Auf unserer Fahrt in die Ntwetwe Pan machten wir nach einer guten Stunde einen Zwischenstopp. Im sandigen Buschland erwartete uns bereits eine Art "Außendienstmitarbeiter" unserer Lodge Planet Baobab. Er zeltete seit sechs Monaten in dieser einsamen Gegend - wobei er dort vermutlich fast täglich Besuch von geführten Touristengruppen bekam. Und auch sonst war er nicht alleine: Er leistete nämlich den Erdmännchen Gesellschaft!
Erdmännchen kennt man in Deutschland aus Zoos und Tierparks, ihr natürlicher Lebensraum ist aber im südlichen Afrika. Und so sahen wir hier erstmals wilde Erdmännchen - die uns gleichzeitig fast zahm erschienen, da sie von uns keine große Notiz nahmen, uns nah an sich herankommen ließen und völlig unbeeindruckt dicht an uns vorbeiliefen. Der Lodgeangestellte zeltete in ihrer Nähe, um sie an die Anwesenheit von Menschen zu gewöhnen - und das hatte prima geklappt. Er konnte sich ihnen so immer weiter nähern und sie lernten, dass von ihm keinerlei Gefahr ausging und tolerierten bzw. ignorierten so auch andere Menschen.
Das war schon ein besonderes Erlebnis: Wir kletterten aus dem Safariauto und standen quasi direkt vor den kleinen Tierchen, die mal hier, mal da im Sand buddelten und sich so gar nicht um uns scherten. Dabei hatten sie sogar Junge! Diese waren um die zwei Monate alt und noch niedlichere Versionen der Erwachsenen. Überdies gaben sie konstant Fieptöne von sich, um auf sich aufmerksam zu machen. Die erwachsenen Erdmännchen schien das erst einmal nicht groß zu kümmern - sie liefen mal hierhin, schnupperten mal dorthin und gruben hier und da im Sand. Meist buddelten sie nur ein paar Sekunden, aber manchmal grub eins tiefer und tiefer. Die Tiere wittern in der sandigen Erde Skorpione - eins ihrer Hauptnahrungsmittel. Der Skorpion wiederum versucht wohl, sich weiter einzugraben, aber wenn ein Erdmännchen an der richtigen Stelle buddelt und schneller ist, erwischt es ihn. Und dann geht es ganz schnell: Zweimal beobachteten wir, wie ein Erdmännchen mit Skorpion im Maul weglief - einmal zu einem der fiependen Jungen, für das es vermutlich noch den Schwanz des Skorpions abbiss, bevor dieses den Leckerbissen bekam, einmal einfach ein paar Meter weiter, wo es den Skorpion selbst verschlang. "It's a thief!" sagte unser Guide entrüstet - in der Regel sucht die ganze Kolonie für die Jungen Nahrung. Aber manchmal müssen vermutlich auch die erwachsenen Tiere essen, und dieses hatte sicher 10 Minuten lang ein wirklich großes Loch gebuddelt, bis es den Skorpion gefangen hatte. Dabei zeigten sie also ein ganz anderes Verhalten, als sie in Zoos an den Tag legen - klar, Skorpione werden sie in Deutschland eher wenige im Boden finden.
Wir blieben fast eine Stunde bei den Erdmännchen - es war einfach so schön, ihnen zuzuschauen. Auch die Jungtiere buddelten schon im Sand, allerdings kamen dabei noch keine nennenswerten Löcher heraus. Ab und zu richteten sich sowohl große als auch kleine Erdmännchen wachsam auf. Die ganze Kolonie war ständig in Aktion.
An den letzten Abenden haben Philip und ich nun hart darüber gefeilscht, wie viele Ermännchen-Bilder wir behalten und welche aussortiert werden würden. ("30!" "Maximal 20!" "35!" "Hä?") An dieser Stelle mal ganz neutral gefragt: Kann es denn überhaupt zu viele Bilder von diesen entzückenden kleinen Erdmännchen geben??
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen