Ach, was ist Europa doch toll!
Zugegeben, grenzenloses Reisen in Europa (= Schengenprotokoll) ist nicht gleich Europa, aber für den "normalen Bürger" macht es doch einen guten Teil von Europas Identität aus. Und was man bereits als Errungenschaft hat, das wertschätzt man manchmal vielleicht nicht so sehr. Daher dachten wir, dass wir hier mal eine kleine Ode an Schengen schreiben könnten.
An diesem Wochenende haben wir ja einen Ausflug ins Madikwe Game Reserve gemacht, das gerade mal auf der anderen Seite der Grenze zu Südafrika liegt. Wir wussten ja, dass wir eine Grenze zu passieren hätten, doch wenn wir gewusst hätten, was uns erwartete, dann hätten wir wohl noch etwas mehr Zeit einkalkuliert.
An der Grenze - auf botswanischer Seite - mussten wir das Auto erst einmal parken und in das Grenzgebäude gehen. Zunächst läuft man an mehreren Schaltern mit Zollbeamten vorbei; da wir nichts zu verzollen hatten, ignorierten wir sie und gingen einen Raum weiter zur Passkontrolle. Auch hierfür gab es mehrere Schalter, wir stellten uns zunächst in der ersten Schlange an, um dann festzustellen, dass an den verschiedenen Fenstern unterschiedliche Personengruppen abgefertigt wurden. Und zunächst hieß es sowieso ein kleines Papierdokument ausfüllen. Dann stellten wir uns an einem Fenster für "Residents" an. Vor uns waren eine Familie und zwei weitere Grenzgänger, die Beamtin arbeitete offenbar gründlich. Irgendwann kamen wir an die Reihe, alles lief problemlos, wir bekamen die Ausreisestempel in den Pass und verließen das Gebäude, um zum Auto zu gehen. Bis hierhin hatten wir gerade mal 20 Minuten gebraucht, das ging ja schneller als befürchtet. So fuhren wir also auf das botswanische Grenztor zu; die Grenzbeamten interessierten unsere Stempel im Pass jedoch nicht, sie wollten von uns den "gate pass" für das Auto samt Insassen sehen, der von Zoll und Passkontrolle abgestempelt sein muss. Da wir das Dokument nicht hatten, mussten wir das Auto wieder parken und zurück ins Gebäude gehen. Nach nur kurzem Anstehen bekamen wir das Dokument mit dem Stempel vom Zoll - damit mussten wir wieder zur Passkontrolle. Nachdem wir wieder brav in der Schlange gewartet hatten, erkannte uns die Beamtin dort schnell wieder und stempelte den "gate pass" ab. Sie hätte uns ja auch vorher mal darauf aufmerksam machen können, dass wir so etwas brauchen.
Wir fuhren 300m weiter, dann begann der Grenzbereich der Südafrikaner. Ein Grenzbeamter sagte uns, dass der Parkplatz voll sei, daher sollten wir doch links herum fahren (statt rechts) - im Endeffekt parkten wir nun hinter der eigentlichen Kontrolle, wie wir erst später bemerkten.
Vor dem Grenzhäuschen, in das wir hineinsollten, gab es bereits eine sehr lange Schlange, in die wir uns auch einreihen mussten. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurden wir von einer Art Türsteher, der durch seine markigen Sprüche auffiel und seine Rolle durchaus genoss, in das Gebäude vorgelassen. Dort kam dann glücklicherweise recht schnell die Passkontrolle, die fast ohne Probleme verlief. Vorsichtshalber gingen wir auch noch beim Zoll vorbei, falls wir das Auto wieder extra angeben müssten, doch hier schaute man uns nur komisch an und verstand nicht, was wir denn wollten.
Außerhalb des Gebäudes gingen wir dann zum Grenztor, an dem alle Fahrzeuge vom Zoll kontrolliert wurden - wir waren zum Parken bereits daran vorbeigefahren. Auf unsere Nachfrage hin mussten wir glücklicherweise nicht zurückfahren, sondern konnten einfach zu Fuß hindurch und zu unserem Auto gehen - der Grenzbeamte rief uns noch hinter her, dass er hoffen würde, dass wir die Big Five sähen. So saßen wir bald im Auto, fuhren los, hielten die Pässe in der Hand - und konnten kaum glauben, dass wir es geschafft hatten nach Südafrika. 1,5 Stunden hatte uns diese Grenzprozedur insgesamt gekostet (länger als die gesamte Autofahrt hätte dauern sollen); vielleicht hatten wir einfach nur Pech und es war gerade großer Andrang?!
Auf dem Rückweg aus Madikwe ging es dann umgekehrt - glücklicherweise mit kürzeren Schlangen: Die südafrikanische Grenzkontrolle ging recht fix, dann fuhren wir durch die südafrikanische Zollkontrolle/Grenztor mit Befragung ("I used to like Bayern Munich, now I like Ajax Amsterdam more"), dann auf botswanischer Seite am Zoll ein schneller Stempel auf den "gate pass", eine kurze Warteschlange bei der wieder sehr gründlichen und dadurch doch langwierigen Passkontrolle und wir waren wieder zurück.
War das in Europa auch mal so? Was für eine Errungenschaft jedenfalls, dass wir heute in Europa einfach so die Grenze überqueren können!
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