Donnerstag, 26. Juli 2018

Vom Elefanten geküsst

Kürzlich hatten wir ein verlängertes Wochenende - "President's Day" -, und das nutzten wir für einen Ausflug. Hier ist weiterhin Winter, und unser nicht isoliertes und de facto nicht heizbares Haus war uns einfach zu kalt. Was lag da näher als ein kleiner Ausflug nach Südafrika? 
Eines unserer Ziele war ein "Elephant Sanctuary". Das nimmt wohl Elefanten auf, die nicht dort bleiben können, wo sie sind, und päppelt sie dann auf, um sie anschließend wieder in privaten Game Reserves auszuwildern. Das vermuten wir zumindest, denn wirklich viel zum eigentlich Schutzgebiet wurde uns leider nicht erzählt. Wir waren anfangs auch nur wenig begeistert, als wir vier Elefanten auf zwei Koppeln herumstehen sahen - ein etwas deprimierendes Bild. 
In diesem Schutzgebiet wird mit den Elefanten "gearbeitet", d.h. man versucht sie mit Futter zu belohnen und so gewünschtes Verhalten herzustellen. Da Elefanten am Tag 16 bis 20 Stunden mit Fressen beschäftigt sind und dabei 200 bis 300 kg Futter aufnehmen, sind sie immer an Essbarem interessiert. Bei manchen klappt das Trainieren schneller als bei anderen, häufig davon abhängig, wie traumatisiert die Elefanten dort ankommen.
Zwei der Elefanten wurden schließlich auf einen kleinen Platz bzw. eine Lichtung geführt, bekamen Futter auf den Boden gestreut - und dann durften wir Touris zu ihnen und sie anfassen, jeweils in Zweiergruppen und unter Aufsicht und Anleitung eines Elefantenpflegers.


Die lederige Elefenatenhaut war toll anzufassen - und anders als ich erwartet hatte auch recht warm. Die Borsten des Schwanzes fühlten sich richtiggehend drahtig an. Und als unser Elefant dann den Rüssel hochnehmen sollte, durften wir auch in sein Maul schauen.


Sechs Mal erneuern sich die Kauleisten eines Elefanten während seines Lebens. Wenn die sechste Kauleiste verbraucht ist, verbringen die Elefanten - sofern ihr Lebensraum das möglich macht - viel Zeit am Ufer von Flüssen und Seen, wo sie weichere, leichter verdaubare Gräser fressen. Irgendwann sterben sie dann, weil sie letztlich keine Nahrung mehr kauen können und so verhungern. Dieser Elefant war allerdings erst 17 Jahre alt und hat hoffentlich noch ein langes Leben vor sich!
Schließlich wurden wir auch noch vom Elefanten geküsst. Eine feucht-fröhliche Erfahrung. Glücklicherweise war ein Waschbecken mit Wasser nicht weit ... Aus Diskretionsgründen wurde wohl bei diesem Bild nicht weiter herangezoomt: 


Ein wenig später durften wir noch die zwei anderen Elefanten füttern: Mit beiden Händen eine Schüssel formen, in einem Eimer voll Futterpellets die Hände voll machen, dann über dem Rüssel ausschütten. Die Elefanten hat's sichtlich gefreut, sie waren richtige Nimmersatts. 


Zum Abschluss gingen wir dann noch je mit einem Elefanten auf der Koppel spazieren. Mit der Hand am Rüssel ließen sich die Elefanten herumführen und wurden anschließend mit einer Möhre oder Orange belohnt. 


Es ist eine irre Erfahrung, so auf Tuchfühlung mit diesen riesigen, sanften Tieren zu gehen, sie anzufassen, zu streicheln und zu füttern. Wir hatten natürlich eine Menge Respekt vor ihnen - was hätte ein Rüsselschlag oder ein Tritt mit ihren Füßen anrichten können! Es war auf jeden Fall noch einmal ein ganz anderes Erlebnis als das Beobachten der Tiere während einer Safari. Wie das "Elephant Sanctuary" nun wirklich arbeitet, hat sich uns nicht erschlossen. Deutlich wurde, dass sie sich stark über die Eintrittsgelder der Touristen finanzieren - wenn sie dadurch einerseits ein paar Elefanten aus prekärem Umfeld retten können und andererseits Touristen die Lebewesen Elefanten näher bringen können, dann kann es doch keine ganz schlechte Einrichtung sein?

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