Samstag, 2. Juli 2016

Luxus in Madikwe

Philip und ich hatten schon länger das Gefühl, dass mal wieder ein etwas größerer Ausflug fällig wäre. Dafür hatten wir das Tierreservat Madikwe ins Auge gefasst. Es ist das nächstgrößere von Gaborone aus (wenn man die beiden kleinen Parks Gaborone Game Reserve und Mokolodi nicht mitzählt), nur 37km von unserer Haustür entfernt; liegt aber bereits in Südafrika.
Von einem anderen Deutschen hatten wir den Tipp bekommen, dass man am besten kurzfristig in den Lodges anruft und so gute Chancen hat, Sonderpreise auszuhandeln. Das erschien uns als eine sehr gute Idee, denn in Madikwe gibt es fast ausschließlich 5-Sterne-Lodges, in denen die Übernachtungen dementsprechend viel Geld kosten. Dafür hat man dort gleich Vollpension und zwei Game Drives (Safarifahrten) pro Übernachtung sind auch inklusive, denn in Madikwe darf man mit dem eigenen Auto nur bis zu seiner Lodge fahren.

Ich rief letzten Mittwoch bei zwei "günstigeren" Lodges an, um eine Übernachtung von Freitag auf Samstag zu buchen und bekam von beiden größere Rabatte angeboten. Bei der zweiten, deren Internetauftritt uns etwas besser gefiel, konnte ich noch per Mail etwas nachverhandeln und so sagten wir zu und machten uns am späten Freitagvormittag auf den Weg. Der nächste Wildpark-Eingang zu unserer Ziel-Lodge "The Bush House" lag nur 10km hinter der Grenze. Bevor sie uns reinfahren ließ, klärte die Torwärterin telefonisch ab, dass wir auch wirklich erwartet wurden, und dann waren wir nach ca. 300m Fahrt auch schon am Eingang der Lodge, wo bereits eine Mitarbeiterin nach uns Ausschau hielt. Die Begrüßung war äußerst zuvorkommend, das Zimmer wunderschön und das Gelände einfach traumhaft. Wie familiär die inhabergeführte Lodge war und dass sie nur sechs luxoriöse Zimmer vermietete, hatten wir im Vorfeld gar nicht mitbekommen.


Neben Korbsesseln und Liegen mit Blick auf das Wasserloch gab es auch einen "Hide", den man über einen Tunnel erreichte und durch den man einen versteckten, ebenerdigen und ganz nahen Blick auf das Wasserloch hatte. Leider hat sich kein Tier dorthin verirrt, während wir dort saßen, von einigen Vögeln abgesehen - und ohne Tiere mutete die Szenerie fast apokalyptisch an, obwohl es wahnsinnig friedlich war.


Um 14:30 Uhr gab es einen kleinen Nachmittagssnack (Möhrensalat und Lammspieße, zum Nachtisch Éclairs) und um 15 Uhr begann der Game Drive. Wir waren nur vier Gäste; ein älteres amerikanisches Ehepaar war ebenfalls an dem Tag angereist. Unser Safari Guide Gregg zeigte uns als erstes einen Giraffenbullen, der wohl relativ zuverlässig nahe eines bestimmten Weges steht, dann sahen wir Impalas und schließlich folgte Gregg eine ganze Weile lang Löwenspuren, die teilweise selbst für uns Touristen deutlich erkennbar waren:


Dann hatte Gregg sie aufgespürt - zwei männliche Löwen, Brüder, die wohl erst vor ein paar Stunden einen Revierkampf verloren hatten und nun im Gras lagen. (An dieser Stelle ein Kalauer von Gregg: "Why is the lion called lion? Because he's always lying!") Löwen verbringen ja generell die meiste Zeit des Tages rumliegend und ließen sich durch uns und ein später zu uns stoßendes zweites Safarifahrzeug nicht stören. Sieht dieser nicht aus wie eine verspielte Katze mit etwas groß geratenen Tatzen?


Als nächstes sahen wir Breitmaulnashörner und hielten dann für einen  kleinen "Sundowner" an. Auf dem Rückweg, schon in der Dunkelheit, trafen wir noch auf mehrere Hasen und schließlich auf Büffel. Drei der Big Five auf einem Game Drive - keine schlechte Bilanz!

An der Lodge wurden wir bereits mit einem Begrüßungs-Apéritif erwartet und gingen dann auch recht bald zum Abendessen. In der Zwischenzeit war noch ein fünfter Gast angekommen, auch ein Deutscher, der gerade ein Jahr lang in Südafrika für einen Energiekonzern arbeitet und bereits das letzte Wochenende in The Bush House verbracht hatte, nun aber noch mal wiedergekommen war, weil er seine Lederjacke vergessen hatte. Er war bereits 60 Jahre alt und sehr freundlich, auch wenn es mich irriterte, dass er seine in London lebende Partnerin "Meine kleine Thai-Freundin" nannte. Aber so ist es fern der Heimat: Man kommt mit Menschen ins Gespräch, die man in Deutschland aufgrund mangelnder Gemeinsamkeiten kaum kennengelernt hätte - im Ausland ist das Herkunftsland dann aber ein verbindender gemeinsamer Nenner.
Wir fünf zogen uns nach dem Abendessen alle relativ schnell zurück - am nächsten Morgen sollte es früh losgehen. Philip und ich setzten uns noch ein bißchen in den Hide und lasen, Tiere ließen sich am beleuchteten Wasserloch allerdings keine mehr blicken. In der Unterkunft inspizierten wir noch den Bücherschrank. Oft ist es in Hotels ja so, dass es ein Regal gibt, in dem Urlauber ihre Bücher lassen und andere sie dann mitnehmen können, hier stand jedoch in einigen Büchern drin, dass sie The Bush House gehörten. Ich liebäugelte trotzdem damit, mir eines zumindest auszuleihen, entschied mich aber dagegen, als wir zu Bett gingen - und in unserem Bett zwei Wärmflaschen vorfanden! Mal ehrlich, man kann doch nicht guten Gewissens ein Buch von jemandem mitgehen lassen (wenn auch leihweise), der einem eine Wärmflasche ins Bett legt ...

Am nächsten Morgen klopfte Gregg wie angekündigt um 6 Uhr an unsere Tür. Nach Kaffee/Tee und einem Muffin bestiegen unsere drei Mitgäste und wir gegen 6:30 Uhr das Safari-Auto und fuhren durch die Morgendämmerung. Im Vorfeld war uns eingeschärft worden, dass es während der Fahrt sehr kalt werden würden - anfangs ohne Sonne und dann sitzt man in so einem offenen Safarifahrzeug ja auch sehr exponiert und ist dem Wind und dem südafrikanischen Winter voll ausgesetzt. Aber für jeden von uns lag eine Decke bereit - und in jede Decke eingewickelt war außerdem eine Wärmflasche! Für künftige Game Drives sind wir nun vermutlich für immer verdorben ...

Es dauerte eine ganze Weile, bis wir die ersten Tiere entdeckten: Gnus, dann Impalas und schließlich männliche Kudus. Letztere hatten riesige geschwungene Hörner - mindestens aus der Nähe hatten wir diese noch nie gesehen.


Schließlich entdeckte ich den ersten Elefant, auf den wir alle schon gewartet hatten, nachdem Gregg uns am Vortag als erstes erläutert hatte, welche Schäden die große Elefantenpopulation von Madikwe (wohl 1.300 Tiere, die wegen eines generellen Jagdverbots immer mehr werden) an den Bäumen anrichten würden. Tatsächlich hatten wir auch viele abgestorbene, da umgeknickte Bäume gesehen - aber keine Elefanten! Auch dieser hier war in einem Hang eher versteckt und wurde dort von Affen geärgert, weswegen er zweimal empört trötete.


Bald darauf machten wir eine kleine Pause und es gab Tee sowie "Bush Coffee" mit Amarula, einem Wildfrucht-Sahne-Likör. Dann fuhren wir noch zu zwei Löwen, deren Lagerplatz Gregg per Funk von anderen Safari Guides erfahren hatte. Auch sie schliefen zeitweise und zeigten sich völlig ungerührt durch unsere Anwesenheit.


An Zebras und Gnus vorbei fuhren wir schließlich wieder zur Lodge, wo wir von Mitarbeitern und Inhabern mit heißem Kakao empfangen wurden. Das Frühstück gab es heute Morgen nicht auf der Terasse, sondern drinnen - es war einfach zu kühl. Auf dem Frühstückstisch waren deutschsprachige Blätter mit einer Zusammenfassung von deutschen Nachrichten sowie englischsprachige Nachrichten aus den USA ausgelegt. Das amerikanische Paar nutze die Gelegenheit, uns über die deutsche Wahrnehmung von Trump zu befragen, während unser Landsmann etwas unvermittelt ein Foto seiner Kinder auf dem Handy rumzeigte. Es war ein nettes Frühstück, dann mussten wir auch schon packen. Die Belegschaft winkte uns hinterher, bis wir um die Ecke bogen, es war ganz rührend. Was für eine schöne Auszeit - nach Madikwe fahren wir bald wieder mal!

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