Im Auswärtigen Amt, so hörte ich einmal, ist es quasi Pflicht, fußballinteressiert zu sein und die Bundesliga zu verfolgen. Soll praktisch sein für Smalltalk.
Smalltalk bzw. Leute kennenlernen war auch unser Ziel - und Fußball sollte der Anlass sein. Praktischerweise hat die "Alliance Francaise", das französische Kulturinstitut, für Freitagabend zum EM-Auftakt eingeladen. Nachdem wir uns zunächst angemeldet hatten, beschlossen wir dann doch kurzfristig, nicht hinzugehen. Denn wir hatten glücklicherweise vorher noch erfahren, dass Eröffnungsfeier und Spiel open air übertragen werden sollten. Und da hier so langsam der Winter einkehrt und Walli noch die letzten Reste einer ordentlichen Erkältung auskurierte, entschlossen wir uns dann doch, nicht hinzugehen.
So planten wir unseren EM-Auftakt also für das heutige erste Deutschlandspiel. Der deutsche Botschafter hatte (selektiv) eingeladen, in einem Hotel wurde das Spiel gezeigt und es gab Getränke dazu.
Zur Begrüßung wurde uns erst einmal Glühwein angeboten. Der war auch recht willkommen, nachdem heute ausnahmsweise die Sonne nicht geschienen hat, es windig war und es so doch so kühl blieb, dass wir erstmals den Kamin im Wohnzimmer angeschmissen hatten - der die Temperaturen zeitweise um 1-2 Grad aufzuwärmen vermochte.
Wir kamen recht pünktlich, unterhielten uns noch kurz mit ein paar Leuten, dann ging das Spiel los. Ein paar Tische standen vor der Beamer-Leinwand, auf den vorderen beiden war eine Deutschland-Fahne drapiert. Wir waren eher schlecht mit Accessoires ausgestattet: Papiergirlanden, Fähnchen, oder auch der Deutschlandfahnenhut durften nicht fehlen (außer bei uns). Ach ja, Tipps wurden ausgetauscht - und wir lernten, dass statistisch gesehen das häufigste Ergebnis 2:1 sei und daher immer gut für einen Tipp. Nun ja, ein Glück, dass sich die Experten nicht auf statistische Langzeitmittelwerte zu verlassen brauchen - Fußballexperte Philip tippt "natürlich" auch so das richtige Ergebnis!
Ein wenig gewöhnungsbedürftig war es schon, den Kommentator die Spielernamen in Englisch aussprechen zu hören - aber letztlich war der Ton eher leise eingestellt, so dass das nicht groß störte. Der Stammtisch am Nachbartisch interessierte sich eh mehr für die Flüchtlinge in Deutschland; schade, dass man offenbar selbst durch Auslandserfahrung nicht einen anderen Blick darauf gewinnen kann. Wir versuchten, uns aufs Spiel zu konzentrieren, nutzten die Halbzeitpause, um die Buffetschlange kennenzulernen - und spätestens das 2:0 brachte auch den ganzen Raum zum gemeinsamen Jubeln.
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