Soweto hat angeblich 4,5 Mio Einwohner - das ist gerade mal doppelt so viel wie ganz Botswana; doch etwas andere Dimensionen. Und Soweto als ehemaliges Township von Johannesburg ist durchaus nicht nur eine Wellblechhütte an der anderen - es gibt dort genauso Villenviertel wie Viertel mit Häusern ohne Wasseranschluss; ein Ort der Gegensätze. Unser Führer meinte, dass Soweto viel sicherer sei als Johannesburg, weil jeder jeden kenne (bei 4,5 Mio Einwohnern?) - und wenn einer Mist baue, dann werde er eben gelyncht; wir waren uns nicht so ganz sicher, ob Selbstjustiz wirklich so praktisch ist, auch wenn es die Kriminalitätsrate drücken mag.
Wir wurden mit einem Minibus durch Soweto gefahren, konnten an ein paar Stellen aussteigen und uns umsehen. Das Kohlekraftwerk wurde vor wenigen Jahren stillgelegt, um die Luftqualität zu verbessern; die Kühltürme wurden von einem Sponsor bunt angemalt - und heute kann man dort Bungeespringen. Wir haben das nicht ausprobiert.
Dafür sind wir an Mandelas Haus vorbeigefahren (bis vor kurzem ein Museum, heute leer), an Denkmälern zur Apartheitsgeschichte;
an einer Kirche, die während der Apartheid eine wichtige Rolle als Versammlungsort spielte (und bis zu 3500 Menschen Platz bieten soll), etc.
Am nächsten Tag besuchten wir dann das Apartheitsmuseum, das quasi zwischen Johannesburg und Soweto liegt. Ein imposantes Gebäude, das auch museumspädagogisch modern und interessant aufgemacht ist.
Die Eintrittskarte, die man an der Kasse erhält, sortiert einen erst einmal nach "weiß" und "schwarz" und dementsprechend muss man dann auch durch den entsprechenden Eingang ins Museum gehen.
Wir erhielten einen kurzen Abriss über die Historie Johannesburgs (Goldgräberstadt!), die eigentliche Ausstellung ging dann mit einer Geschichte Sowetos los, dessen erste Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Ich fand die Ausstellung gut gemacht, auch mit vielen Bildern - sie führte mir allerdings auch vor Augen, was ich alles nicht wusste über die Apartheid. Denn ich hatte das Gefühl, dass viele Themen nur angerissen wurden oder Vorwissen vorausgesetzt wurde, manchmal meinte ich Zeitsprünge zu entdecken - und so tat ich mich doch mit der Einordnung in einen Gesamtkontext gelegentlich etwas schwer. Mit jetzt etwas mehr Vorwissen würde es sich sicher lohnen, das Museum noch ein zweites Mal zu besuchen, denn bei unserem Besuch haben wir uns längst nicht alle Exponate und Filme detailliert angesehen, verbrachten aber dennoch eindrückliche zweieinhalb Stunden in der Ausstellung - irgendwann ist man eben auch einfach nicht mehr so aufnahmefähig.





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