Mittwoch, 15. März 2017

Schon wieder ein Rückblick: Jahrestag

Es ist kaum zu glauben - nun bin ich schon ein Jahr hier. Dabei fühlt es sich doch fast an, als ob ich erst gestern den Eintrag zu einem Monat in Botswana geschrieben hätte.

Es fällt mir schwer, ein (Zwischen-)Fazit aufzuschreiben. Erwartungsgemäß ist vieles, was anfangs ungewohnt war, mittlerweile Alltag und so normal, dass ich es hier schon gar nicht mehr für erwähnenswert halte (wie z.B. der Linksverkehr); an andere Dinge werde ich mich dagegen nicht so schnell gewöhnen (wie z.B. wirklich alles mit dem Auto zu machen und so wenig Bewegung zu bekommen).

Es hat lange gedauert, bis ich das Gefühl hatte, hier angekommen zu sein. Die ersten fünf Wochen war ich ohne Walli hier, dann hat es noch weitere zwei bis drei Wochen gedauert, bis der Container angekommen ist und unser Häuschen eingerichtet war. Es ist uns für mich überraschend schwer gefallen, hier Leute kennenzulernen. Eine deutsche "Community", wie ich sie aus Ghana kannte, gab und gibt es hier eher nicht - warum, das habe ich bis heute nicht richtig herausgefunden (zu wenig Deutsche im Land? Irgendwelche Vorfälle unter den Kollegen in der Vergangenheit?). Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile haben wir hier gute Bekannte, mit denen wir uns gelegentlich treffen. Und in der Zwischenzeit haben wir abends viele Serien und Filme geschaut, sind gelegentlich ins Kino gegangen - und haben eifrig Blogeinträge geschrieben.
Ansonsten lässt es sich hier eigentlich recht gut leben. Durch die Nähe zur Grenze mit Südafrika sind viele südafrikanische Supermarktketten hier (auch eine botswanische Kette gibt es) und die Versorgungslage mit Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs ist gut - ungleich besser als sie es bei meinem Aufenthalt in Ghana 2006 bis 2008 war. Und mehrere Kinos des gleichen Betreibers gibt es auch, in denen wir zwar kein Programmkino sehen können, aber doch einige Hollywoodfilme (wobei sie sich hier auf Science Fiction und Horror spezialisiert zu haben scheinen, was nicht wirklich unser Genre ist). Unsere Wohnsituation ist für unsere Verhältnisse luxuriös, um unser gut geschnittenes Haus mit seinem hübschen, pflegeleichten Garten werden wir von manchen Kollegen (bzw. der Frau meines Chefs!) beneidet. Unsere Frankfurter Wohnung, die wir so geliebt haben, wird uns möglicherweise irgendwann beengt vorkommen.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch unsere Urlaube: Wir hatten das Privileg, hier schon fantastische Reisen machen zu können, an die wir gerne zurückdenken. Wenn die schönsten Destinationen nur nicht so weit weg wären! Ein paar mehr Ziele für Wochenend-Trips wären noch schön zu entdecken.

Im Job bin ich anfangs ziemlich ins kalte Wasser geworfen worden, es gab einiges aufzuarbeiten und für mich zu lernen. Bis heute würde ich sagen, dass ich (im Guten wie im Schlechten) noch keine Routine habe: (fast) jeder Tag ist aufs Neue spannend. Mein Chef scheint zufrieden mit meiner Arbeit zu sein, das Projekt ist auf einem halbwegs guten Weg, seine Ziele zu erreichen - was will man mehr?

Manchmal war es im vergangenen Jahr einfach nur doof, so weit weg von Deutschland und damit von Familie und Freunden zu sein; umso schöner, dass ich das ein oder andere Mal Gelegenheit hatte, dienstlich (und über Weihnachten privat) die Heimat zu besuchen und so den einen oder anderen zu sehen (leider nicht alle!).

Nun bin ich gespannt, was Jahr zwei in Botswana bringen mag. Auf geht's!

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