Dienstag, 13. März 2018

Zweijähriges

Es ist kaum zu glauben: Nun bin ich schon zwei Jahre hier in Gaborone (hatte ich nicht gerade erst über mein einjähriges Jubiläum geschrieben?). Da kann ich wohl nicht mehr sagen, dass ich hier noch ein Frischling bin.

Hat mich die Zeit verändert? Bestimmt. Veränderungen an sich selbst entdeckt man ja eher seltener - daher müssten eigentlich andere diese Frage beantworten. Wie ich das sehe: Ich bin sicherlich noch einmal aufmerksamer für interkulturelle Begebenheiten geworden, verstehe besser, was mir jemand sagen will, wenn er/sie eigentlich nichts sagt (indirekte Kommunikation ist nicht nur in Asien wichtig, auch hier sind wir Deutschen eigentlich per se viel zu direkt, siehe auch "How are you?"). Im Job habe ich viel gelernt, mit Höhen und Tiefen, Führung und Finanzen, Projektmanagement und Aufbau von Partnerbeziehungen - hat mich das auch verändert? Ich glaube, dass ich mich weiterhin im Spiegel anschauen kann und mich wiedererkenne, mich nicht allzu sehr verbogen habe. Eine eher unerwartete Veränderung: Mein deutsches Sprachgefühl ist vielleicht noch einmal ein wenig feiner geworden (diesem Blog und Wallis häufig streng-präzisem Lektorat sei Dank!).

Habe ich denn umgekehrt Gaborone oder SADC verändert? Das wäre wohl etwas groß gedacht. Schade eigentlich. Dass es mit einer Veränderung der Autofahrer durch uns hier bisher nicht geklappt hat, habe ich ja kürzlich schon geschrieben. Ich würde gerne sagen, dass ich durch mein Handeln zumindest einigen botswanischen Mitarbeiter/innen im Büro ein Vorbild gewesen bin. Doch da sollte ich wohl eher vorsichtig sein: Mir wird zwar effizientes Handeln bescheinigt, doch vielleicht gibt es hier auch einfach interkulturelle Grenzen, sprich ein gewisses gegenseitiges Unverständnis über den (nicht-)Einsatz im Job. Mit dem von mir geleiteten Projekt haben wir bisher unsere Ziele weitgehend erreicht - und damit haben wir dann eben doch etwas bewirkt. Und, worüber ich mich besonders freue: Einer meiner "assoziierten Mitarbeiter" (gibt es das? Nicht direkte Führung durch mich, aber Teil des Teams), der schon seit 2013 im Projekt mitarbeitet, hat mir bereits mehrfach bescheinigt, dass die Stimmung im Team derzeit so gut sei wie er sie noch nie zuvor erlebt hat.

Auch abseits des Jobs haben wir uns recht gut eingelebt. Walli muss sich quasi schon Termine blocken, um noch Zeit zum Lesen zu finden (ihr Belletristik-Blog Romanregal.de erhält aber weiterhin regelmäßig Updates!) - und gerade im letzten Jahr konnten wir Botswana, Namibia und kleine Teile Südafrikas ein wenig erkunden. Diese Wochenendausflüge bis hin zu längeren Urlauben waren teils wirklich fantastisch; an die oft langen Autofahrten haben wir uns schon fast gewöhnt (11,5 Std. nach Windhoek? Geht doch an einem Tag.).
Unsere Freundschaften hier gestalten sich anders als wir es aus Deutschland kennen, einige waren auch für uns unerwartet. Wer hätte zu Beginn unserer Zeit in Gaborone schon gedacht, dass ich hier mittlerweile mehrfach mit meinem knapp 20 Jahre älteren Chef campen gehen würde (ok, zu Beginn unserer Zeit hier war es auch noch ein anderer Chef)? Wir haben jedenfalls bereits viele Ideen für weitere Ausflüge im Kopf - und mit unserem Dachzelt werden diese hoffentlich auch finanzier- und realisierbar (während ich diesen Blogeintrag schreibe stellt Walli bereits die nächste Route zusammen).
Zwei Jahre ist es also her, dass ich in Gaborone angekommen bin, und es ist viel passiert - sowohl hier wie auch in Deutschland. Es fühlt sich manchmal an, als ob ich schon viel länger in Botswana wäre. Auch hier habe ich gerade unter der Woche so etwas wie einen "Alltag" - er erscheint mir häufig wenig spektakulär und wenig erzählenswert. Erst in Gesprächen mit Freunden und Bekannten, stellen wir gelegentlich fest, dass manches, was wir hier mittlerweile als "normal" empfinden, vielleicht doch erzählenswert ist. Und dann ist mein erster Gedanke natürlich, wie daraus ein Blogeintrag werden kann... Bis zum nächsten Eintrag also!

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