Freitag, 20. Juli 2018

Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht.

Eine Kollegin von Philip, mit deren siebenjähriger Tochter ich einmal pro Woche unter anderem Schreibschrift übe, sagte gestern diesen Satz zu mir: "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht". Sie bereitet momentan ihre Ausreise nach Deutschland vor und versucht, vorher einiges an Möbeln sowie ihr Auto zu verkaufen. Ein Kaufinteressent war vor ein paar Tagen bei ihr und als er wieder abfahren wollte, schloss sich ihr elektrisches Tor ungeplant, gleich nachdem es aufgegangen war - und rammte dabei sein Auto. Sarah wird den Schaden wohl bezahlen - und hätte das jetzt eben nicht auch noch gebraucht, was ich bestens nachvollziehen konnte.

Mindestens gedacht hatte ich diesen Satz gestern aber auch schon. Unser Elektrozaun wurde vormittags repariert. Die Firma Manase ("the best erections in Botswana") war seit Mitte letzter Woche bereits zum dritten Mal da, was bedeutet, dass ich nicht nur mit den Mitarbeitern schon mehrere Telefonate geführt und Mailwechsel getätigt hatte, sondern auch mit unserem Vermieter in Whats App-Kontakt stand, wir außerdem zwei Vorauszahlungen machen mussten und ich drei halbe Tage zwangsläufig zu Hause geblieben war. Kurz: Es war nervig, aber seit der gestrigen Reparatur scheint der Elektrozaun wieder planmäßig seinen Dienst zu tun. Die Freude währte nur kurz - nachdem ich die Handwerker verabschiedet hatte, stellte ich fest, dass unser Internet nicht mehr ging. Das kann ja mal vorkommen und meist funktioniert es irgendwann von alleine wieder (den hier nachzulesenden Ausnahmefall versuche ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis zu verdrängen). Als nächstes rief mich unser Gärtner in den Garten, da er den begründeten Verdacht hat, dass unser Pool mal wieder leckt und nun auch nasse Erde entdeckt hatte. Und spätestens da war es dann Zeit für mein gedankliches "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht."

Kurz überlegte ich, Thomas zu WhatsAppen, dem Mann einer ehemaligen Botschaftsmitarbeiterin. Er und seine Familie sind diese Woche nach drei Jahren Botswana zurück nach Deutschland ausgereist. In Sachen Reparaturen konnte man eigentlich darauf vertrauen, dass Thomas immer noch eine schlimmere Geschichte auf Lager hatte. Ein paar Tage nachdem seine Familie 2015 ihr Haus hier bezogen hatte, schlug der Blitz dort ein und zerstörte gleich mehrere elektrische Geräte und Einrichtungen und so erlebte er gleich zu Beginn seiner Zeit hier mit allen möglichen Handwerkern alles Mögliche. Andererseits hätte mir Thomas aus der Ferne vermutlich nur die drei Buchstaben TiB zur Aufmunterung zugeworfen - "This is Botswana". Ich habe das Pool-Problem nun erstmal auf nächste Woche verschoben. Vertagen und aufschieben ist immerhin auch ziemlich botswanisch, so gesehen passe ich mich damit ganz gut an die hiesigen Gegebenheiten an.

Freitag, 13. Juli 2018

Gefühlt unsicher

Die Umfragefirma Gallup hat kürzlich eine Umfrage in 182 Ländern durchgeführt und nach der "gefühlten Sicherheit" gefragt: Traut man sich z.B., nachts alleine über die Straße zu gehen?, Wurde man im letzten Jahr überfallen?, etc.
Botswana hat in dieser Umfrage, nun ja, nicht allzu gut abgeschnitten. Es landete unter den zehn Ländern mit dem schlechtesten Ergebnis weltweit (genauer gesagt auf dem neuntletzten Platz). In Afrika fühlen sich die Leute nur noch in Südafrika, Gabon und im Südsudan unsicherer.
Das ist schon ein bemerkenswertes Ergebnis. Es ist wohl so, dass die Kriminalitätsrate hier in den letzten Jahren angestiegen ist, und Botswana zählt neben Südafrika zu einem der Länder mit der weltweit höchsten Ungleichheit (gemessen am Gini-Koeffizienten). Klar wurde uns schon zu Beginn unserer Zeit hier gesagt, dass wir bei Dunkelheit nicht mehr zu Fuß unterwegs sein sollten; meines Wissens nach gibt es hier allerdings trotzdem nicht so viele Überfälle wie in anderen (afrikanischen) Ländern.
So sagt der Index auch weniger etwas über die tatsächliche Kriminalitätsrate aus, als vielmehr über die gefühlte Kriminalitätsrate. Und die ist in Botswana offenbar sehr hoch. Mich wundert es nicht, dass das Gefühl so stark ist. Hatte ich schon einmal geschrieben, dass der typische Batswana die AFD wählen würde, wenn er oder sie könnte? Hier herrscht jedenfalls häufig eine rechtspopulistische Stimmung - und eines der Merkmale rechtspopulistischer Parteien ist ja das Schüren von gefühlten Sicherheitsrisiken. Kein Wunder, dass man sich dann hier irgendwann unsicher fühlt.
Das gefühlt unsicherste Land der Welt ist offenbar übrigens Venezuela, dicht gefolgt von Afghanistan. Und Deutschland fühlt sich auf Platz 31 - von oben. Das gefühlt sicherste Land ist Singapur.

Dienstag, 10. Juli 2018

Happy Holidays

In Deutschland gibt es neun bundeseinheitliche Feiertage, die meisten Bundesländer haben jedoch mehr. Spitzenreiter ist Bayern mit 14 Feiertagen im Jahr. Botswana kann auf den ersten Blick nicht mit den Bajuwaren mithalten, hier gibt es elf Feiertage im Jahr. Allerdings hat Botswana einen sehr arbeitnehmerfreundlichen Vorteil: Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, haben einen freien Montag zur Folge. So war zum Beispiel am Sonntag, den 1. Juli, der Sir Seretse Khama Day zum Gedenken an den Geburtstag des ersten botswanischen Präsidenten, was uns ein langes Wochenende bescherte.


Das nächste Wochenende ist sogar noch länger, wobei mir nicht ganz klar ist, wieso: Am Montag, den 16. Juli ist President's Day, an den sich am 17. Juli noch ein namenloser "public holiday" anschließt. Auf meiner Recherche, wieso das so ist, fand ich folgende Erklärung: Wenn bestimmte Feiertage auf einen Montag fallen, ist der Dienstag auch noch frei. Den Sinn hinter dieser Regel versuche ich noch zu verstehen, aber in jedem Fall profitieren wir Anfang nächster Woche davon und haben gerade unseren nächsten Kurztrip nach Südafrika geplant. Mit all diesen extra freien Tagen im Nachklapp zu den richtigen Feiertagen kommt Botswana dieses Jahr auf insgesamt 17 sogenannte "public holidays" - womit es auch die Bayern überholt hat.

Die meisten Feiertage hat Botswana mit Deutschland gemein: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt sowie den Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag. Hinzu kommen neben dem Sir Seretse Khama Day noch der allgemeine President's Day und der 30. September als Nationalfeiertag bzw. Independence Day - am 30. September 1966 wurde aus dem britischen Protektorat Bechuanaland die unabhängige Republik Botswana. Dieses Jahr gab es außerdem einen spontanen Feiertag: Zum Amtswechsel von Präsident Ian Khama und seinem Nachfolger Mokgweetsi Masisi wurde der Bevölkerung ein extra Urlaubstag beschert. Masisi ist seit dem 1. April im Amt - Ostersonntag. Irgendwann im März wurde dann angekündigt, dass zur Feier des Ganzen nicht nur der reguläre Ostermontag, sondern auch der Osterdienstag ein freier Tag sei. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!

Dienstag, 3. Juli 2018

Im Archiv

Bereits letztes Jahr war ich von GIZ-Seite für einen Minijob engagiert worden: Im September 2017 habe ich den firmeninternen Mietspiegel für Gaborone aktualisiert und neu organisiert. Meine Version wird inzwischen sogar von der Deutschen Botschaft hier verwendet - ein schöner Erfolg. Und so reagierte ich ganz aufgeschlossen, als mir ein neuer Minijob angeboten wurde: Das Sortieren des hiesigen Firmenarchivs, das gleichzeitig zu großen Teilen für den Versand nach Deutschland vorbereitet werden soll.
Als ich zusagte, war ich noch mit den Vorbereitungen des Kunsthandwerksmarkts beschäftigt und ständig mit irgendwelchen Leuten in Kontakt, die Stände buchen wollten. Eine einsame Beschäftigung mit Akten - und ohne Menschen - kam mir damals ganz reizvoll vor. Ich habe außerdem die Bedingung gestellt, nicht im Archiv selbst arbeiten zu müssen - das sogenannte Archiv ist nämlich ein schlauchartiger Raum mit Schummerlicht in der Tiefgarage, der neben Akten u.a. mit kaputten Möbeln, leeren Tonerpatronen und verstaubter Weihnachtsdeko vollgerümpelt ist. Statt mich dorthin zu setzen, darf ich den Konferenzraum in Beschlag nehmen (sofern keine Meetings anberaumt sind) und zwei der GIZ-Fahrer tragen mir die Kartons mit den Akten nach Wunsch aus dem Archiv in den Konferenzraum und wieder zurück. Die Rezeptionistin ist gebeten worden, mir behilflich zu sein und druckt und schneidet die neuen Aktenlabel aus, die ich ihr maile. Es läuft alles ganz gut - nur leider langsamer als gedacht. Meine Aufgabe besteht darin, jeden einzelnen Ordner zu sichten und ihm ein neues Etikett zu verpassen, sofern das alte ungenügend ist. Die Akten sollen nämlich ins GIZ-Zentralarchiv nach Eschborn geschickt werden. Die Mitarbeiter des Zentralarchivs scheinen zum Teil ungute Erfahrungen mit ihren Auslandskollegen gemacht zu haben, sie haben unter anderem einen Imagefilm gedreht, in dem genaustens erklärt wird, welche "Do's and Don'ts" bei Aktenvorbereitung und -versand zu beachten sind. Und sie wollen vorab Fotos der Akten, die ihnen geschickt werden sollen. Unter anderem wird kontrolliert, dass das Land, aus dem die Akten kommen auf dem jeweiligen Ordnerlabel vermerkt ist. Wenn man bedenkt, in wie vielen Ländern die GIZ tätig ist, ist das auch sehr sinnvoll. Andererseits kann man auch nachvollziehen, dass die GIZ-Mitarbeiter in Botswana offensichtlich keinen Drang verspüren, "Botswana" auf ihre Ordner zu schreiben - ihnen ist ja klar, dass sie hier sind. Was das bedeutet: Bisher war auf genau sechs Ordnern das Land vermerkt. Auf den übrigen ca. 250 dagegen nicht. Daher muss ich so gut wie sämtliche Labels neu schreiben. Einige kann ich einfach abtippen und "Botswana" ergänzen, auf anderen fehlen aber noch mehr der erforderlichen Informationen. Einige Ordner müssen außerdem umsortiert werden, weil sie Informationen zu mehr als einem Projekt beinhalten. Kurz: Das Ganze ist zeitaufwändig.

Geplant war eigentlich, dass ich im Laufe des Junis um die fünf komplette Arbeitstage ins Archiv stecken würde und dann alles fertig wäre. Inzwischen bin ich bei bald neun Tagen (was in der Realität bedeutet, das ich ungefähr 18 halbe Tage da war), der Juni ist rum und versandfertig ist noch gar nichts. Mein Vertrag wurde daher kurzerhand bis Ende Juli verlängert. Außerdem machte man mir ein Angebot, das ich angesichts der Lage im Archiv nicht wirklich ablehnen konnte: Eine Schülerpraktikantin. Jasmine ist die Tochter eines Deutschen und einer Motswana. Sie ist in Gaborone aufgewachsen und wird ab September ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland beginnen. Ihr Vater hat den Wunsch, dass sie bis dahin mehr deutsch spricht und hatte kurzerhand die Idee, sie bei der GIZ unterzubringen, wo sich jemand dachte "Walli spricht deutsch und braucht Hilfe - win-win!". So sehr "win-win" ist es allerdings doch nicht, denn Jasmine versteht auf Deutsch vieles nicht und antwortet mir meist auf Englisch, und wenn ich sichergehen will, dass sie mich versteht, spreche ich auch englisch und so unterhalten wir uns nur selten auf Deutsch. Labels zu beschriften ist außerdem nicht ihre Stärke - sie scheint eine Rechtschreibschwäche zu haben. Vergangene Woche war ich trotzdem sehr froh, dass ich sie habe, denn da haben wir das Kellerarchiv systematisch auf den Kopf gestellt, um auch den letzten zu beschriftenden Ordner in den dunklen Ecken zu finden. Im Gegensatz zu mir hatte Jasmine an diesen Bergungsarbeiten sogar Spaß und zu zweit ging es wesentlich schneller. Das gemeinsame Sichten von verschimmelten Akten schweißt außerdem zusammen - wir haben Ordner gefunden, deren braun-schwarze Pilzkulturen es eventuell in den nächsten Imagefilm des Zentralarchivs schaffen könnten, Rubrik "Don't".


Auch im Umgang mit Kakerlaken ist Jasmine deutlich beherzter als ich und als sie mich von einer angeschimmelten Kiste zurückhielt und mich - auf Deutsch! - fragte "Bist Du sicher, dass Du es anfassen willst?" war ich fast gerührt. Nun sind wir bereits dabei, die Ordner fürs Zentralarchiv in Eschborn zu fotografieren. Da das Licht im Archiv nicht besonders gut ist, beleuchtet Jasmin die Ordner mit meiner Stirnlampe, während ich mit dem Handy Fotos mache. Außerdem schreiben wir Packlisten und hoffen, Ende dieser Woche fertigzuwerden.  Ich kann das allerdings noch nicht so recht glauben. Letzte Woche stolperten gleich mehrere GIZ-Mitarbeiter zu uns in den Konferenzraum und fragten, wann wir in ihre Abteilung kämen, sie hätten auch noch soooo viele Aktenordner. Diese sollen sie aber eigentlich selbst beschriften und für den Versand vorbereiten, ich bin nur für die Altlasten im Archiv zuständig. Und werde mit diesen hoffentlich fertig, bevor jemand auf die Idee kommt, noch heimlich etwas dazuzustellen ...

Samstag, 30. Juni 2018

Im Golfclub

Erinnert sich noch jemand? Es ist nun etwas mehr als zwei Jahre her, Walli war gerade eine Woche im Land und ihr wurde von zwei Mitausreisenden Partnern von Botschafts-Mitarbeiterinnen gesagt, dass sie in Gaborone eigentlich nur Golf spielen könne, sonst nichts. Das war damals ein ziemlicher Schock für sie.
In den letzten Wochen waren wir nun gleich mehrmals im Gaborone Golf Club zu Gast. Wer hätte das gedacht. Bis auf den Rasen schafften wir es allerdings nicht, wir blieben im Clubhaus, wohin die deutsche Botschaft zu den drei deutschen WM-Vorrundenspielen geladen hatte; wir waren immerhin zwei Mal beim Public Viewing dabei. Der Kreis der Teilnehmer an diesen Veranstaltungen war eher überschaubar: Die wenigen Botschaftsmitarbeiter, ein paar alteingesessene (oder sollte man sagen: hängen gebliebene) Deutsche, mein Chef und wir. Dazu gab's Fußball per Beamer auf einer Leinwand, mit englischem Kommentar.
Auch bei der EM vor zwei Jahren hatte die Botschaft ein paar Mal ein Public Viewing organisiert, wir waren damals noch recht neu im Land und hofften, bei solchen Veranstaltungen neue Leute kennenzulernen. Diesmal sind wir realistischer ans Public Viewing herangegangen - allerdings kannten wir eben auch schon einige Teilnehmer (insbesondere von der Botschaft).
Ein netter Nebeneffekt: Da die beiden Spiele, die wir dort sahen, nicht unbedingt die allerbesten waren, schweifte mein Blick häufiger nach draußen auf die Rasenfläche. Auch wenn der Rasen aufgrund der Trockenzeit hier nicht mehr überall ganz grün ist (kein Wunder), so war es schön, einen tendenziell grünen Blick und etwas weite Fläche zu sehen. Am Ende kam mir tatsächlich doch mal der Gedanken, dass es ganz nett sein könnte, Golfen zu lernen und hier zu spielen. Dann hätte man hier etwas Bewegung im Freien. Vielleicht doch ganz gut, dass das deutsche Team ausgeschieden ist, wer weiß, was ich bei weiteren Public Viewing-Terminen sonst noch alles für verrückte Ideen entwickelt hätte?!
P.S.: Ende letzter Woche war ich zu einer Besprechung bei unserem Projektpartner SADC. Der Abteilungsleiter begann die Besprechung mit einer Schweigeminute. Wir waren zunächst etwas verwirrt, befürchteten wir doch, dass jemand gestorben war, ohne dass wir es mitbekommen hatten. Dann grinste er breit und erklärte: "Eine Schweigeminute für Deutschland, das gerade aus der WM ausgeschieden ist...".

Montag, 25. Juni 2018

Plastikverbote

Die Europäische Union hat kürzlich angekündigt, dass demnächst Einweg-Plastikgeschirr sowie Strohhalme aus Plastik in der EU verboten werden sollen. Begründet wird dies u.a. mit dem Schutz der Meere vor Plastikabfall. Ich finde den Schritt prinzipiell gut und richtig - allerdings eigentlich nicht weitgehend genug. Ich bezweifle, dass Plastikgeschirr und Strohhalme einen Großteil des Plastikmülls in den Weltmeeren ausmacht, somit müsste eigentlich noch viel mehr an Plastikprodukten verboten werden.
Wie wäre es z.B. mit Plastiktüten? Da hat die EU immerhin Ziele für die Mitgliedsstaaten gesetzt. Bis 2025 soll der Pro-Kopf Verbrauch an Plastiktüten auf 40 Stück pro Person und Jahr sinken. Deutschland hat seinen Soll bereits jetzt mehr als erfüllt, mit 29 Plastiktüten pro Person und Jahr. Anstelle von Verboten könnte ich mir auch eine zunehmende Besteuerung von Plastik vorstellen, um so Anreize für Innovationen in Alternativprodukten zu setzen.
Die botswanische Regierung hat nun verkündet, dass ab November 2018 Verkauf, Verwendung und Besitz von Plastiktüten verboten wird. Wird man mit einer Plastiktüte erwischt, soll man 5000 Pula (ca. 430 EUR) Strafe zahlen oder 30 Tage ins Gefängnis gehen. Gezielt wird mit dieser Maßnahme vor allem auf die Plastiktüten, die im Supermarkt an der Kasse häufig kostenlos abgegeben werden, als Müllsäcke z.B. werden Plastiktüten weiterhin erlaubt bleiben. Wir hatten ja schon einmal berichtet, wie verbreitet die Plastiktüten an der Supermarktkasse sind und wie seltsam wir angeschaut werden, wenn wir unsere Stoffbeutel auspacken (siehe hier), das wird in Botswana sicherlich ein ordentlicher Kulturwandel werden.
Botswana wird übrigens nicht das erste Land mit einem Plastiktütenverbot sein: Länder wie Bangladesch, Nepal, Ruanda, Kenia und weitere haben bereits vor einiger Zeit Plastiktüten verboten. Interessant, dass bisher wenig "westliche" Industrieländer nachgezogen sind.

Vor ein paar Jahren fragte ich mal nach der GIZ-Position zum Plastiktütenverbot. Die Antwort hat mich überrascht: Meine Kollegen der Umwelt-Abteilung waren gegen ein komplettes Plastiktütenverbot. Sie argumentierten, dass es beim Einpacken mancher Lebensmittel eventuell hygienischer sei, Plastiktüten zu verwenden. Und man bräuchte bei einem Plastiktütenverbot eben auch eine ökologische Alternative. Papiertüten seien dies eher nicht. Denn diese brauchen in der Herstellung so viel Wasser, dass man sie mehrfach verwenden müsste, was aber bei Papiertüten eher selten passiert. Es wäre also schon ironisch, wenn in dem überwiegend so trockenen Land Botswana Plastiktüten durch Papiertüten ersetzt würden.
Kürzlich las ich auch in einer Kolumne im SZ Magazin online, dass auch Stoffbeutel nur eingeschränkt eine gute Alternative zu Plastiktüten sind. Deren Produktion verbraucht ebenfalls eine Menge Wasser und Pestizide, so dass sie erst ab 25-maliger Benutzung ökologischer als Plastiktüten sind. Es ist nicht einfach, ökologisch korrekt zu handeln! 
Ich bin gespannt, was hier ab November passieren wird. In der Zwischenzeit merke ich, dass mir an der Supermarktkasse mittlerweile schon etwas weniger automatisch Plastiktüten angeboten werden bzw. dass ich gefragt werde, ob ich auch ohne Plastiktüte auskomme.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Die Auto-Perspektive: Von Roadtrips mit Walli und Philip

Gestatten, Schluckspecht - ich bin zwar kein Fan des Spitznamens, den Philip mir bereits kurz nach dem Kauf verpasst hat, aber ich trage ihn inzwischen mit Fassung. Dass ich bei meiner Motorisierung etwas mehr verbrauche als andere Autos, finde ich legitim - und insbesondere bei Überholvorgängen wissen Philip und Walli sie auch zu schätzen!
Ich ahnte schon ein wenig, was auf mich zukommen würde, als Philip damals meinem Verkäufer erklärte, er wolle unbedingt ein Auto mit Vierradantrieb. Obwohl hier viele Straßen in überraschend gutem Zustand (sprich geteert) sind, kommt man häufig an die besonders schönen Orte nur mit Vierradantrieb. Und dann gibt es noch die Strecken, die extra nur für Autos mit Vierradantrieb ausgelegt sind, die Philip offenbar einfach aus Lust nehmen will - ich bin da immer nur so halb euphorisch. Walli mutmaßt ab und an, dass ich mich heimlich in meine japanische Heimat zurückwünsche - und ganz ehrlich: Manchmal tue ich das auch. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass es mich mal nach Botswana verschlägt, aber das ging Philip und Walli vermutlich ähnlich. Insofern passen wir dann doch wieder ganz gut zusammen.

In den letzten Monaten haben Walli und Philip mich quasi einem Dauerstresstest unterzogen.
Während unserer Fahrt nach Kapstadt (wo wir Philips Mutter trafen, siehe Gästeblog) machten wir bereits in zwei südafrikanischen Nationalparks Station, dem Mokala Nationalpark in der Nähe von Kimberley (jüngster Nationalpark Südafrikas) und dem Karoo Nationalpark. In letzterem gab es zwar einen schönen Bergpass zu fahren, der jedoch langweilig geteert war. Dafür gab es ansonsten ein paar herrliche Strecken für Autos mit Vierradantrieb - teils noch etwas schlammig. So bekam ich ein paar Schlammspritzer ab, die Farbe der Lackierung wechselte von blau zu braun. Was entstand, war Kunst, keine Frage! Hier das Ergebnis, auf das ich mächtig stolz bin:


Die neue Sonderlackierung durfte sich eine Weile halten, denn in Kapstadt und auf der Garden Route herrscht derzeit ja akute Wasserknappheit, da wollten die beiden auch keinen Spritzer für eine Autowäsche verschwenden. 
Nachdem wir Philips Mutter 10 Tage später am Flughafen von Port Elizabeth abgesetzt hatten, fuhren wir weiter, und unsere nächste Nacht verbrachten wir im Mountain Zebra Nationalpark. Auch dort gab es wieder schöne Strecken, die nur mit Vierradantrieb zu befahren waren. Die beiden hatten schon gehört, dass sie eventuell aufgrund eines Regenfalls gesperrt werden sollten, also ergriffen sie noch schnell die Gelegenheit, bevor es zu spät war. Wir wurden belohnt mit einer tollen anspruchsvollen Strecke in kompletter Einsamkeit. Nur an einer Stelle ging es für mich nicht mehr weiter, denn es lagen zu viele größere Steine auf dem Weg, die ich nicht ohne weiteres bewältigen konnte - die Steigung war steil, die Steine fast treppenartig, aber lose. Umkehren war keine Option - der 4x4-Track war eine Einbahnstraße und wenden wäre eh nicht möglich gewesen. So mussten Philip und Walli auch mal aussteigen, so knapp vor der Dämmerung in einem Gebiet mit (nachtaktiven) Katzen ... warum soll auch immer nur ich den Löwen ausgesetzt sein? Mit dem Wegräumen von ein paar (schweren!) Steinen war es zum Glück getan, die Löwen waren wohl gerade nicht hungrig - und so konnte Walli sogar noch ein Foto von mir machen: 


Der Bergpass in Lesotho, den wir als nächstes zu bewältigen hatten, war ordentlich steil. Langweiligerweise ist er seit Kurzem geteert. Nur ein paar gelegentliche Felsabbrüche lagen auf der Straße und mussten umfahren werden. Auf der Weiterfahrt, als wir die Passstraße nach unten fuhren, reichte meine Motorbremse nicht aus, so mussten auch meine "normalen" Bremsen daran glauben, bis sie glühten (kein angenehmer Geruch übrigens), das hat schon etwas weh getan. Nach ein paar Tagen Erholung für mich und Walli (sowie einem dienstlichen Workshop für Philip) in Johannesburg ging es dann zurück nach Botswana. Nicht lange vor der Grenze wollte ich allerdings bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr ganz so gut beschleunigen. Die Strecke, die wir da gerade fuhren, ist berüchtigt für Überfälle, daher beschloss ich, die beiden zunächst noch ein Stückchen weiter zu kutschieren. Nachdem Walli und Philip auf südafrikanischer Seite der Grenze bereits Stempel in die Pässe erhalten hatten, beschloss ich dann quasi am Schlagbaum doch mal, auszugehen und mich nicht mehr starten zu lassen. Der freundliche Grenzpolizist half den beiden, mich durch den Schlagbaum zu einem kleinen Parkplatz auf der anderen Seite zu schieben (und verzichtete, vermutlich aus Mitleid, auf jegliche Kontrolle). Walli schwankte zwischen nachträglicher Erleichterung, dass ich immerhin bis hierhin durchgehalten hatte und Fassungslosigkeit, dass ich gerade im Niemandsland zwischen Südafrika und Botswana schlappmachen musste. Philip öffnete derweil meinen Brustkorb, sprich meine Motorhaube, und ich war ganz beeindruckt, dass die zwei trotz ihres laienhaften Autowissens gleich entdeckten, warum es mir nicht gut ging: Durch die Ruckelei der Vierradstrecken hatte sich offenbar eine Spange gelöst, die zwei Enden eines Schlauchs zusammenhielt, die nun nicht mehr ineinander steckten. Das ließ sich glücklicherweise schnell reparieren und so brachte ich die beiden noch bis nach Hause - von 5.500 km Fahrt durch Südafrika musste ich mich nur ca. 50 Meter schieben lassen, eine ganz gute Quote, wie ich finde. 

Vor zwei Wochen nahmen mich Philip und Walli nun auf ihren nächsten Kurztrip mit, diesmal innerhalb Botswanas. Das erste größere Ziel war der Nxai Pan Nationalpark - Salzpfannen der Makgadikgadi, die wir an anderer Stelle schon einmal 2016 besucht hatten bzw. letztes Jahr auf Kubu Island. Am Nationalparkeingang schauten die Wächter noch etwas mitleidig auf mich und fragten, ob ich wirklich Vierradantrieb hätte (Beleidigung!), was die beiden guten Gewissens bejahen konnten. So fuhren wir also in den Park hinein - kamen allerdings nicht weit. 10 Meter hinter dem Parkeingang hielt unser "Begleitfahrzeug" vor uns an, um seinen Vierradantrieb zuzuschalten. Unser Begleitfahrzeug war das Auto von Ruth und Thomas, ein Landcruiser Prado. Es durfte immer vorfahren und die Strecke zuerst inspizieren, weil es angeblich besser überall durchkommt. Zugegebenermaßen ist der olle Prado etwas höher als ich, aber meinen Vierradantrieb muss man zum Beispiel gar nicht dazuschalten, der ist immer schon drin! Hier hatte Thomas es erst vergessen und stoppte dann leider an einer sandigen Stelle. Und als er dann weiterfuhr, musste ich passen. Ich konnte nicht mehr weiterfahren, steckte im Sand fest - und das 10 Meter vom Tor entfernt. Das fing ja gut an ... es war mir etwas peinlich. Aufgrund der minimalen Distanz zum Gate war sämtliches am Tor stationiertes Nationalparkpersonal schnell bei uns und half, Luft aus meinen Reifen abzulassen, worauf wir weiterfahren konnten. Der Nationalpark ging ab dort allerdings erst richtig los: Uns standen noch 40 km Piste bis zum Campingplatz bevor, teils wieder ordentlich sandig, ansonsten mit vielen Bodenschwellen - nicht unbedingt einfach, mich da durch zu manövrieren. Wir kamen gut an und fuhren auch die nächsten eineinhalb Tage noch gut durch den Park, teils etwas holprig, aber immer ohne stecken zu bleiben. 


Eines der Highlights in diesem Park sind uralte Baobab-Bäume, die direkt an einer großen Salzpfanne stehen. Da die Salzpfanne bei Regen geflutet wird und es noch Anfang der Trockenzeit war, konnten wir nicht sicher sein, dass die Pfanne bereits ganz trocken war, so fuhren wir nur an deren Rand entlang und nicht den Weg mittendurch (von dem war uns tatsächlich abgeraten worden). 


Wenn Philip und Walli dann doch mal ausstiegen (z.B. am Campingplatz), knackte die unter ihren Schuhen zerbröselnden Salzkruste - ein faszinierendes Geräusch. 

Weiter ging's einen Tag später, in den Moremi Nationalpark. Der liegt im Herzen des Okavango Deltas. Philip und Walli waren ja bereits mehrfach im Delta (jüngster Bericht, ein Gästeblog, hier), aber mich hatten sie noch nie mitgenommen und so freuten wir uns alle drei auf diese neue Erfahrung.
Schon die Anfahrt war nicht ganz einfach: Walli kam mit dem miesen Zustand der geteerten Landstraße zwar klar, konnte aber dem Nervenkitzel, ob meine Tankfüllung noch nach Maun reichen würde, wenig abgewinnen. Wir hatten zwar zwei volle Ersatzkanister in meinem Kofferraum dabei, aber die waren recht zugebaut und wir fuhren an diesem Tag auch ein bisschen im Wettlauf mit der Zeit - das Ziel war, erst in Maun zu tanken. Als Walli entdeckte, dass die elektronische Anzeige von "[Tankfüllung reicht noch für] 20 km" direkt auf "--- km" sprang, wurde sie etwas nervös. 25 km später waren wir zwar in Maun, aber da kam erstmal keine Tankstelle! Philip versuchte zu beschreiben, dass ich vermutlich einfach ausrollen würde, wenn nichts mehr ging, Walli hatte aber irgendwie keine Lust, mich im Mauner Stadtverkehr ausrollen zu lassen. Unter Aufbietung all meiner Ressourcen schaffte ich es, die beiden ohne ausrollen zur Tankstelle zu bringen, wo Walli dann erstmal ein Eis brauchte - und ich 73l Benzin! Danach durfte Philip wieder ans Steuer.

Ca. 30 km hinter Maun endete die Teerstraße. Es folgte eine ungeteerte Piste für ca. 30 weitere km, die halbwegs ok war, aber so staubte, dass mir der Prado quasi ständig die Sicht raubte, wenn wir nicht genügend Abstand hielten. Die letzten 30 km bis zum Nationalparkeingang gaben mir dann einen Vorgeschmack auf die Straßen im Park selbst: Staubig, mit Schlaglöchern und Schwellen - und nur noch deutlich langsamer zu befahren. Walli stellte irgendwann klar, dass sie es weder mochte, wenn die Sachen im Kofferraum hochhüpften noch wenn sie selbst hochhüpfte, was Philip und ich zwar einsahen, aber es ließ sich leider nicht verhindern. Am Nationalparkeingang wurde der Angeber-Prado wie immer wohlwollend und ich wie immer kritisch beäugt und meine Insassen wurden erneut gefragt, ob ich denn auch Vierradantrieb hätte. Ganz ehrlich: Ohne Vierradantrieb wäre ich vermutlich gar nicht bis zum Nationalparkeingang gekommen. Diesmal blieb ich immerhin nicht 10 Meter hinter dem Eingang liegen, was unseren Abgang etwas würdevoller machte.
Es waren immer noch 46 km bis zur Campsite, für die ich zwischen zweieinhalb und drei Stunden benötigte. Ich fuhr gegen die Dunkelheit an und schaffte es, was uns alle sehr erleichterte, denn schon bei Helligkeit waren die Wege schwer befahrbar. Zwischendurch ließ Philip wegen des Sandes noch etwas Luft aus den Reifen ab, ansonsten wurde ich durch tiefere und weniger tiefe Löcher manövriert. Dabei setzte ich mehrmals auf, und mein Auspuff klang zunehmend lauter. Es hatte schon in der Nxai Pan angefangen, dass ich plötzlich lauter röhrte, und es wurde leider schlimmer. Nicht die beste Ausgangssituation für Tierbeobachtungen, aber ich konnte es nicht ändern.

Auf dem Weg zu unserem Camp und auch am nächsten Tag passierten wir ein paar schöne Brücken. Diese bestanden im wesentlich aus ein paar quergelegten Balken. Walli erbarmte sich freundlicherweise, auszusteigen und ein Foto von mir für diesen Blog zu machen. Da sie nicht gefressen wurde, können wir das Foto auch guten Gewissens veröffentlichen (für den anderen Fall, dass ein Löwe gekommen wäre, hätte Philip immerhin seine Kamera griffbereit gehabt).


Der Campingplatz, den die beiden gebucht hatten, hieß übrigens "Third Bridge Campsite", weil er eben an der dritten Brücke ab Nationalparkeingang liegt. Glücklicherweise liegt diese Brücke erst hinter der Campsite, so dass wir sie an dem Abend nicht mehr passieren mussten. Denn diese "Brücke" liegt ... unter Wasser. Am nächsten Morgen war es dann so weit: Zunächst beobachteten Philip und Walli ein paar andere Autos (die definitiv höher gebaut waren als ich), dann diskutierten sie mit Ruth und Thomas ein wenig über die Streckenauswahl des Tages. Ruth und Walli waren klar gegen die Fahrt durchs Wasser, Thomas dagegen befragte einen Angestellten des Campingplatzes, ob er denke, dass ich das mitmachen würde. Dieser Angestellte hatte sehr viel Vertrauen in mich, was mir ja schmeichelte, er meinte außerdem, sie hätten im Camp ein ähnliches Fahrzeug, mit dem sie auch regelmäßig durch das Wasser führen. Für Thomas war die Sache damit entschieden, und die anderen drei fügten sich mehr oder weniger überzeugt. Ich weiß auch nicht, was Philip da für Komplexe hat; wenn sein Chef sagt "fahr", dann fährt er ohne Rücksicht auf Verluste ... Aber immerhin haben Thomas und Philip mir beide zugetraut, dass ich es schaffe. Walli hat still mit mir mitgelitten.
Von der ersten "Überquerung" der "Brücke" haben wir leider kein Bild. Nur so viel: Das Wasser schlug über meiner Motorhaube zusammen und spritzte bis hoch an die Windschutzscheibe. Ich habe den Verdacht, dass nicht nur ich mich in diesem Moment nach Japan wünschte, sondern auch Walli. Auf der Rückfahrt später am Tag dachten Philip und Walli daran, ein Foto zu machen - Walli ging fremd und fuhr mit Ruth und Thomas durchs Wasser, so konnte sie Philip und mich beim Nachkommen knipsen. Leider fuhr Philip diesmal etwas geschickter über die "Brücke", so dass ich nicht ganz so tief eintauchen musste und das Foto nicht ganz so spektakulär wurde:  


Der Moremi Nationalpark war landschaftlich toll. Wir fuhren überwiegend auf den großen und mittleren Pisten, die ganz kleinen blieben mir erspart. Mit zwei Autos, Sandmatten (falls man mal so stecken bleibt, dass auch Luftablassen nicht hilft), Satellitentelefon und mittlerweile doch etwas Vierraderfahrung fühlten wir uns recht gut für die Wildnis ausgerüstet. Außer uns sahen wir allerdings viele Touristen, die alleine mit nur einem Mietwagen unterwegs waren. Das stellten wir uns doch als ein etwas arg großes Wagnis in diesem rauhen Gelände vor. 

Nach ein paar schönen Tierbeobachtungen schafften wir es wieder zurück zum Eingang des Nationalparks. Von dort an ging es - via einer Übernachtung im Khama Rhino Sanctuary, ohne Auspuff recht laut, erstmals ohne Nashörner gesehen zu haben und langweilig auf Pisten, die zweiradantriebgeeignet sind - sowie dem neuen Monument am Wendekreis des Steinbocks - zurück nach Gaborone, nach 2.500 km quer durch Botswana). 

Ich war sehr stolz, als wir wieder gut in Gaborone angekommen waren. Man mag es mir nicht immer von außen ansehen, aber ich musste mich hinter dem Prado durchaus nicht verstecken! Dass ich etwas gelitten hatte, ist eine andere Geschichte.
Nach unserer Rückkehr ist Philip mich zunächst noch ein paar Tage mit all meinen Blessuren durch die Stadt spazieren gefahren - man will ja zeigen, was man alles erlebt hat... Und wie drückte sich ein Kollege so freundlich aus: Er fände es ja toll, dass Philip und Walli mich so als Gebrauchsgegenstand sähen und so runterfahren würden. Selber runtergefahren, sage ich da nur ... Walli brachte meinen kleinen Bruder, den VW Golf, kurz nach unserer Rückkehr in die Waschanlage und wurde da gleich angesprochen, dass man mich schon lange nicht mehr gesehen hätte. Mit röhrendem Auspuff fuhr sie mich einen Tag später vor und mein Lieblingsautowäscher schwankte zwischen Wiedersehensfreude und Bestürzung, mich so zu sehen.
Aber der Termin bei meinem Hausarzt Goran war bereits vereinbart, und der hat mich diesmal eine ganze Woche lang in seiner Praxis behalten: Neben meinem Auspuff musste auch noch eine gebrochene Plastikverkleidung unterhalb der Stoßstange, die Stoßdämpfer hinten sowie eine gebrochene Feder ersetzt werden. Selbst die aus meinem Bauch herunterhängenden Stromkabel hatten das Baden auf der Brücke im Okavango-Delta gut überstanden (abgesehen davon, dass sie eben zu weit herunterhingen). Ich bin anscheinend ein nicht so gängiger Autotyp in Botswana, daher ist die Ersatzteilsuche nicht ganz einfach und nicht ganz günstig. So ein gewöhnlicher Prado mag einfacher zu händeln sein, aber wie gesagt - was der kann, kann ich schon lange!