Wenn man sich informieren will, was in Gaborone so los ist, ist facebook das Mittel der Wahl. Darüber wurden wir auch auf Riaad Moosa aufmerksam, einen südafrikanischen Comedian, der am ersten Advent in Gaborone auftreten sollte. Er war mit zwei Kollegen als "Vorgruppen" angekündigt und wurde als ursprünglich aus der Zauberei kommender, studierter Mediziner präsentiert, der Standup-Comedy machen würde und gerade dabei wäre, die erste Comedy-Show der Welt mit medizinischen Themen vorzubereiten ... ich hatte ein enormes Déjà-vu und es war klar: Da mussten wir hin!
Beim Kartenkauf fragten wir uns allerdings, wer da wohl sonst hingehen würde: Eine Karte kostete 350,- BWP (Botswana Pula) - 30,- €; für hiesige Verhältnisse sehr viel Geld. Als wir gestern Nachmittag im hiesigen Kongresszentrum ankamen, bekamen wir die Antwort: Die Anzahl von Indern und Muslimen (oder indischen Muslimen?) im Publikum war riesig - eigentlich stellten sie das Publikum und viele schienen sich auch untereinander zu kennen. Das war ja mal spannend! Normalerweise sieht man hier kaum Inder und/oder Muslime. Wir fingen dann mal an, Riaad Moosa zu googeln - das hatten wir vor dem Kartenkauf tatsächlich nicht getan. So ist das, wenn man ausgehungert nach Kultur ist ... Es stellte sich heraus, dass Riaad Moosa in Indien geboren worden war und zu seinen Themen auch Islamfeindlichkeit, Rassismus etc. gehörten. Das war ja spannend!
In dem sehr großzügig bestuhlten und ziemlich runtergekühlten Kongresszentrum war freie Platzwahl. Auf jedem Platz lag ein KitKat, eine kleine Flasche Wasser sowie Werbeflyer der Sponsoren, dafür gab es keine Pause. Als erstes stellte sich ein Gaboroner Comedian dem Publikum, er nannte sich "Phenyo the Master". Nachdem er auf englisch gar nicht ankam, wechselte er zu Setswana, worauf immerhin mehr Leute lachten. Nach seinen englischen Witzen hatten wir allerdings nicht das Gefühl, was zu verpassen, und er war dann auch recht schnell und eigentlich kommentarlos wieder weg. Der zweite Comedian kam aus Südafrika, kokettierte mit seinem Twen- und Single-Dasein, übte Warm-Upper-mäßig die Appläuse mit uns (wir lernten, dass ein muslimisches Publikum wohl weder besonders gerne klatscht noch lacht - der Künstler, der das verkündete, war ebenfalls Muslim und musste es eigentlich wissen) und kündigte schließlich seinen Kollegen Riaad Moosa an. Der war auf jeden Fall der lustigste von den dreien - erfreulicherweise, er trat ja dann auch fast eineinhalb Stunden auf ... wie schon sein Vorgänger machte er übrigens auch ein, zwei Hitler-Witze. Die scheinen in diesem Teil der Erde immer noch in Mode zu sein. Medizinische Themen riss er eigentlich nicht an, sondern erklärte freimütig, dass von sechs Jahren Medizinstudium nicht so besonders viel hängen geblieben sei - sollte es im Saal zu einer Situation kommen, in der ein Arzt gebraucht werden würde, könnte er den Patienten allenfalls bespaßen, während dieser wegdämmerte ...
Dann erzählte er tatsächlich vor allem aus seinem Leben als Muslim, und das war schon stellenweise lustig. Wie seine Sitznachbarin im Flugzeug aufschreckt, weil er eine Mahlzeit bestellt hat, die halal ist und er zu ihr sagt: "Hallo? Ich bin noch viel aufgeregter als Sie - das ist meine letzte Mahlzeit!" Außerdem übte er sich in Trump-Parodien und erzählte einiges von seinen zwei Kindern. Ein größerer Kontext ließ sich nicht finden, aber wir fühlten uns insgesamt ganz gut unterhalten - vielleicht nicht so gut wie der Rest des Publikums, der aus Fans zu bestehen schien, aber es war okay. Und am Ende ging Riaad Moosa dann einfach - ohne Applaus, ohne Zugabe, ohne irgendwas - und eine Frau trat auf die Bühne und dankte den Sponsoren der Show - einer erstaunlichen Anzahl. Warum waren die Karten denn dann eigentlich so teuer? Statt Merchandising und Autogrammen gab es im Foyer einen Fotobooth, auf den Philip und ich aber verzichteten. Ich klaute dafür zwei Kitkats von den leeren Stühlen und dann fuhren wir nach Hause. Tja, das war also unser erster Eindruck von Comedy im südlichen Afrika. Wie sagte Philip? Speziell wir sind von Deutschland aus halt ziemlich verwöhnt.
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