Freitag, 1. Februar 2019

Die Entscheidung für eine Umzugsfirma

Als wir in Deutschland waren, sprach uns eine Freundin auf unseren Blogbeitrag zu den von uns angefragten Umzugsfirmen an, der einen Cliffhanger enthalten würde, den wir nie aufgelöst hätten. Ich habe ihn gerade nochmal gelesen und musste feststellen: Sie hat völlig Recht. Dabei bietet das Thema "angefragte Umzugsfirmen" inzwischen genug Stoff für einen weiteren Blogbeitrag. Zeit, dass ich diesen schreibe ...
Was bisher geschah: Pelo von Umzugsfirma Nummer eins kaufte mir mein altes Damenrad ab und bat mich, ihm den Preis von Philips Fahrrad, den ich nicht spontan wusste, zu whatsAppen. Das tat ich, und das war auch unser letzter Kontakt. Es irritiert mich ein bisschen, dass er zwar Raum für Raum mit seinem Tablet abfotografiert hat, es aber noch nicht mal schaffte, mir ein Angebot zu schicken. Auf der anderen Seite war er schon vom Auftreten her der Unprofessionellste, weswegen ich sein Unternehmen gedanklich eh schon ausgeschlossen hatte. Umzugsfirma eins war damit schnell raus.

Umzugsfirma vier hat es allerdings auch nicht geschafft, ohne nochmalige Aufforderung ein Angebot zu schicken. Ihr Vertreter war noch gar nicht bei uns gewesen, als ich den letzten Blogbeitrag zu dem Thema schrieb. Aber nachdem ich von mehreren Seiten hörte, dass dieses international operierende Unternehmen auch zu den besten gehörte, rief ich dort an, worauf ein junger Mitarbeiter vorbeikam, der passenderweise Kago hieß (spricht sich aus wie "Cargo" - Frachtgut). Kago war neben dem letzten Rhodesier von Umzugsfirma drei (siehe letzter Blogbeitrag zu dem Thema) der einzige, der gar keine Anstalten machte, mir etwas abkaufen zu wollen. Das fand ich gut. Er machte zwar ein paar Bemerkungen über Frauen und wie viele Schuhe sie brauchen und mutmaßte wegen des bunten Chaos in unserem Arbeitszimmer, dass wir offensichtlich Kinder hätten, aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten kamen wir gut miteinander zurecht. Kago erkundigte sich außerdem, ob Frankfurt in der Nähe von Koblenz wäre - seine Firma hat dort ihren deutschen Sitz.
Dass ich nach seinem Besuch gar nicht mehr von Kago hörte, verwunderte mich. Zugegebenermaßen hatte er während unseres Südafrika-Urlaubs vor Weihnachten mal versucht, mich anzurufen, aber es kam weder eine Mail noch ein Angebot. Weil er sonst einen passablen Eindruck gemacht hatte, fragte ich Anfang Januar nach, worauf offensichtlich sein Chef antwortete mit Rückfragen zu unserem Umzug nach Koblenz ... irgendwie waren die Eckpunkte unserer Anfrage verlorengegangen, unter anderem der Ort. Schriftlich ließ sich aber alles klären und schließlich schrieb mir tatsächlich auch noch jemand vom deutschen Unternehmenssitz in Koblenz, der sich als zukünftiger Ansprechpartner vorstellte. Das war nett, aber tatsächlich sind mir die Fähigkeiten meines botswanischen Ansprechpartners momentan wichtiger, da ich den Eindruck bekommen habe, dass das Niveau der Umzugsfirmen hier sehr unterschiedlich ist. Und falls hier irgendwas nicht klappt, glaube ich nicht, dass irgendjemand in Koblenz groß Einfluss nehmen kann ...

Ständig in Kontakt war ich auch noch mit Lebo von Umzugsfirma Nummer drei. Lebo, die mir bereits einen Klappstuhl und unseren Campingtisch für ihr mobiles Nagelstudio abgekauft hatte. Sie hatte außerdem größeres Interesse an meinem alten IKEA-Schrank mit Nachttischchen und begeisterte außerdem noch eine Freundin für Philips großen PAX-Schrank. Auch sie kontaktierte mich während unseres Südafrika-Urlaubs wegen der Abholung der Schränke und kam dann an unserem Abflugtag in den Heimaturlaub noch vorbei, allerdings ohne jede Transportmöglichkeit. Also machte sie einfach nochmal Fotos von den Schränken und wir verschoben den Rest aufs neue Jahr.
Nach unserer Rückkehr aus Deutschland machte ich Lebo dann Terminvorschläge zur Schrankabholung, die sie zwar zur Kenntnis nahm, sich aber nicht äußerte, welchen sie nehmen wollte. Mir war dagegen schon an einem festen Termin gelegen, wir wollten ja nicht das ganze Wochenende auf Verdacht zu Hause rumsitzen. Die Kommunikation war nicht ganz einfach - würde sie bezüglich unseres Umzugs anders laufen, wenn wir diese Firma nehmen würden? Wir hatten unsere Zweifel.
Noch größere Zweifel bekamen wir allerdings, als Lebos Freundin am Sonntagmittag mit ihrem Schwager vor unserer Tür stand. Man muss dazu sagen, dass Umzugsfirma Nummer drei uns einen Spezialpreis vorgeschlagen hatte, falls unser Umzug nur das vereinbarte Volumen hätte. Heißt: Lebo hatte bei der Betrachtung unseres Hausstands ermittelt, wie viele Kisten gepackt werden müssten und welches Volumen unser Umzugsgut hätte. Das darauf basierende Angebot war besonders günstig, würde sich aber schnell verteuern, falls es doch mehr werden sollte. Tja. Lebos Freunde standen nun mit einem Pickup vor der Tür, bei dessen Anblick sofort klar war, dass da niemals zwei Schränke drauf passen würden. Der Schwager von Lebos Freundin begann mit Philips Hilfe gleich hochmotiviert mit dem Abbau des PAX-Schranks. Würde dieser überhaupt auf das Auto passen? Wir waren gespannt.

Ich rief während des Abbaus Lebo an, die angeblich das Geld für beide Schränke hätte. Dabei stellte sich heraus, dass sie in einem Café im nahegelegenen Einkaufszentrum Game City saß um auf ihre Freunde zu warten. Sie sagte, sie wären da verabredet gewesen, aber die Freunde waren nicht aufgetaucht, sondern offensichtlich direkt zu uns gefahren - vielleicht doch schon in der Annahme, dass eh nur ihr Schrank auf das Auto passen würde? Miteinander kommuniziert hatten sie nicht, weil sie kein Prepaid-Guthaben mehr auf ihren Handys hatten. Als Lebo schließlich ankam, war auf jeden Fall der Schrank ihrer Freunde schon fast abgebaut und klar, dass ihrer nicht mittransportiert werden könnte. Sie war nicht glücklich. Eine zweite Fahrt kam für sie an dem Tag nicht mehr infrage, da sie gar nicht mehr genug Geld für Benzin hätten (Lebo und ihre Freunde leben in Ramotswa, ca. 20 km außerhalb). Ich gab ihr zum Trost immerhin das Nachttischchen mit. Philip und ich staunten, wie der Schwager ihrer Freundin versuchte, den Schrank zu sichern ("Meinst Du wirklich, das kann so heil ankommen?" "Nicht mehr unser Problem ..."). Und dann fuhren sie los ...




... und kamen heil an! Zumindest berichtete uns das Lebos Freundin, als sie am Dienstag wiederkam, um Lebos Schrank abzuholen. Mit einem anderen Mann und einem anderen Auto, wo mein alter kleiner Schrank aufrecht stehend transportiert wurde. Die Ladefläche war vorher schon mit Zementsäcken und einer Badewanne beladen, die dann zur Stütze links und rechts genutzt wurden.


Was soll ich sagen - was Kommunikation im Vorfeld und Organisation des Umzugs anging, hatte ich einfach höhere Erwartungen in jemanden, der das beruflich machte. Und mein Vertrauen, dass Lebo das Volumen unseres Umzugs richtig eingeschätzt hätte, ging gleich null. Nachdem die Schrankübergabe nun vollbracht war, wartete ich noch zwei Anstandstage und sagte ihr dann per E-Mail ab. Sie hat sich nie wieder gemeldet.

Tja, und somit blieb nur noch Umzugsfirma zwei - wir ziehen jetzt mit "Mr. Move" um, ich habe dem letzten Rhodesier zugesagt. Auch hier gab es schon kleinere Minuspunkte, aber wir sind dennoch guter Hoffnung, dass diese Firma unseren Umzug am Professionellsten durchführt. Ab dem 20. Februar sind die Umzugspacker hier - wir halten Euch auf dem Laufenden!

Dienstag, 29. Januar 2019

Verschnitten

Als wir aus unserem diesjährigen Heimaturlaub zurückkamen, waren wir gerade auf dem Rückweg vom Flughafen, als mich die SMS von einem unserer Vermieter erreichte: "Hi, are you guys back yet?" Waren wir ja noch nicht ganz, aber kurz darauf und sahen ihn dann auch gleich: Mattias und sein Sohn hatten vor unserem Tor geparkt und schnitten gerade die Büsche an der Außenmauer zurück. Das war super - unser Gärtner hatte mich bereits Anfang Dezember angesprochen, dass das mal wieder in Angriff genommen werden müsste. Hier gibt es zwar keinen Bürgersteig, auf dem Leute laufen könnten, aber trotzdem versuchen Fußgänger natürlich, nicht auf der Straße zu gehen und so war bei den Bougainvilléen, anderen Büschen und Bäumen schon öfters etwas abgeknickt worden. Ich hatte unseren Vermietern allerdings noch gar nicht Bescheid gegeben - wie schön, dass sie das gerade von selbst erledigten!

Die Freude währte nur kurz - einen Tag später kam Philip von der Arbeit nach Hause und stellte fest, dass da nochmal jemand am Werk gewesen war, der sich wesentlich grobmotorischer als unser Vermieter angestellt hatte. Der ziemlich traurige Anblick passte zu Philips etwas verkorkstem Start nach unserem Heimaturlaub.


Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.


Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.

Samstag, 26. Januar 2019

Compliments of the season!

Alles Gute zum neuen Jahr, liebe Blogleser! Das haben wir Euch noch gar nicht gewünscht, glaube ich. Nun findet Ihr vielleicht, dass wir ziemlich spät dran sind und ich es mir am 26. Januar auch sparen könnte. Aber nein: In Botswana wünscht man sich bis Ende Januar "compliments of the season". Wobei ich zugebe, dass es langsam schon nachlässt. Aber als wir am 17.01. in Botswana landeten, gingen Philip und ich mittags eine Kleinigkeit im Café Dijo essen. Das war früher, als Philips Büro noch in unserem Viertel Kgale View war, unser Stammcafé, wenn wir uns zum Mittagessen trafen. Ich gehe immer noch ab und an hin, treffe Freundinnen, warte, dass eins unserer Auto in der Waschanlage nebenan fertiggewaschen wird oder trinke einfach so einen Cappucchino. Wenn ich alleine bin, habe ich immer ein Buch dabei - mein Lieblingskellner hat sich angewöhnt, mich zu fragen, was ich lese und ist immer wieder aufs Neue erstaunt, was man so alles lesen kann.

Selbst, wenn Philip fast gar nicht mehr zum Café Dijo kommt und ich weitaus seltener als früher, sind wir also irgendwie beide noch bekannt. Und so kamen an unserem Ankunftstag hier gleich drei Kellner an unseren Tisch, um uns "compliments of the season" zu wünschen - am 17. Januar! In den Tagen davor in Deutschland hatten die Neujahrswünsche schon komplett aufgehört, aber hier ging es dann für uns nochmal los - und ich fand es total nett. Auch wenn insbesondere Philips Ankunftstage nach unserem Heimaturlaub (der für ihn ja zur Hälfte eine Dienstreise war) nicht allzu glatt liefen, muss das doch mal positiv erwähnt werden. Und während ich anfangs noch mit einem leicht verwunderten "happy new year" antwortete, schmettere ich inzwischen Bekannten, die ich dieses Jahr zum ersten Mal sehe, selbst als Erste ein "compliments of the season" entgegen. Das hebt gleich die Laune. Also, meine auf jeden Fall :-)

Samstag, 19. Januar 2019

Kultur- und andere Schocks hüben wie drüben

Vor ein paar Monaten meinte Walli mal, dass wir ja vielleicht Weihnachten gar nicht mehr extra nach Deutschland fliegen müssten, wenn es absehbar sei, dass wir ohnehin Anfang 2019 in die Heimat zurückkehren. Wir entschlossen uns schließlich doch, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Und ich bekam einen Kulturschock.
Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.

Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!

Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?

Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...

Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Ein Jahresrückblick in Bildern (2018)

Wie schon in den letzten Jahren (2017, 2016) haben wir auch dieses Jahr wieder 13 (Tier-) Bilder aus 2018 ausgesucht, aus denen wir einen Kalender gestaltet haben. Hier unsere Auswahl an Bildern:

Eine Elefantenherde trampelt ganz leise auf einer Straße im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein neugieriger Klippschliefer (auch Klippdachs oder Dassie genannt) auf dem Tafelberg in Kapstadt, Südafrika. Er ist eng verwant mit dem Elefanten.


Afrikanische Pinguine bei Simonstown auf der Kaphalbinsel in Südafrika:


Ein "yellow-billed hornbill" im Moremi Game Reserve in Botswana, von Safari-Guides auch "flying banana" genannt:


Ein Steenbok (Steinböckchen), die kleinste Antilope in Botswana, im trockenen Savannengras des Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Ein Zebra schaut sich unser Auto an im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein Gepard im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Elefant schabt die wasserführende Borke eines Baobab-Baums ab im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:


Ein Pavian pflückt Blüten im Cape Point Nationalpark, Südafrika:


Eine Leopardin springt von einem Baum im Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Eine Oryxantilope im Mountain Zebra National Park, Südafrika:


Eine Gabelracke (engl.: lilac-breasted roller) im Madikwe Nationalpark, Südafrika:


Eine Klippspringer-Antilope in der Abenddämmerung im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Kulinarische Überraschungen

Mit der Weihnachtszeit werden ja auch immer kulinarische Exzesse assoziiert. Walli las kürzlich einen Weihnachtsroman mit dem Titel "Sieben Kilo in drei Tagen" (nicht empfehlenswert, daher auch nicht auf Romanregal.de besprochen). Also dachten wir uns, dass jetzt, zwischen den Jahren, eine kleine Story zum Thema Essen gut passen könnte:

Eine kulinarische Spezialität in Botswana sind frittierte Mopane-Würmer. Nein, wir haben noch keine probiert, und haben das eigentlich auch nicht vor. Beinahe hätte (habe?) ich jedoch kürzlich gebratene Insekten gegessen. Doch von vorne.

Ein echter Vorteil meines neuen Büros ist, dass es in Laufentfernung mehrere gute Mittagessenslokale gibt. Das war bei den letzten beiden Büros leider nicht der Fall. Und so nehme ich mir zwar manchmal etwas von zu Hause mit, aber häufig gönne ich mir auch, das Büro zu verlassen, ein paar Schritte zu gehen und in einem der Restaurants etwas zu essen.
Letzte Woche Donnerstag traf ich einen Kollegen und seine botswanische Frau im chinesischen Restaurant, das direkt über meinem Büro liegt. Dort gibt es sogar - wenn man nachfragt - eine Mittagskarte, die deutlich günstiger ist als die normale Speisekarte. Wir bestellten alle drei das gleiche Gericht von eben dieser Mittagskarte. Als ich meinen Teller schon fast aufgegessen hatte, fand Thandi, die Frau meines Kollegen, mitten in ihrem Gemüse eine gebratene Schabe. Nun ist sie zwar eine Motswana, aber sie mag auch keine Mopane-Würmer, ebenso wenig andere Insekten. Und erst recht mag sie keine Insekten, wenn sie diese nicht bestellt hat, sondern sie sich in ihrem Gemüse verstecken. Wir reklamierten, und immerhin ging der Kellner halbwegs gut mit der Reklamation um: Er besprach sich mit dem Chefkoch, entschuldigte sich dann bei uns und sagte uns, dass wir für das Mittagessen alle drei nicht zahlen müssten. So waren wir halbwegs versöhnt.
Allerdings hatte Walli schon vorher beschlossen, das Restaurant zu boykottieren, denn ein paar ihrer Aflateen-Schüler hatten dort ein Praktikum gemacht, und sie hatte zu hören bekommen, dass diese dort zu absoluten Hungerlöhnen ziemlich ausgebeutet wurden. So haben wir jetzt neben dem moralischen auch noch einen hygienischen Grund, dieses Restaurant nicht mehr zu besuchen.

Am darauffolgenden Tag, einem Freitag, der es aus verschiedenen anderen Gründen in sich hatte, besuchte mich Walli zum gemeinsamen Mittagessen (ein Lichtblick). Wir wählten ein relativ neues italienisches Restaurant, das uns halbwegs gefiel. Dort hatte ich schon mal eher schlechte Service-Erfahrungen gemacht, aber keine, die uns davon abgehalten hätten, dort noch einmal hinzugehen. Um den Tag etwas zu verbessern, gönnten wir uns beide Nudeln mit Lachs in einer Tomatensauce. Wir aßen und sprachen, und irgendwann fiel uns auf, dass das, was wir da aßen, eher nicht nach Lachs schmeckte, sondern nach dem Dosenfisch, den Walli gelegentlich mal isst, der jedoch erheblich günstiger als Lachs ist. Oder waren es gar Sardellen? So richtig dolle war es auf jeden Fall nicht, und auch, wenn der Fisch ganz klein zerfasert war, waren wir uns doch immer sicherer, dass er mit einem Lachs nicht besonders viel gemeinsam hatte. Wir fragten daher die Bedienung, die uns versicherte, dass in dem Gericht Lachs sei, aber versprach, den Koch noch einmal zu fragen. Sie kam nicht zurück, und das hätte uns schon etwas sagen müssen. Als eine andere Bedienung kam und uns nach unserem Wohlbefinden fragte, erklärten wir auch ihr, dass das wohl kein Lachs sei, was wir da gegessen hätten. Auch sie wollte sich erkundigen, außerdem baten wir sie um die Rechnung. Sie kam zurück und sagte uns, dass tatsächlich kein Lachs in unserem Essen gewesen sei, wodurch er stillschweigend ersetzt worden war, wusste sie jedoch auch nicht. Dass wir unter diesen Umständen nicht die Rechnung in voller Höhe bezahlen wollten, schien sie zu verstehen - die Lachsnudeln waren aufgrund des teuren Fisches schließlich eher hochpreisig. Und so bekamen wir von ihrer Kollegin eine neue Rechnung mit einem Discount, jedoch in lächerlicher Höhe (ca. 1,20 pro Gericht). Langsam kamen wir uns für blöd verkauft vor und bestellten den Manager, der mich schon ein paar Mal gesehen hatte. Er hatte von dem Lachs-Debakel bislang nichts mitbekommen, schien von unserer Empörung über den Fake-Fisch aber dennoch betroffen. Wir boten an, die Getränke zu zahlen, für das Mittagessen wollten wir aber so langsam kein Geld mehr ausgeben - insbesondere, weil uns nach wie vor niemand aufklären wollte oder konnte, was uns da eigentlich vorgesetzt worden war.
So war das der zweite Tag in Folge, an dem ich ein Mittagessen umsonst bekam. Ich hätte allerdings durchaus gerne an beiden Tagen auf das jeweilige Erlebnis verzichtet.

Montag, 24. Dezember 2018

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2018

Weihnachtsstimmung – die kam bei uns in diesem Dezember etwas kurz. Das hatte ganz verschiedene Gründe: den heißen Gaboroner Dezember, fast ohne nennenswerten Regen und Abkühlung, einen Krankenhausaufenthalt von Philips Vater und die damit verbundenen Sorgen, ein wunderschöner Kurzurlaub in Südafrika bis zum 21.12. ... die letzten drei Wochen waren von ganz unterschiedlichen Emotionen geprägt, aber keine hatte einen größeren Weihnachtsbezug. Geschmückte Plastikweihnachtsbäume, hier und da etwas Weihnachtsbeleuchtung sowie das gespannte tägliche Türchen-Öffnen bei Adventskalendern sind kein vollständiger Ersatz für deutsches Dezemberwetter, Weihnachtsmärkte und Plätzchenbacken. Aber wir planen, nächstes Jahr wieder das komplette Programm zu genießen – und wer weiß, vielleicht werden wir im Dezember 2019 sehnsüchtig an die gleißende Sonne im südlichen Afrika zurückdenken?

Aber der Reihe nach: 2018 war ein erlebnisreiches Jahr. Obwohl Philip seit Jahresanfang ein Auge auf in Deutschland ausgeschriebene GIZ-Stellen hatte, versuchten wir, es nicht im Zeichen des Abschieds von Botswana zu sehen, sondern ganz im Jetzt zu leben. Das ist uns auch meistens gut gelungen. Wenn unser Internet mal wieder völlig erlahmte, der Strom für ungewisse Zeit abgeschaltet wurde, unser Einfahrtstor aus ungeklärten Gründen nicht richtig schloss und Ameisen durch unseren Kühlschrank spazierten, dachten wir nicht nostalgisch an unseren irgendwann bevorstehenden Umzug, sondern wünschten Provider, Handwerkern und Insekten die Pest an den Hals – ganz im Jetzt eben. Und auch beruflich merkte Philip wenig von seinem geplanten Abschied, und das wird wohl auch bis zu seinem letzten Arbeitstag in Gaborone so bleiben. Sein Team, 2017 noch zu großen Teilen neu eingestellt, ist nun eingearbeitet und versucht weitgehend selbstständig, Handel und Industrialisierung im südlichen Afrika voranzubringen. Die Vertretung der EU in Gaborone will Philips Projekt kofinanzieren, d.h. mit erheblichen Mitteln aufstocken, auch das will vorbereitet werden, und dann steht noch die Fusion mit einem anderen Projekt an – so gesehen ist gerade richtig viel los und Philips Abschied wird für das Projekt ein paar Monate zu früh kommen, war aber von uns nicht besser steuerbar. Ein Nachfolger ist gefunden, er kommt ab Mai, ab März muss vorübergehend ein Mitarbeiter übernehmen.

Walli organisierte in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einer anderen Wally einen Kunsthandwerksmarkt, der sie Land und Leute noch besser kennenlernen ließ, ein paar Nerven kostete und letztendlich zwar nicht berauschend besucht war (Harry und Meghan heirateten dummerweise am gleichen Tag), aber dennoch erfolgreich. Sie hat zwei weitere NGO-Klassen unterrichtet und versucht, ihnen Spar- und Businesspläne und den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit näherzubringen. Und als die Schüler in einem anderen Unterrichtsfach eine Powerpoint-Präsentation über ihr Heimatdorf machen sollten, hat sie nachgezogen und ebenfalls eine über Odendorf gehalten.

Im Zeichen des interkulturellen Austauschs stand auch der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Gaborone. Es waren ca. 24 Stunden, die für uns hochspannend waren. Mittendrin statt nur dabei betreuten wir die Kultur- und die Wirtschaftsdelegation und waren komplett begeistert, einen Blick hinter die Kulissen so eines Staatsbesuchs zu bekommen. Ein absolutes Highlight! Und die anderen Highlights dieses Jahres? Waren, wie immer, unsere Reisen – zum Teil mit liebem Besuch im südlichen Afrika: Wir haben Geno und Ali in Kapstadt getroffen, mit Philips Mutter die Garden Route bereist und mit Wallis Eltern das nordöstliche Südafrika unsicher gemacht. Auch sonst waren wir wieder viel, viel unterwegs, mit Freunden und allein, im Auto mit Dachzelt, aber auch in der ein oder anderen Lodge. Wir sind immer noch nicht nach Mauritius oder auf die Seychellen geflogen, sondern haben uns nach wie vor voll und ganz den Safaris verschrieben, die uns immer noch begeistern und faszinieren. Ihre indirekte Auswirkung war ein Fotobuch-Produktions-Marathon, den Philip von Oktober bis November absolviert hat – wer gerne mal „ein paar Fotos“ von unserem Leben und Reisen im südlichen Afrika sehen will, sollte einiges an Zeit einplanen …

Walli hat im Laufe des Jahres mehr und mehr Kinderbücher vorgelesen, Deutsch unterrichtet und sich als Schreibschrifttrainerin betätigt. Das war oft spaßig, manchmal anstrengend und vor allem sind ihr all diese Kinder ans Herz gewachsen. Sie freut sich, dass sie einige hoffentlich nicht völlig aus den Augen verlieren wird – einen Teil von ihnen werden wir im Laufe des nächsten Jahres in Frankfurt und Umgebung wiedersehen. Die größte Entscheidung dieses Jahres: Ende Februar 2019 wird es zurück nach Deutschland gehen! Philip wird ab März wieder in Eschborn bei der GIZ arbeiten, in einer Stabsstelle, wo er zu Grundsatzfragen und unternehmenspolitischen Fragen arbeiten soll – so ziemlich das Gegenteil dessen, was er jetzt macht, aber die jetzige Arbeit wird ihm (hoffentlich) für den neuen Job weiterhelfen.

Und was macht Walli? Das wurde in unseren Anfangsmonaten in Botswana oft gefragt und scheint nun wieder ein Thema, seitdem unser Rückkehrzeitpunkt feststeht. Für sie ist es das noch nicht: Im Moment schlägt sie sich mit Umzugsfirmen herum, rezensiert auf ihrem Bücherblog www.romanregal.de und kümmert sich weiter um deutsche Kinder, serbische Teenager und botswanische junge Erwachsene. Zwischendurch ist sie mit neu zugezogenen Freundinnen unterwegs und zeigt ihnen ihre Entdeckungen der letzten zweieinhalb Jahre in Gaborone und Umgebung. Ab März ist dann volle Konzentration auf den deutschen Arbeitsmarkt angesagt. Aber bis dahin: Alles zu seiner Zeit.

Und jetzt ist es erstmal an der Zeit, Weihnachten zu feiern. Wir freuen uns sehr, dass auch dieses Jahr wieder mit Familie und Freunden zu können. Und dass die Abschiede am Ende dieses Deutschlandbesuchs nicht ganz so groß ausfallen werden wie sonst – wir kommen ja bald wieder! Dafür wird dann der nächste Februar unser Monat der Abschiede. Wer verfolgen will, wie es uns damit und mit unserem Umzug ergeht, kann das nach wie vor hier auf unserem Blog tun. Doch nun genießen wir erstmal die Feiertage.
Frohe Weihnachten und ein glückliches und gesundes Jahr 2019!