Unser Heimaturlaub ist mal wieder wie im Flug vergangen. Und wie immer stand genau das an seinem Ende: Ein Flug. Unsere Rückflüge nach Gaborone sind generell eine nervenaufreibende Angelegenheit. Nach all den vorangegangenen Abschieden und letzten Erledigungen kommen wir in der Regel schon leicht bis mittelmäßig gestresst am Flughafen an - und da beginnt dann das immer gleiche Programm, das sich für mich wie ein Hindernislauf anfühlt. Da nützt es auch nichts, einen Flugstreber an seiner Seite zu haben ...
- Erster Bibbermoment: Check-In. Wie schwer sind unsere Koffer diesmal? Denn schwer sind sie immer, wenn wir Deutschland wieder verlassen ... vor einem halben Jahr hat uns South African Airways zusammen 8 kg Übergepäck durchgehen lassen, was sehr, sehr nett war, aber man kann sich ja kaum darauf verlassen, ein zweites Mal so viel Glück zu haben. Zusätzlich zittere ich immer noch, dass mein Handgepäck gewogen werden könnte. Mein Rucksack sieht harmlos aus, enthält aber in der Regel meinen Laptop sowie das ein oder andere Buch und wiegt ungefähr soviel wie die gut zweijährige Tochter einer Freundin, was letztere mir im Dezember ungläubig staunend attestierte. Und ja, ich packe wirklich nur das Nötigste rein!
- Zweiter Bibbermoment: Zoll. Wir lassen uns unsere Koffer nach dem Check-In immer wiedergeben und gehen als nächstes zum Zoll. Da wir im Ausland leben, können wir uns einen Teil der Mehrwertsteuer für unsere Einkäufe erstatten lassen. Dafür muss der Zoll bestätigen, dass wir diese Einkäufe auch tatsächlich ausführen. Wir legen also unsere Kaufbelege vor und müssen dann gegebenenfalls unsere Koffer öffnen, um die Einkäufe vorzuzeigen. Wie genau der einzelne Zollbeamte das handhabt, ist unterschiedlich. Aber es ist in jedem Fall kein schönes Gefühl, den vollgepackten Koffer eventuell noch mal öffnen zu müssen ... zumal wir die Neuware niemals gesammelt nach ganz oben packen. Siehe unten, ebenfalls bei "Zoll" ...
- Dritter Bibbermoment: Gepäckaufgabe. Neben dem Zoll können wir unsere ja bereits eingecheckten Koffer dann abgeben. In der Regel steht einfach ein leerer Gepäckwagen rum, auf dem man seine Sachen dann stehen lassen soll. Ich finde es meist wenig vertrauenserweckend, meinen Koffer unbeaufsichtigt zurückzulassen und war diesmal positiv überrascht: An Terminal 2 des Frankfurter Flughafens wird der Koffer von jemandem entgegen genommen, der ihn gleich auf ein extra Gepäckförderband stellt. Ein Bibbermoment weniger ...
Flug und Umsteigen gestalten sich in der Regel problemlos und auch diesmal mit Air Namibia über Windhoek gab es keinerlei Schwierigkeiten. Weitere Bibbermomente folgten deswegen erst wieder bei der Ankunft in Gaborone.
- Vierter Bibbermoment: Immigration. Bei der Passkontrolle weisen wir uns als Einwohner Botswanas aus. Allerdings ist unsere Aufenthaltsgenehmigung im Dezember abgelaufen und die neue noch in Arbeit. Philip kann den Herrn am Schalter erfreulich schnell davon überzeugen, uns trotzdem ins Land zu lassen: Schließlich dürfen sich auch deutsche Touristen bis zu 90 Tagen im Jahr ohne Visum etc. in Botswana aufhalten. Klingt nach einem guten Argument, aber dennoch: Das hätte auch kompliziert werden können, da wir ja nicht als Touristen einreisten ...
- Fünfter Bibbermoment: Gepäckband. Sind die Koffer da? Nachdem Philips Koffer erst zur Halbzeit seines Heimaturlaubs bei ihm ankam, sind wir da nun noch zusätzlich sensibilisiert.
- Sechster Bibbermoment: Schon wieder Zoll. Der botswanische Zoll interessiert sich - im Gegensatz zum deutschen - in der Regel für den Inhalt unserer Koffer. Er fahndet nach Neuware. Übersteigt diese einen gewissen Wert, wird darauf Zoll erhoben - wobei der Zoll den Wert schätzt, wenn man keine Quittungen vorweisen kann. Wir haben schon erlebt, wie der Koffer eines Inders systematisch auseinandergenommen wurde. Unter anderem wurden Kleidung und Schuhsohlen gründlich auf Gebrauchsspuren untersucht. Was das angeht, machen wir uns keine großen Sorgen, haben aber nach Deutschlandbesuchen meist Bücher, DVDs und auch ein paar Lebensmittel im Gepäck und nach unseren bisherigen Erfahrungen den Eindruck, dass der Zoll eher willkürlich reagiert. Die Käsestücke in unseren Koffern, die wir anfangs am problematischsten einschätzten, hat er dafür schon einmal ignoriert. Aber man weiß ja nie, an wen man gerät ...
Meine Hoffnung, am Zoll durchzukommen ohne zu zahlen, mag nach fehlendem Unrechtsbewusstsein klingen. Und tatsächlich habe ich an dieser Stelle keins. Wir führen vor allem die Neuwaren ein, die wir in Botswana nicht bekommen, und wenn ich beispielsweise auf mir geschenkte deutschsprachige Bücher Zoll zahlen müsste, fände ich das äußerst unfair. Aber wir haben wieder Glück und werden einfach durchgewunken.
Auch wenn die Rückreise erfreulich problemlos verlief, gestalten sich die Hinflüge nach Deutschland in jeder Hinsicht entspannter. Unsere Koffer sind in der Regel nicht so schwer, dass wir uns Sorgen machen, in Deutschland werden wir als Bundesbürger freundlich begrüßt, ohne Formulare ausfüllen und Aufenthaltsgenehmigungen vorzeigen zu müssen und unsere paar botswanischen Mitbringsel interessieren den deutschen Zoll nicht.
Trotz aller Bibbermomente hat die Ankunft in Gaborone aber auch ihre schönen Seiten: Wenn sich die botswanischen Flughafenmitarbeiter freuen, von uns Ausländern auf Setswana mit "Dumela Ra" begrüßt zu werden, fühlt sich das gleich nach nach-Hause-Kommen an.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen