Wir entschieden uns gegen einen Besuch in einem überfüllten Restaurant und stattdessen für eine Kulturveranstaltung, bei der es noch vor Beginn eine rote Rose für jeden weiblichen Gast gab. Organisiert worden war der Abend von der Deutschen Botschaft. Unsere Botschaft als Veranstalter, das kennen wir hier eigentlich nur vom Tag der Deutschen Einheit und vom Public EM-Viewing 2016. Am Valentinstag standen allerdings weder Patriotismus noch Fußball auf dem Programm. Stattdessen: ein klassisches Konzert. Das Karlsruher Konzert-Duo - sie am Flügel, er am Cello - genoss hier bereit eine gewisse Bekanntheit, hatte die Deutsche Botschaft sie doch anscheinend bereits vor zwei Jahren nach Gaborone eingeladen.Und auch sonst scheinen die beiden Musiker dem Besuch ferner Länder nicht abgeneigt zu sein, der Tourplan liest sich auf jeden Fall eindrucksvoll: Im Februar sind sie innerhalb einer Woche in Angola, Namibia, Botswana und Äthiopien aufgetreten, in der Terminauflistung des letzten Jahres lassen sich auch Rio de Janeiro, Barbados, Nicaragua und New York finden.
Während ich mir noch Gedanken über das Verhältnis von Gage und Reisekosten machte, begrüßte auch schon der Botschafter das - längst nicht nur deutsche, aber überwiegend weiße - Publikum. Dann spielten die beiden los - klassische Stücke von Haydn bis Shostakovich. Wir konnten die Titel auf einem Programmblatt mitverfolgen, dennoch vermisste ich eine Begrüßung und Einordnung der Musiker. Wieso sie die Stücke so ausgewählt hatten, erschloss sich mir nicht. Gemeinsam hatten sie eine gewisse Schwermütigkeit, die insbesondere eine neben mir sitzende Freundin störte, die schließlich begann, immer öfter etwas von "Valentinstag" zu murmeln und dass sie jetzt lieber etwas fürs Herz hören würde als diese traurigen Weisen. Nach ca. einer Stunde verschwanden die Musiker hinter der Bühne und das Licht ging kurz an, aber noch bevor man sich zur Pause erhoben hatte, waren sie schon wieder da - ca. 15 Sekunden später, was das sollte, blieb unklar. Sie spielten dann noch eine halbe Stunde weiter - 90 Minuten in Moll ohne Pause fand ich schon grenzwertig (meine Freundin war inzwischen dazu übergegangen, bei jedem neuen Stück "Ach, Du großer Gott!" zu zischen). Nachdem das letzte Stück verklungen war, eilte der Botschafter auf die Bühne, um den Musikern zu danken und allen anderen einen Ausklang mit Getränken anzukündigen. Doch nun ergriff der Cellist erstmals das Wort und kündigte - angesichts des Valentinstages! - noch eine Zugabe an - "Dream of love". "Von den Scorpions?" flüsterte mir meine Freundin hoffnungsvoll zu, ich musste sie allerdings darauf hinweisen, dass die Scorpions nicht "Dream of love" sondern "Wind of change" gesungen hatten - ersteres war von Franz Liszt, wie sich dann herausstellte. Und in Moll, wie alles andere an diesem Abend.
Danach erfreuten wir uns an Riesling, Wasser und Studentenfutter und blieben nicht mehr allzu lange.



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