waren es gar Sardellen? So richtig dolle war es auf jeden Fall nicht, und auch, wenn der Fisch ganz klein zerfasert war, waren wir uns doch immer sicherer, dass er mit einem Lachs nicht besonders viel gemeinsam hatte. Wir fragten daher die Bedienung, die uns versicherte, dass in dem Gericht Lachs sei, aber versprach, den Koch noch einmal zu fragen. Sie kam nicht zurück, und das hätte uns schon etwas sagen müssen. Als eine andere Bedienung kam und uns nach unserem Wohlbefinden fragte, erklärten wir auch ihr, dass das wohl kein Lachs sei, was wir da gegessen hätten. Auch sie wollte sich erkundigen, außerdem baten wir sie um die Rechnung. Sie kam zurück und sagte uns, dass tatsächlich kein Lachs in unserem Essen gewesen sei, wodurch er stillschweigend ersetzt worden war, wusste sie jedoch auch nicht. Dass wir unter diesen Umständen nicht die Rechnung in voller Höhe bezahlen wollten, schien sie zu verstehen - die Lachsnudeln waren aufgrund des teuren Fisches schließlich eher hochpreisig. Und so bekamen wir von ihrer Kollegin eine neue Rechnung mit einem Discount, jedoch in lächerlicher Höhe (ca. 1,20 pro Gericht). Langsam kamen wir uns für blöd verkauft vor und bestellten den Manager, der mich schon ein paar Mal gesehen hatte. Er hatte von dem Lachs-Debakel bislang nichts mitbekommen, schien von unserer Empörung über den Fake-Fisch aber dennoch betroffen. Wir boten an, die Getränke zu zahlen, für das Mittagessen wollten wir aber so langsam kein Geld mehr ausgeben - insbesondere, weil uns nach wie vor niemand aufklären wollte oder konnte, was uns da eigentlich vorgesetzt worden war.
So war das der zweite Tag in Folge, an dem ich ein Mittagessen umsonst bekam. Ich hätte allerdings durchaus gerne an beiden Tagen auf das jeweilige Erlebnis verzichtet.

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