"Gestern vor einem Monat bin ich in Gaborone gelandet - Zeit für eine erste Bilanz." So beginnt ein Blogeintrag von Philip. Heute kann ich diesen Anfangssatz eins zu eins übernehmen, denn nun ist es bei mir auch schon so weit. Und wie sieht meine erste Bilanz aus?
Ich kann gar nicht recht glauben, dass das jetzt schon vier Wochen waren. Mindestens die ersten eineinhalb musste ich noch sehr viel an meine Arbeit denken. Besser wurde es, als der Container ankam, es etwas für mich zu tun gab und es hier auch langsam wohnlich wurde. Inzwischen sind wir hier ganz gut eingerichtet - nicht nur, was das Haus angeht, ich habe auch raus, wo ich was einkaufe (wobei es hier generell (fast) alles gibt; aktuell sind das einzige, was wir
nicht finden konnten, gemahlene Haselnüsse und eingelegte getrocknete
Tomaten). Die Ladenöffnungszeiten haben wir allerdings immer noch nicht so richtig im Griff
... erst heute standen wir wieder um 16:30 Uhr vor verschlossenen Türen und wunderten uns.
Ein paar Restaurants und gefühlt den Großteil der Malls kenne ich inzwischen. Unser Ausflug ins Khama Rhino Sanctuary war definitiv ein Highlight. Und sonst?
Ich wurde heute gefragt, wie es sich eigentlich für uns anfühlt, "Personal" zu haben. Zweimal die Woche kommt ja Sam vorbei und kümmert sich um den Garten. Sam erscheint mir allerdings gar nicht so sehr als unser Angestellter. Zum einen vermutlich, weil wir uns mit Gartenarbeit auch in Frankfurt nicht beschäftigt haben (aus Ermangelung eines Gartens), zum anderen, weil wir Sam nicht sagen, was er tun soll - er weiß das viel besser und kennt den Garten ja auch viel länger als wir, von daher macht er hier eigentlich, was er für nötig hält und sagt zwischen 11 und 12 Uhr nur jeweils fröhlich Bescheid, dass er jetzt geht.
Brenda, unsere Maid, kommt eigentlich einmal die Woche zum sauber machen. Ich habe sie allerdings erst zweimal gesehen, und da war der Container noch nicht angekommen. Sie hat hier komplett durchgewischt und ich bin mit meinem Campingstühlchen vor ihr geflüchtet, aber in den letzten zwei Wochen war sie aufgrund von Krankheit nicht mehr da und wir sorgen uns gerade ein wenig, weil wir nun schon über eine Woche nichts mehr von ihr gehört haben.
Trotz Haushaltshilfen hat sich das häusliche Leben also bislang nicht groß verändert (außer, dass jetzt zweimal täglich abwaschen auf dem Programm steht ... wie sagte Philip damals in Deutschland zu mir: "Spülmaschinen gibt es in Afrika nur auf zwei Beinen", wobei er wohl nicht unbedingt meine zwei Beine damit meinte ...). Mit der größte Unterschied ist für mich momentan das unterwegs sein. Den Sicherheitsempfehlungen folgend lasse ich meine Handtaschen zu Hause und meine Ohrringe in der Schmuckschatulle, beides finde ich sehr schade. Selbst Armbanduhr und Ehering ziehe ich aus und habe letzteren so schon einmal verlegt - das ist mir in Frankfurt nie passiert ... und dann ist das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier für mich noch etwas undurchschaubar. Es gibt so ein Minibussystem und die Busse fahren wohl jeweils los, wenn sie voll sind ... aber darüber schreibe ich besser, wenn ich das mal ausprobiert habe.
Mein Projekt für den zweiten Monat wird nun erstmal sein, Leute kennenzulernen. Durch Philip, viele liebe Kontakte nach Hause und ein paar ziemlich gute Bücher fühle ich mich zwar nicht komplett einsam, aber es ist doch seltsam, irgendwo zu wohnen und so gut wie niemanden zu kennen. Das soll sich nun in den nächsten vier Wochen ändern!
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