Mittwoch, 18. Oktober 2017

Unter Baobabs

Nachdem wir unser neues Dachzelt bereits in Namibia eingeweiht hatten, kam es schon ein Wochenende später wieder zum Einsatz, diesmal in Botswana. Wir fuhren erstmals nach Kubu Island. Kubu Island ist in der Regel nicht von Wasser umgeben; nur während der Regenzeit kann sich das mal ändern, wenn die umliegende Salzpfanne langsam volläuft - dann erreicht man Kubu Island jedoch nicht mehr. Wenn die Pfanne trocken ist, kommt man über Staubpisten zu der inselähnlichen Erhebung in den Magkadigkadi-Pans. Auf Kubu Island gibt es nur einen Campingplatz, was auch der Grund dafür ist, dass wir vorher noch nie da waren: Bislang fehlte uns ja das Zelt.

Wegen der doch recht ruckeligen Pisten sollte man nicht allein nach Kubu Island fahren, sondern mit mindestens zwei Autos - bleibt eines liegen, kann zumindest noch jemand Hilfe holen, denn Handyempfang gibt es in den Magkadigkadi-Pans natürlich nicht. Und so sagten wir fröhlich zu, als uns im August ein Freund fragte, ob wir nicht am zweiten Oktoberwochenende zusammen mit ihm und seiner Frau nach Kubu Island fahren wollten. Er besaß bereits seit Längerem ein Dachzelt, seine Frau hatte sich jedoch bislang standhaft allen Campingausflügen verweigert - damit sollte jetzt Schluss sein. Auch unsere Nachbarin äußerte Interesse an dem Trip und so kam es, dass wir schließlich zu fünft waren. Da sie und unsere Freunde sich noch nicht kannten, ging ich vorab mit beiden Frauen einmal Abendessen. Schnell stellte sich heraus, dass sie kaum etwas gemeinsam hatten - außer einer tiefen Skepsis gegenüber Camping. Das konnte ja heiter werden ...

Eine erste Übernachtung war noch in der Zivilisation geplant: Am ersten Tag fuhren wir mit Pause sieben Stunden auf Teerstraßen nach Nata und übernachteten einmal dort, bevor es am nächsten Tag auf die Pisten gehen sollte. Unsere Freunde und wir fuhren gemeinsam los, unsere Nachbarin hatte beschlossen, lieber etwas später und in ihrem eigenen Tempo zu starten. Und so waren wir dummerweise schon 200 km weiter, als in Palapye ihre Autobatterie schlapp machte. Kurz sah es so aus, als wäre der Wochenendtrip für sie schon gelaufen, bevor er überhaupt begonnen hatte, aber Palapye überraschte uns positiv - ein hilfreicher Tankwart, ein herbeieilender Automechaniker, eine von einem Inder betriebene Werkstatt, in der in Windeseile eine neue Batterie eingebaut wurde - nach einer halben Stunde konnte sie ihre Fahrt fortsetzen, als wäre nichts gewesen. Und so hatten wir einen schönen Abend in der Nata Lodge, freuten uns, dass wir tatsächlich alle angekommen waren und genossen noch einmal Dusche und kalte Getränke.
Am nächsten Morgen ließen wir alle Autos volltanken und kauften an der Tankstelle auch noch Eis für die Kühlboxen. Und dann ging es auf die Piste. Diese war ziemlich uneben und stellenweise auch sandig, aber alle Autos bewältigten sie und niemand blieb stecken. Und so kamen wir nach gut 100 km, für die wir auf Grund der Straßenverhältnisse vier Stunden gebraucht hatten, auf Kubu Island an.


Ich hatte mir das Ganze noch kompakter und inselartiger vorgestellt. Gerade wenn man schon viele Bilder von einem Ort gesehen hat, kann die Realität manchmal ganz schön von dem im Kopf zusammenkomponierten Gesamtbild abweichen. Aber bevor wir die Insel richtig erkundeten, steuerten wir erst einmal den Campingplatz an. Weil nicht viel los war, dürften wir uns unseren Stellplatz selbst aussuchen - von den 13 vorhandenen waren bislang nur ein oder zwei belegt. Schnell stellten wir fest, dass wir im Grunde die Wahl zwischen "gar kein Schatten" und "ein kleines bisschen Schatten" hatten und entschieden uns für letzteres (bei 42°C in der Mittagshitze konnten wir uns schnell einigen). Ansonsten waren die Stellplätze sehr ... naturbelassen? Es war klar gewesen, dass es auf Kubu Island kein fließend Wasser geben würde, aber es gab auch keine Mülleimer und keinen A-Frame (quasi ein Schattendach). Es standen nur ein paar vereinzelte Plumpsklos rum, deren Türen man nicht schließen konnte und die so eng waren, dass es auch platztechnisch ziemlich schwierig war, sie zuzuhalten. Für unsere beiden Campingneulinge war das schon ein harter Einstieg - eine von ihnen hatte bereits im Vorfeld überlegt, ob sie statt eines nächtlichen Plumpsklobesuchs nicht lieber ein Nierenleiden wegen Dehydration auf sich nehmen würde ...

Wir bauten unsere Zelte auf und begaben uns auf Erkundungstour, als es nicht mehr ganz so heiß war.
Die Hauptattraktion auf Kubu Island sind die nach letzter Zählung 69 Baobabs. Baobabs sind einfach großartige Bäume und so viele an einem Ort zu sehen, war wirklich schön.


Auch der Ausblick auf die Salzpfanne war einzigartig. Man kam sich vor wie am Meer - nur ohne Meer ...


Abends kochten wir noch einen Eintopf überm Feuer und gingen dann früh schlafen. Für den nächsten Vormittag hatten wir eine Inselführung gebucht. Unser Guide war freundlich, wusste aber nicht viel mehr, als auch auf den sporadisch aufgestellten Infotafeln stand. Als wir vor dem größten Baobab der Insel standen, fragte ich ihn, wie alt dieser wohl ungefähr sei. Der Guide antwortete mir, er wäre nicht so alt wie Chapman's Baobab - das ist ein weiterer, in Botswana berühmter Affenbrotbaum in den Magkadigkadi-Pans, der leider 2016 umgestürzt ist. Ich fragte nach, wie alt denn Chapman's Baobab gewesen war. Tja, älter als dieser hier. Ach so.
Die Führung fand ein jähes Ende, weil ein Gewitter aufzog. Schon als wir losgegangen waren, war der Himmel dunkler und dunkler geworden, aber dass das Gewitter mit solcher Geschwindigkeit nahte, überraschte uns dann doch.


Nach dem Abbruch der Führung rannten wir bereits im Regen zu unseren Autos. Immerhin brachte das Unwetter einige Abkühlung und dauerte nicht lange. Die Führung setzten wir nachmittags fort und waren bei den Abendessenvorbereitungen, als ein weiteres Gewitter heraufzog, das beeindruckende Blitze mit sich brachte. Das Essen (Nudeln mit Tomatensoße) wurde gerade so fertig, wir verzogen uns wieder in unsere Autos und trafen uns nach einem kurzen Schauer wieder, um gemeinsam zu essen. Zwei Gewitter an einem Tag - das ist in Botswana definitiv eine Seltenheit. Immerhin blieb die Nacht trocken. Am nächsten Morgen lief ich zum Sonnenaufgang noch einmal um die Insel und sah gegen 6 Uhr trotz leichter Bewölkung einen tollen Sonnenaufgang. Als ich zurückkam, packten schon alle zusammen und um 8 Uhr begannen wir unsere Rückreise.

Reiseführer raten zu einem Umweg über den Pfannenrand, wenn es auch nur ein bisschen geregnet hat. Unser Guide vom Vortag sah jedoch kein Problem und hatte Kollegen, die nach dem ersten Gewitter noch durch die Salzpfanne gefahren waren. Sie hätten 55 Minuten gebraucht, wir würden dann vermutlich so 90 brauchen und sollten maximal 40 bis 50 km/h fahren. Das taten wir dann auch. Die Salzpfanne war vom Regen stellenweise glitschig und die Autos rutschten hier und da, unsere Nachbarin stellte sich sogar einmal unfreiwillig quer - aber auch hier blieb niemand stecken. Da wir für den Heimweg eine andere Route gewählt hatten, fuhren wir diesmal nur zwei Stunden auf Pisten, bevor wir wieder Teerstraßen erreichten. Die Autos sahen nach diesen zwei Stunden allerdings wild aus. An der ersten Tankstelle auf der Strecke fragten die Tankwarts mit Kennermiene, ob wir in Kubu Island gewesen seien - sie kriegten solche Autos wohl häufig zu sehen und säuberten netterweise noch unser Nummernschild, das bis zur Unkenntlichkeit verschlammt war.
Als ich unser Auto am nächsten Tag zur Waschanlage bei Game City brachte, rief das bei den Angestellten eher spontanes Entsetzen hervor (was ich verstehen konnte - die waschen hier ja noch von Hand ...). Statt der üblichen 70 Pula (5,80 €) verlangte man 200 von mir. Trotz vehementen Protesten eines Mitarbeiters (vermutlich dem, der das Auto dann waschen musste), konnte ich die Chefin auf 150 Pula runterhandeln. Und so wurden die Spuren unseres Kubu Island-Ausflugs beseitigt und das Auto wieder stadttauglich.


Vielleicht hatten wir uns Kubu Island im Großen und Ganzen noch spektakulärer vorgestellt. Aber gefallen hat es uns auch so und die Baobabs sowie der Sonnenaufgang über der Salzpfanne waren auf alle Fälle faszinierend. Auch unsere Mitcamperinnen sind im Nachhinein ganz zufrieden mit dem Trip und können sich weitere Campingausflüge vorstellen. Gegen eine Dusche auf dem Campingplatz hätte dabei aber niemand von uns etwas einzuwenden.


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