Dienstag, 9. August 2016

Wie am Meer und auf dem Mond

Philip und ich wollten in unserem Urlaub gerne das Okavango Delta bereisen - eines DER Touristenziele des Landes. Wie eigentlich alle Touristenziele ist es ziemlich weit weg von der Hauptstadt Gaborone, die ja im Südosten des Landes liegt, während das Delta im Nordwesten ist... erschwerend hinzu kommt, dass es keine einigermaßen gerade Verbindung von a nach b gibt, weil die Kalahari in der Mitte des Landes liegt und man salopp gesagt entweder einen großen Bogen links oder rechts darum fahren muss. (Es sei denn, man fliegt.) Wir fuhren schließlich rechts rum, weil wir auf der zehn- bis elfstündigen Fahrt nach Maun, dem Ausgangspunkt ins Delta, eh Zwischenstopps machen und uns die Gegend anschauen wollten. Und so verbrachten wir die ersten vier Tage damit, die Makgadikgadi-Salzpfannen zu erkunden.
Makgadikgadi spricht sich ungefähr "Makchradikchradi" aus, wobei der freundliche Botswaner auch bei diesem Versuch nur milde lächeln wird - der europäische Gaumen/Rachen lässt meiner Einschätzung nach aber keine korrektere Aussprache dieses Wortes mit Klicklauten zu. Die Makgadikgadi-Salzpfannen sind eine Ansammlung von Salzpfannen, die insgesamt die Größe Portugals haben und damit die zweit- oder drittgrößten der Welt sind.


An unserem ersten Urlaubstag fuhren wir im Rahmen eines geführten "Sunset Game Drives" in den Teil, in dem das Nata Bird Sanctuary liegt - ein 250 km² großes Vogelschutzgebiet. Hier gibt es steppenähnliches Gras, große weiße Salzpfannen und Wasser, das im März/April Teile der Pfanne füllt. Der Großteil des Wassers verdunstet dann im Laufe des Jahres, bis Regenfälle an anderer Stelle den Fluss wieder füllen, der Wasser in die Pfanne bringt. Ein See war so groß, dass wir das andere Ufer kaum sehen konnten. Wie ein Meer! In Botswana! Gut, kein Meer, in dem man schwimmen sollte. Zwar wurde dort lange keins gesichtet, aber eine der goldenen Regeln in Afrika lautet: "Wo Wasser ist, können auch Krokodile sein."


Im Frühjahr (bzw. im botswanischen Herbst), sind hier Tausende von Flamingos zu sehen. Nun entdeckten wir drei. Aber dafür noch andere Vögel: Reiher, Adler, Geier; an Land außerdem Gnus. Die Landschaft faszinierte uns so, dass wir am nächsten Morgen noch einmal ohne den Führer und mit eigenem Auto ins Nata Bird Sanctuary fuhren. Diese flache Weite, diese Ruhe, diese Wassermengen - das hatten wir so alles in Botswana noch nicht erlebt.

Zwei Tage später fuhren wir, inzwischen von Gweta aus, in einen anderen Teil der Salzpfannen. Diesmal sollte es sogar ein Übernachtungstrip werden, den wir bei unserer Lodge und mit anderen Touristen gebucht hatten. Wir fuhren ein ganzes Stück in die Ntwetwe Pan, erst noch lange Zeit immer wieder an Hütten vorbei, Bäumen, Buschland, Rindern ... Philip und ich sattelten schließlich auf ein Quad-Bike um, das hatte unser Reisebüro für uns so gebucht. (Als ich drei Tage vor dem Urlaub erstmals persönlich im Reisebüro vorbeischaute, rief die Mitarbeiterin fröhlich so etwas wie: "Ach, Sie sind jung! Dann wird Ihnen das Spaß machen!") Damit bretterten wir dann dem mit einer Staubfahne vorausfahrenden Safarifahrzeug hinterher durch die eigentliche Salzpfanne. Alle Vegetation hinter sich lassend kam man sich vor wie auf dem Mond. Irgendwann sah man nämlich in keine Richtung mehr etwas anderes als den hellen, staubigen und salzigen Sandboden.


Aber dann tauchte unser Camp für diese Nacht auf, in Form eines Lagerfeuers mit mehreren Klappstühlen drumherum und einem improvisierten Waschbecken, um sich den Staub vom Gesicht zu waschen.


100m davon entfernt war ein Toilettenzelt aufgebaut, in einer anderen Richtung wurden Schlafsäcke für uns entrollt. Dann sahen wir erst einmal der Sonne beim Untergehen zu und tranken kühle Getränke, während die Guides das Abendessen überm Feuer zubereiteten: Steaks, Folienkartoffeln, gebackenen Kürbis und eine große Schüssel mit Salat gab es auch noch. Es schmeckte großartig.

Während wir aßen, wurde es dunkel und die Sterne erschienen - in Massen, wie man sie nur an einem Ort ohne Lichtverschmutzung sehen kann. Wir zogen uns alle recht bald in unsere Schlafsäcke zurück - zum einen wurde es doch ganz schön kühl, zum anderen ließen sich die Sterne so auf dem Rücken liegend doch am besten betrachten. Über uns leicht rötlich der Mars, die Milchstraße klar zu erkennen, das Kreuz des Südens hell leuchtend - es war wunderschön.


Am nächsten Morgen wurden wir irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr wach, als es wieder heller wurde. Es war ordentlich kalt, aber am Feuer gab es Kaffee und Tee und Muffins und bald darauf brausten wir zurück Richtung Lodge.

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