Auch nach eineinhalb Jahren Gaborone gibt es immer wieder "erste Male". Vor Kurzem war "das erste Mal im Ausland wählen" dran, was sich doch etwas komplizierter gestaltet, wenn man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat - und dafür in einem Land lebt, in dem das Postsystem bestenfalls so lala funktioniert.
Als Auslandsdeutsche ohne deutsche Adresse mussten Philip und ich erst einmal einen Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis stellen, denn automatisch erhalten wir nun keine Wahlberechtigung mehr. Die Deutsche Botschaft Gaborone schickte die nötigen Informationen zum Wählen im Ausland bereits im April in einer Rundmail an hier lebende und beim Auswärtigen Amt registrierte Deutsche. Man konnte sie sich natürlich auch im Internet runterladen, aber zu diesem frühen Zeitpunkt hätten wir von alleine noch gar nicht unbedingt an die Bundestagswahl gedacht.
Sofern man noch nicht länger als 25 Jahre ununterbrochen im Ausland lebt, kann man sich wieder in das Wählerverzeichnis eintragen lassen. Der Antrag dazu beinhaltete allein ein zweiseitiges Merkblatt mit Erläuterungen und wir mussten alle Erklärungen "an Eides statt" abgeben. Eingereicht werden konnte er natürlich nicht per E-Mail, weswegen wir unsere Anträge dem nächsten von Philips Kollegen mitgaben, der auf Dienstreise nach Deutschland reiste. Und dann hieß es warten. Wir hätten uns die Briefwahlunterlagen direkt nach Gaborone schicken lassen können, allerdings ist ja mehr als fraglich, wann sie hier ankommen. Eine Kollegin von Philip hat es darauf ankommen lassen und ihre immerhin am 15.09. erhalten; wir ließen unsere zu meinen Eltern schicken, wo sie bereits am 17.08. eintrafen. Philips Chef, der Ende August in Deutschland war, brachte sie uns nach Botswana mit, und Philips Mutter konnten wir wiederum die ausgefüllten Briefwahlunterlagen nach Deutschland mitgeben. Es klappte zeitlich auch gerade noch so, dass sie die Unterlagen von Philips Kollegin mitnahm, denn nachdem diese erst neun Tage vor der Wahl hier ankamen, wäre eine Rücksendung mit der botswanischen Post utopisch gewesen. Als einziger Ausweg wäre DHL geblieben, aber das kostet dann halt gleich über 20,- € für so einen Brief ...
Ich hätte ja gedacht, dass die Deutsche Botschaft sich irgendwie engagiert, um Auslandsdeutschen das Wählen zu erleichtern - dass man zum Beispiel seine Wahlunterlagen bis zu einem Stichtag da abgeben kann und sie dann gesammelt nach Deutschland geschickt werden - aber dem ist nicht so, was ich etwas schade finde, denn so erfordert die Briefwahl schon einiges an Planung, die vermutlich nicht alle hier lebenden Wahlberechtigten mitmachen.
Man wird als Auslandsdeutscher übrigens - nach bewilligtem Antrag - in das Wahlregister
seines letzten deutschen Wohnsitzes eingetragen. Philip und ich konnten damit wieder im gewohnten Frankfurter Wahlkreis wählen. Da kamen Heimatgefühle auf!
Wir sind also schon durch mit der Bundestagswahl und gespannt auf das Ergebnis. Worauf wir auf jeden Fall hoffen: Eine hohe Beteiligung! Dieser Tage wird ja der Kabarettist Hagen Rether viel zitiert: "Wählen ist wie Zähneputzen: Wenn Du's nicht machst, wird's braun." Oder wie eine Freundin mir sinngemäß schrieb: Zu unserer Demokratie gehört zwar
auch, auf das Wahlrecht verzichten zu dürfen. Aber das Ergebnis der AfD wird stärker ausfallen, wenn die Wahlbeteiligung gering ist, denn die AfD schafft es, ihre Anhänger zu mobilisieren.
Deswegen kann ich die Empfehlung meiner Freundin nur wiederholen (und sende an dieser Stelle viele Grüße nach Wiesbaden!): Lieber wählen - es sei denn, Ihr habt die AfD ins Auge
gefasst ;-)
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