Sonntag, 2. Oktober 2016

Botswana, wir schicken Dir den Edi

Liebes Botswana,

bisher sind wir ja ganz gut miteinander ausgekommen. Doch in letzter Zeit schaffst Du es leider ein wenig, mich in den Wahnsinn zu treiben. Ich gratuliere Dir natürlich ganz herzlich zu Deinem 50. Geburtstag. Doch ich bitte Dich auch, Dir zu überlegen, wo Du von hier aus hinwillst: Willst Du strikt Regeln sinnlos befolgen, Deine Bürokratie immer weiter ausbauen und als Selbstzweck begreifen, oder willst Du Deinen Bürgern und Gästen dienen und ihr Leben einfach und angenehm gestalten?

Letzte Woche zum Beispiel hast Du es beinahe geschafft, mich zum Explodieren zu bringen. Ich hatte einen Behördengang zu erledigen und bin so privilegiert, dass ich, statt selbst zu der Behörde zu fahren, einen Fahrer schicken konnte. Ich wusste, dass Du u.a. eine beglaubigte Kopie meines Passes sowie die eines Kollegen brauchtest, die hatte mein Fahrer auch dabei. Leider war die eine Beglaubigung jedoch etwas älter als ein Jahr, die andere war von April – und Deine Regeln sehen vor, dass solche Beglaubigungen nicht älter als drei Monate sein dürfen. Die Pässe, beide noch mehrere Jahre gültig, hätten ja ungültig geworden sein können. Die deutsche Botschaft hier ist so nett, solche Beglaubigungen sogar kostenlos innerhalb von ein bis zwei Tagen auszustellen. Als mein Fahrer das nächste Mal nach stundenlangem Anstehen in Deiner Behörde an der Reihe war, wurde die Beglaubigung wieder nicht akzeptiert, denn das Datum war maschinell aufgedruckt und nicht im Stempel/Siegel der Botschaft per Hand notiert. Das entspräche nicht Deinem Gesetz und könne nicht akzeptiert werden. Bitte überleg' Dir doch, ob hier nicht ein wenig Pragmatismus für alle Seiten praktisch wäre. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft stutzten zwar, als ich ihnen von Deinem Theater erzählte, trugen jedoch das Datum noch handschriftlich im Stempel nach. Ich hoffe, Du wirst das nun akzeptieren.

Und da wir schon dabei sind: Ich empfehle Dir, liebes Land Botswana, auch ein wenig mehr Datenschutz. Oberstes Prinzip des Datenschutzes ist die Datensparsamkeit. Überall muss ich hier neben meinem Namen auch meine Telefonnummer sowie meine Passnummer angeben. Zum Beispiel, als ich mit dem Auto in die Waschanlage fahren wollte. Wofür brauchst Du diese Daten und was machst Du damit?
Heute wollten wir uns ein Fitnessstudio anschauen – wohl gemerkt anschauen, nicht uns dort anmelden. Zuvor sollten wir noch Namen, Passnummer, Geburtsdatum und Telefonnummer angeben. Außerdem sollten wir angeben, wer in einem Notfall kontaktiert werden sollte. Und das alles nur, um einmal hinter die Schranke zu gelangen und sich umzuschauen und ein Verkaufsgespräch zu führen – von Probetraining war da noch keine Rede. Ein Mann neben uns, der sich ebenfalls wunderte und die Notfall-Kontaktperson nicht angab, wurde dann noch einmal gefragt, wer im Falle eines Notfalls anzurufen sei. Seine Antwort: „The Hospital“ fanden die Angestellten des Fitnessstudios irgendwie nicht so lustig wie wir. Wir haben uns im Endeffekt dagegen entschlossen, uns das Fitnessstudio näher anzuschauen (super Ausrede, das mit der Datensparsamkeit!).

Liebes Botswana, ich möchte Dir abschließend ein Angebot machen: Wir haben da in Deutschland jemanden, der sehr viel Erfahrung mit Bürokratieabbau bei der EU hat, der dort eine Kommission zum Bürokratieabbau geleitet hat und Empfehlungen ausgesprochen hat – vielleicht kann der Dir ja auch ein wenig helfen? In Deutschland könnten wir Herrn Stoiber sicher ein paar Jahre entbehren. Sag einfach kurz Bescheid, und ich organisiere ihn Dir.

Wir schaffen das schon noch, liebes Botswana, dass wir uns aneinander gewöhnen – aber bis dahin wäre ich Dir doch sehr dankbar, wenn Du Deine Bürokratie etwas reduzieren könntest und nicht ganz so viele Daten von mir erheben wollen würdest.

Viele Grüße
Dein Philip

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