Es gibt so Themen, mit denen will man sich eigentlich gar nicht beschäftigen. Dazu gehört z.B., was passiert, wenn man krank wird und schnell ärztliche Hilfe benötigt. In Deutschland wählt man dann die 112. In Botswana ... nun ja. In Gaborone ließe sich sicherlich irgendwie ein Krankenwagen auftreiben. Aber was passiert eigentlich, wenn man mal wieder irgendwo in der Pampa ist? Womöglich in einer Gegend ohne Mobilfunknetz? (Ich tippe einfach mal, dass der weitaus größte Teil Botswanas keine Netzabdeckung hat, weil zu dünn bis gar nicht besiedelt). Erfahrene "Traveller" sind in solchen Fällen mit Satellitentelefon unterwegs (die man wohl hier sogar für solche Ausflüge leihen kann, wie ich gehört habe); außerdem sollte man in abgelegenen Gebieten eigentlich immer gleich in einem Konvoi mit mindestens zwei Fahrzeugen unterwegs sein.
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...
Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.
Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!
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