Zu Weihnachten 2016 bekamen Philip und ich von meiner Mutter einen Tagesabreisskalender geschenkt: "Der große Deutschland-Test 2017" vom Harenberg Verlag war als Gag für uns "Auswanderer" gemeint, wuchs uns jedoch schnell ans Herz. Jeden Morgen beim Frühstück widmeten wir uns einer Deutschland-Frage, einige davon stammten sogar aus dem Einbürgerungstest. Diese konnten wir glücklicherweise immer beantworten, mit anderen Fragen waren wir aber nicht so erfolgreich. Skurrile Volksfeste, maximal regional bekannte Denkmäler, nie gehörte Dialekte - nichts blieb uns erspart! Von Joachim Gaucks Geburtsort über die giftigste Pflanze Europas bis hin zu Ludwig van Beethovens einziger Oper - wir wussten, rieten und lernten. Ab und an gab es immerhin drei Auswahlmöglichkeiten, so dass wir manchmal auch bloße Zufallstreffer landeten.
Am Ende des Kalenders gab es eine Ankreuztabelle, in die ich jeden Morgen gewissenhaft eintrug, ob einer von uns (oder sogar beide) die richtige Antwort gewusst hatte(n). Waren wir auf Reisen, kam der Kalender nicht zum Einsatz - um so schöner war es dann, bei späteren Frühstücken gleich mehrere Fragen auf einmal beantworten zu können. Und da sich auf der Rückseite des jeweiligen Kalenderblattes immer eine ausführliche Erklärung zur Auflösung befand, lernten wir hier und da auch noch etwas dazu. (Wobei ich zugegebenermaßen auch vieles gleich wieder vergessen habe. Gaucks Geburtsort ist übrigens Rostock, die giftigste Pflanze Europas Eisenhut und Beethovens einzige Oper Fidelio.)
Anfang diesen Jahres, als wir nach unserem Heimaturlaub zurück nach
Botswana kamen, schlug dann die Stunde der Wahrheit: Ich zählte die
Summe unserer richtigen Antworten zur Jahresauswertung zusammen. Das
Ergebnis war - ernüchternd. Philip hatte ein paar Treffer mehr als ich
gelandet, aber wir fanden uns in der selben Kategorie wieder, deren Text
mit den Worten: "Schade! Das können Sie bestimmt noch besser!" begann.
Im Weiteren wurde uns der Kauf des 2018er Kalender ans Herz gelegt, den
wir uns natürlich schon zu Weihnachten hatten schenken lassen. Und so
sitzen wir auch dieses Jahr wieder rätselnd beim Frühstück. Gestern
wurde übrigens nach dem Wahlspruch der deutschen Turner gefragt.
Während Philip "Hoch auf den Barren" mutmaßte, meinte ich, "Turne bis
zur Urne" zumindest schon mal gehört zu haben. Er lautete dann
allerdings "Frisch, fromm, fröhlich, frei". Heute konnten wir dann aber
wieder beide einen Punkt landen. Neuer Morgen, neues Glück - und das
Jahr ist ja noch jung ...
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