Donnerstag, 24. Mai 2018

Im Königreich der Berge

Gegen Ende unserer Südafrika-Rundreise (Gästeblog meiner Mutter hier) machten wir noch einen Abstecher nach Lesotho, einen Kleinststaat, der vollkommen von Südafrika umschlossen wird. Er nennt sich auch "The Mountain Kingdom". Wir waren in der Gegend und fanden die Gelegenheit gut, noch "mal eben" ein neues Land zu entdecken.
Schon kurz nach dem Grenzübertritt merkten wir, dass wir nicht mehr in Südafrika, sondern im "richtigen" Afrika angekommen waren. Kaum größere Häuser, sondern viele kleine Hütten, die die Hauptstraßen säumten, zahlreiche Wellblech-Kioske, Obstverkäufer auf den Straßen, kleinere Felder als in Südafrika - insgesamt deutlich weniger entwickelt. Am ersten Tag fuhren wir noch durch recht dicht besiedeltes und bewirtschaftetes Flachland. Wir versuchten, das Nationalheiligtum zu finden (einen Berg mit historischer Bedeutung), scheiterten jedoch an der fehlenden Ausschilderung - bzw. als wir den Ort schließlich gefunden hatten, war es zu spät und eine Besichtigung vor Einbruch der Dunkelheit zeitlich nicht mehr möglich.
Am nächsten Tag fuhren wir dann über eine Passstraße ins Gebirge. Ziel war der Ort Semonkong, der auf ca. 2200 m Höhe gelegen ist. Schon die Straße dorthin war sehens- und fahrenswert (ich habe aber auch Spaß an Passstraßen). In einem älteren Reiseführer war als Fahrtdauer noch dreieinhalb Stunden angegeben, damals war die Straße offenbar noch nicht geteert, trotzdem ist sie auch heute noch abenteuerlich. Oft darf man nur 60 km/h fahren, generell liegt die Maximalgeschwindigkeit in ganz Lesotho bei 80 km/h. Wir fuhren durch immer kleiner werdende Dörfer, meist mit strohgedeckten Rundhütten, passierten traditionell gekleidete Einwohner, oft mit deckenähnlichen Umhängen und spitz zulaufenden Hüten. Alle paar Kilometer blockierte eine Schafherde die Straße und musste von ihrem jeweiligen Schäfer erst zur Seite gescheucht werden, bevor wir weiterfahren konnten. Die Landschaft war für uns ungewohnt grün, auch die Berge waren überwiegend grasbewachsen.




Wir hatten einen Stellplatz auf dem Campingplatz einer Lodge gebucht; letzterer war jedoch aufgrund von starken Regenfällen während der vorhergehenden Tage etwas schlammig. Am "Activities Desk" der Lodge (ja, so etwas gab es hier!) buchten wir einen geführten Spaziergang zur Hauptattraktion der Gegend: dem Maletsunyane Wasserfall. Mit 186m reiner Fallhöhe ist dieser Wasserfall fast doppelt so hoch wie z.B. die Viktoriafälle - wenn auch nicht so breit und gewaltig. Eineinhalb Stunden dauerte der Hinweg, an Feldern vorbei (manchmal auch mittendurch) und durch kleine Dörfer. Wir lernten z.B., dass eine gelbe Fahne vor einem Haus signalisiert, dass dort selbstgebrautes Bier verkauft wird (nein, wir machten nicht an jedem Haus für einen Test halt). Zwischen den Dörfern sahen wir die Bewohner laufen - oder reiten: Wer es sich leisten kann, hat ein Pferd, oder zumindest einen Esel - doch laut unserem Führer können sich nur wenige Einwohner die umgerechnet ca. 360 Euro für ein Pferd leisten.



Wir näherten uns schließlich dem Wasserfall und pausierten an einem schönen Aussichtspunkt. Neben dem Wasserfall gibt es (angeblich) das höchste "Abseiling" der Welt: Nur zehn Meter seitlich kann man sich über 204m abseilen. Das klang für mich nach einem schönen Abenteuer, doch die Vernunft siegte: Hier oben in den Bergen war der Winter schon eingekehrt, das Wasser hätte einen sicherlich ziemlich nass und kalt gespritzt. Wir werden also noch einmal im Sommer herkommen müssen.


Apropos Winter: Der hatte in den Bergen Lesothos tatsächlich schon begonnen. In der folgenden Nacht ging die Außentemperatur wohl auf den Gefrierpunkt runter. Wir machten erstmals alle Schotten unseres Dachzelts dicht, was vorher noch nie nötig gewesen war; so richtig warm wurde es allerdings trotzdem nicht. Walli beschloss anschließend, dass ihr Schlafsack aus Pfadfinder-Zeiten wohl so langsam mal ersetzt werden dürfte; gut, dass da ein Geburtstag ins Haus stand.
Nach der zweiten Nacht in Lesotho machten wir uns wieder Richtung Südafrika auf - zwar etwas verfroren und mit matschverkrusteten Schuhen, aber dennoch begeistert. Lesotho ist eine Reise wert!

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