Aus der Reihe "Gästeblog statt Gästebuch" hier ein neuer Eintrag:
Zwischen Botsuana, “der Diamant im Süden Afrikas”, und Botsuana, “ein gescheitertes Projekt”, kann man im Vorfeld alles lesen, aber ich bin einfach nur hierher gekommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie Philip und Walli leben, und um mit ihnen das Highlight von Botsuana zu genießen, das sie für mich ausgesucht haben.
Und da fing der Luxus im Vorfeld schon an. Das botsuanische Reisebüro hat drei Lodges vorgeschlagen und Philip und Walli kennen inzwischen „das Delta“ gut genug, um eine Auswahl treffen zu können. Aber soweit bin ich noch gar nicht, sondern sitze im Flughafenbus in Johannesburg, um zu der Maschine nach Gaborone gebracht zu werden. Als ich hochblicke, sitzt mein Sohn neben mir! Von der folgenden Szene habe ich vor allem die amüsieren Gesichter des Publikums im Kopf. Die von nun an verwöhnte Reisende muss also noch nicht einmal den (allerdings ziemlich käse- und brotbeschwerten) Koffer vom Band heben.
Sie darf als nächstes und für die nächsten 10 Tage staunen über die Großzügigkeit von Haus und Gastfreundschaft. Der Geburtstagsgutschein für High Tea im Victoria Falls Hotel, der im März nicht eingelöst werden konnte, kommt gleich am zweiten Abend zum Einsatz, als wir zum Sonnenuntergang im 28. Stock des höchsten Gebäudes von Gaborone zu Abend essen (ja doch, Gaborone hat zwei richtige Hochhäuser).
Dass ein Ausflug in eine Lodge im Okavango Delta Verwöhnprogramm pur ist, ahnt man, aber wenn dann auch noch das Glück dazu kommt! Die Seba Lodge liegt besonders schön an einer Lagune und zum Mittagsprogramm gehört die Beobachtung von Elefanten, Nilpferden, Büffeln, Impalas, Kudus und einer Affenfamilie, die so über die „Hütte“ tobt, dass man nicht ganz sicher ist, ob sie standhält. Womit man aber nicht rechnen kann, ist, dass man bei den morgendlichen und abendlichen game drives einen Geparden, zwei Leopardinnen (eine davon mit zwei Jungen), zwei Löwinnen ebenfalls mit Jungen, eine riesige Büffelherde und und und … sieht. Ein wunderbar ruhiger und entspannter (naja, von der Bequemlichkeit des Sitzes abgesehen) Abschluss war die Fahrt im Einbaum, dem Mokoro. Nein, man muss auch hier nicht etwa selber staken, aber bedarf das der Erwähnung? Allerdings erwähnenswert sind die Flüge von Maun ins Delta mit ganz winzigen Maschinen mit dem Blick auf die großartige Landschaft.
Alles was Gaborone zu bieten hat, packt Walli dann in ein Zweitagesprogramm. Die Sammlung mag nicht ganz überzeugend klingen: kleinere, größere, ältere, modernere Einkaufsmalls (Gaborone ist die Stadt mit der höchsten Dichten von Malls pro Einwohner in Afrika), zwei Denkmäler (das des Staatsgründers Seretse Khama sehr sympathisch-menschlich, des der drei Chiefs aus Nordkorea stammend und entsprechend), Nationalmuseum (geschlossen), eine Töpferei und eine Weberei, jeweils schon ländlich gelegen, ein Gartencenter mit einem sehr hübschen Café, aber mir vermittelt sich der Eindruck, dass Philip und Walli hier gut leben können und das auch tun.
Nach dem Delta noch eine Safari – muss das nicht zu einer Enttäuschung führen, wenn man noch dazu selber hinfahren (immerhin 4 Stunden), selber durchfahren, selber grillen muss? Nach der Rückkehr kann ich nur sagen: Muss es nicht! Wir waren im Khama Rhino Sanctuary bei Serowe und konnten die geschützten Tiere aus allernächster Nähe beobachten. Die schönste Szene haben wir kurz vor Sonnenuntergang erlebt, als an einem Tümpel ein großes Treffen verschiedener Tiere stattfand. Man trank, rangelte ein wenig, suhlte sich im Schlamm und trottete wieder davon – und kümmerte sich gar nicht um die beobachtenden Menschen.
Tagesausklang: Lagerfeuer und Grillen (köstliches botswanisches Rindfleisch) unter dem Kreuz des Südens und einem Sternenhimmel, wie man ihn nur fernab jeder Stadt sehen kann.
Es gäbe noch so vieles zu berichten: vom stolzen Mutterherz, wenn ich Philips Büro mit Blick über die Stadt gezeigt bekomme (dass das Gebäude etwas baufällig sein soll, sehe ich gar nicht), vom Spaß an Wallis selbstverständlichem Navigieren durch Gaborone und ihren umwerfenden Kenntnissen über die Fauna des Landes … ich kann nur sagen, dass es eine Freude ist zu sehen, wie die beiden sich in ihrem afrikanischen Leben zurecht gefunden und eingerichtet haben.
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