Dienstag, 28. März 2017

Kinostart: "A United Kingdom" jetzt auch in Deutschland

Vor fast einem halben Jahr habe ich über die Ankündigung eines Films berichtet, der die Liebesgeschichte zwischen Botswanas späterem ersten Präsidenten Sir Seretse Khama und seiner englischen, weißen Frau Ruth Williams erzählt: A United Kingdom.

In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.

Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:

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