Sechs Wochen nach Philip war gestern auch ich dran: Zweijähriges in Gaborone! Kommt es mir länger vor? Oder kürzer? Ich erinnere mich noch genau, wie mich meine Kollegen vor zwei Jahren im Büro und am Frankfurter Flughafen verabschiedeten. Die Einfindungsschwierigkeiten, die vor allem ich anfangs hatte, kommen mir allerdings inzwischen fast unwirklich vor.
Nachdem es bis ungefähr Ende 2016 dauerte, bis auch ich das Gefühl hatte, in Gaborone angekommen zu sein, waren Philip und ich ab 2017 ziemlich oft im Aufbruch. Es war vor allem mein Reisejahr. Philip und ich waren viel zusammen auf Achse, ich aber auch öfters alleine - viel Zeit für Reisen ist quasi DER Vorteil meines "Sabbaticals".
Tatsächlich haben wir seit letztem Jahr den Ruf weg, ständig zu verreisen und "Madelungs sind schon wieder unterwegs" ist anscheinend kein seltenes Gesprächsthema in der hiesigen deutschen Community. ("Wir haben ein bisschen über Euch gelästert, weil Ihr schon wieder wegfahrt. Aber nur ganz leicht!") Tatsächlich dürfte ich in unserem Freundes- und Bekanntenkreis die MaP (Mitausreisende Partnerin) sein, die momentan am meisten im südlichen Afrika rumkommt. Meine hiesigen MaP-Freundinnen haben alle unterschiedliche Modelle für sich gefunden: Es gibt die, die in der Regel alle zwei bis sechs Wochen mal für ein bis drei Wochen nach Deutschland fliegt. Es gibt die, die zweimal pro Jahr drei Monate am Stück in der Heimat verbringt. Es gibt die, die hier bleibt und keine größeren Reiseambitionen hat. Und es gibt mich.
Ich habe allerdings den Eindruck, dass wir 2018 bislang noch nicht ganz so viel reisen (den allerdings - abgesehen von Philip - sonst wohl niemand teilt - ist der Ruf erst ruiniert, reist es sich ganz ungeniert. Tatsächlich waren wir nun auch gerade wieder fast drei Wochen unterwegs, daher auch die Funkstille hier.). Solotouren ohne Philip habe ich dieses Jahr noch gar nicht unternommen. Mein Terminplan in Gaborone ist innerhalb der letzten zwölf Monate deutlich voller geworden. Nicht, dass er auch nur im Entferntesten mit einer 40-Stunden-Woche vergleichbar wäre, aber mir wird nicht langweilig. Wobei Langeweile hier von Anfang an kein Problem war. Schon die Organisation des täglichen Lebens nimmt mehr Zeit in Anspruch als in Deutschland, auch wenn sie in einigen anderen afrikanischen Ländern noch wesentlich aufwändiger wäre.
Seit April letzten Jahres unterrichte ich einmal die Woche bei Baylor. Seit Dezember lese ich den Kindern von Freunden einmal pro Woche vor, soweit sie mich lassen (manchmal müssen auch erst alle 30 Kuscheltiere gefüttert und schlafen gelegt werden). Ab diesem Monat wird noch einmal die Woche Deutschnachhilfe für zwei serbische Mädchen dazukommen. Zusätzlich helfe ich einer Bekannten bei der Organisation eines Arts & Crafts-Markets im Mai. Nachdem ich letztes Jahr den unternehmensinternen Mietspiegel für die GIZ in Botswana aktualisiert habe, habe ich einen weiteren kleinen Auftrag erhalten und werde mich in der nächsten Zeit um die Sortierung des Archivs kümmern. Es tut sich was - je mehr Leute ich kenne, desto mehr passiert. Eigentlich nicht verwunderlich, aber für mich war es dennoch eine Lernerfahrung: Gut Ding will Weile haben. Und alles steht und fällt damit, dass man Leute kennt und kennenlernt, sich vertraut macht - das braucht einfach seine Zeit. "Slowly, but surely", wie es hier heißt. Inzwischen fühlen wir uns hier heimisch, wobei uns natürlich immer bewusst bleibt, dass der Aufenthalt hier zeitlich begrenzt sein wird. Heute traf ich mich mit einer Serbin, die seit 20 Jahren in Gaborone lebt - das könnte ich mir nun doch nicht vorstellen. Über einiges, was mich im Alltag stört, kann ich großzügiger hinwegsehen, eben weil ich sicher bin, dass ich mich nicht noch mehrere Jahre lang damit herumschlagen werden muss. Auf Dauer keinen richtigen Job zu haben, könnte ich mir auch nicht vorstellen, aber momentan ist die Situation für mich okay, weil ich das Gefühl habe, die Zeit hier zu nutzen. Gleichzeitig hilft dieses Bewusstsein der Endlichkeit, sehr im Jetzt zu leben, nichts lange aufzuschieben und die Zeit hier zu genießen - zum Beispiel reisend, lesend, bloggend.
Als wir Weihnachten in Deutschland waren, fragte uns meine Schwiegermutter, ob es uns wohl schwerfallen wird, Gaborone irgendwann wieder zu verlassen. Ich musste an den Spruch denken, den mir eine ehemalige Kollegin vor zwei Jahren zum Abschied mitgegeben hat: "Wer nach Frankfurt kommt, weint zweimal: Wenn er kommt und wenn er geht." Frankfurt und Gaborone lassen sich absolut nicht vergleichen - könnte trotzdem sein, dass es auf beide Städte zutrifft. Ich denke schon, dass ich hier irgendwann mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder aufbrechen werde. Nach zwei Jahren ist das doch keine schlechte Bilanz, oder?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen