Donnerstag, 14. Februar 2019

Abschiedsparty

Unsere Zeit in Botswana nähert sich dem Ende - immer schneller und schneller. Und so liegen inzwischen bereits zwei von drei Abschiedspartys hinter uns. Letzte Woche Dienstag hatten wir Philips Mitarbeiter mit Partnern zu uns eingeladen. Philip grillte, ich hatte Salate gemacht und es war ein sehr vergnügter Abend, bei dem vor allem der Projektfahrer ungeahnte Entertainer-Qualitäten bewies.
Insgesamt waren wir zu elft, eine sehr gut händelbare Anzahl von Gästen. Abschiedsparty Nummer zwei sollte jedoch größer sein, war sie doch als unsere "richtige" Abschiedsparty geplant, zu der wir unsere Freunde einladen wollten. Da wir mit um die 30 Gästen rechneten, entschieden wir uns hier erstmals, ein Catering zu bestellen. Wir waren letztes Jahr auf einer Party bei Freunden, die sich das Büffet von einer Deutschen namens Heidi hatten liefern lassen. Heidi betreibt ca. 20 km außerhalb von Gaborone einen Ponyhof mit angeschlossenem Café und ist gerade dabei, ihren Restaurantbetrieb auszubauen. Sie richtet auch Kindergeburtstage dort aus und als wir vor fast drei Wochen zu einem eingeladen waren, engagierte ich sie für unsere Abschiedsparty. Schließlich stellten wir auch noch fest, dass sie Rheinbacherin ist (dort bin ich aufs Gymnasium gegangen) und ihr Ex-Mann der Sohn meiner alten Schulsekretärin, die im gleichen Dorf wie ich wohnte ... die Welt ist klein! Wenn ich in Rheinbach jemanden aus Rheinbach treffe, ist da keine größere Verbundenheit. In Botswana hingegen fühlt es sich schon fast nach Verwandtschaft an.

Also fuhr ich ein paar Tage später wieder nach Notwane, um mit Heidi das Büffet durchzusprechen. Im Gepäck hatte ich einen Eimer mit vier Fröschen, die Philip aus unserem Swimmingpool und unser Nachbar aus seinem Teich gefischt hatte, wegen akuter Lärmbelästigung. Ich setzte sie - mit Heidis Einverständnis - in deren Teich aus, dann planten wir mit ihrem neuen, indischstämmigen Koch das Essen. Heidi bot für das Büffet unterschiedlich gefüllte Wraps an sowie Kartoffelsalat und Frikadellen, er schlug zusätzlich indisch zubereiteten Blumenkohl und Brokkoli vor, Chicken Wings in Barbecuesauce sowie indische Kartoffelbällchen. Als Nachtisch beschlossen wir Obstspieße und Tiramisu und schon stand das deutsch-indische Büffet. Heidi bot noch an, mir Wassergläser und Tische auszuleihen, die sie dann auch schon vorab vorbeibrachte. Unter anderem lieh sie uns zwei sogenannte "Bierkreuze" aus, kreuzförmige Stehtische, die zum Erfolg unserer Party tatsächlich maßgeblich beitrugen.

Heidi hatte mir auch geraten, zwei Maids für den Abend zu engagieren; eine sollte abspülen, eine leere Flaschen, Gläser und Teller einsammeln. Da unsere Maid Patricia sehr weit außerhalb wohnt, engagierte ich die von Freunden mit ihrer Mutter. Sie sollten gegen 17:30 Uhr da sein - auch ein Tipp von Heidi, damit sie in jedem Fall vor Ort wären, wenn das Essen gegen 18 Uhr geliefert werden würde. Die Maids waren dann auch sehr pünktlich, das Essen weniger - es kam erst kurz nach 19 Uhr und damit nach den ersten Gästen. Es wird mir im Gedächtnis bleiben, wie die beiden Helferinnen vorab arbeitslos in unserem Wohnzimmer saßen und die Ältere anfing, mit den Armen zu Totos "Africa" mitzugrooven, das natürlich auf unserer Abschieds-Playlist stand.

Da wir die Tische bereits im Vorfeld aufgebaut hatten und auch Teller und Besteck schon bereitlegen konnten (wir hatten uns von einer Freundin zusätzliches ausgeliehen), musste das Essen nur noch im Wohnzimmer bereitgestellt werden, während sich die ersten Gäste schon im Garten unterhielten. Die Getränke hatten wir selbst besorgt und in Kühlboxen auf die Terrasse gestellt. Unser Gärtner Sam fungierte als Parkplatzwächter und saß in einem unserer Campingstühle vor dem Haus. Jetzt konnte die Party beginnen - und das tat sie! Unsere Gäste saßen auf der Terrasse oder standen an den Bierkreuzen auf unserem Kunstrasen, die sehr halfen, dass sich die Leute mischten. Wir hatten den Eindruck, dass sich sämtliche Konstellationen bestens unterhielten. Die einzigen, die eher gelangweilt wirkten, waren meine 11- und 13-jährigen serbischen Deutschschülerinnen, was aber abzusehen gewesen war. Sie hatten mich im Vorfeld gefragt gehabt, ob es Süßigkeiten geben würde, und nachdem ich ihnen ein Tellerchen vorbereitet und sie außerdem mit dem WLAN-Passwort versorgt hatte, wurde der Abend für sie einigermaßen erträglich. Ihre Mutter hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, lange zu bleiben, zumal ihr Mann krank zu Hause geblieben war, war aber dann immens gefragt: Da Olga Pianistin ist, hatte ich schon einen Freund von uns auf sie angesetzt, der sein Klavier verkaufen wollte; überdies vermietet ihre Familie ein Haus, an dem eventuell ein anderer Kollege von Philip Interesse hat. Auch die Freundin, die den Deutschunterricht von mir übernehmen wird, war mit Verlobtem und Eltern zugegen - unser einziger Gast, der außer Philip und mir eigentlich niemanden kannte, war also fast der Gefragteste! Aber auch sonst wurden neue Bekanntschaften geschlossen, eine Schnapsflasche leergetrunken und sogar eine Schildkröte weitervermittelt.


Philip und ich wurden reich beschenkt mit Kissenbezügen und einer Tischdecke, die wir uns zuvor bei Botswana Craft ausgesucht hatten. Es gab auch eine kleine Rede und ein Gruppenfoto und ich erinnerte mich an unsere Einweihungsparty, die zwar nett gewesen war, auf der ich aber so gut wie niemanden gekannt hatte, weil wir ja noch ziemlich neu im Land gewesen waren. Der Unterschied hätte kaum größer sein können. Von den Gästen unserer Einweihungsparty war tatsächlich kein einziger auf unserer Abschiedsparty: Mit einigen ergab sich später kaum Kontakt, andere, die wir sonst gerne eingeladen hätten, haben inzwischen das Land verlassen. Aber auf unserer Abschiedsparty waren auch viele "Neuankömmlinge", also Freunde, die in den letzten drei Jahren erst nach uns in Gaborone angekommen sind. Unser Start in Botswana war nicht ganz einfach und der Abschied wird es leider auch nicht werden, denn viele liebe Menschen werden uns fehlen.

Apropos fehlen: Was an diesem Abend in keinster Weise fehlte, war das Essen! Vom Kartoffelsalat, den Chicken Wings und dem Tiramisu wurde maximal ein Drittel gegessen. Ich bot den Maids an, sich Carepakete einzupacken und versorgte nicht nur unseren Gärtner mit Essen, sondern auch den Wachmann von gegenüber, mit dem er sich im Laufe des Abends angefreundet hatte (die Essensversorgung war eventuell eine ungeahnte Investition in die Zukunft - dazu mehr im nächsten Blogeintrag). Gegen Mitternacht rief ich für Sam und die beiden Damen noch Taxen, dann saßen wir mit den letzten Freunden noch bis nach 1 Uhr zusammen - für Gaboroner Verhältnisse ist das krass lang!

Montag, 11. Februar 2019

Geparden-Jagd

Schon im letzten Blogeintrag zu den Erdmännchen hatten wir ja teilweise aus dem Kgalagadi Transfrontier Park berichtet, den wir in der Woche vor Weihnachten unsicher machten. Es ist ein grenzüberschreitender Nationalpark im Dreiländereck Südafrika-Botswana-Namibia, wobei wir uns entschlossen, diesmal von der südafrikanischen Seite hineinzufahren. Im Kgalagadi Transfrontier Park kann man mit dem eigenen Auto herumfahren (und bei Bedarf auch geführte Game Drives in Safari-Fahrzeugen buchen). Noch von unseren Erlebnissen in der botswanischen Sektion von vor eineinhalb Jahren geprägt, erwarteten wir im Nationalpark eher schöne Landschaften als viele Tiere. Stattdessen machten wir die erfolgreichsten selbst gefahrenen Game Drives unseres Aufenthalts im südlichen Afrika: Erstmals sahen wir ohne Guide vom eigenen Auto aus Löwen, Geparden, Erdmännchen, Hyänen, etc. Wir waren begeistert.
Sehr beeindruckt hat uns insbesondere die Beobachtung von Geparden. Den ersten trafen wir direkt neben der Staubpiste liegend an. Das allein fanden wir schon beeindruckend, so nah - und Geparden sind einfach faszinierende Tiere.


Wir warteten ein wenig ab, um zu schauen, ob er sich noch irgendwie bewegen würde. Während wir so im Auto saßen, ließen wir unsere Blicke auch in die Umgebung schweifen. Und sahen plötzlich auf einem Hügel, ca. 300m entfernt, eine weitere Katze auf der Kuppe sitzen und in unsere Richtung schauen.


Es dauerte ein wenig, dann wurden aus der einen Katze auf dem Hügel zwei, um genau zu sein zwei weitere Geparden. Sie machten sich schließlich auf den Weg nach unten.


Der Gepard neben der Straße wurde - je näher seine Artgenossen kamen - sichtlich unruhiger, und versteckte sich schließlich sogar im Gebüsch, für uns gerade noch sichtbar. Die beiden anderen Geparden kamen unablässig näher, spannten ihre Muskeln an und hielten deutlich erkennbar Ausschau nach ihm.



Sie suchten schließlich das Gebüsch ab, in dem sie den ersten Geparden richtig vermuteten. Sobald dieser erkannte, dass seine Entdeckung unausweichlich war, gab er Laute von sich, fast wie ein Maunzen - es waren wohl Unterwerfungslaute. Die beiden Geparden schlichen sich die letzten Meter an, dann stürzte sich der erste von ihnen auf den versteckten.


Das ging so schnell, dass wir das, was passierte, fast besser im Nachhinein auf dem Foto sahen als in Realität. Nach dem Sprung über den Geparden und weiterer Maunzlaute von ihm ließen die beiden dominanten Geparden wieder von ihrem Opfer ab und markierten ihr Revier direkt an dem Busch, in dem der kleinere Gepard sich versteckt hatte.


Dann zogen die dominanten Geparden wieder ab, hinauf auf ihren Hügel. Unser "erster" Gepard setzte sich wieder auf wie zuvor und es schien fast, als würde er über die vielen Autos staunen, die mittlerweile angehalten hatten, um das Spektakel zu beobachten.


Für uns war die Situation faszinierend: Selten (fast nie?) hatten wir bisher die Chance, Tiere in solcher Interaktion zu sehen. Häufig laufen, stehen oder liegen sie einfach herum - um so schöner war es für uns, dass wir dieses Erlebnis noch mitnehmen konnten.

Freitag, 8. Februar 2019

Erforscht und beobachtet: Die große Buddelei

Erwähnten wir schon, dass wir Auftragsschreiber sind? Wallis jüngster Blogeintrag zur Auswahl der Umzugsfirma war ja wie geschrieben eingefordert worden. Und außerdem wurde uns gesagt, dass wir Botswana nicht verlassen dürften, ohne nicht mindestens einen Blogeintrag zu Erdmännchen zu schreiben (wobei - wir stellten gerade fest, dass wir ja schon einmal einen Blogeintrag zu Erdmännchen 2016 geschrieben haben - na, dann gibt es eben noch einen). Voilà:

In der Woche vor Weihnachten machten wir unseren voraussichtlich letzten größeren Urlaub im südlichen Afrika, genauer gesagt in Südafrika. Nach 700 km Fahrt von Gaborone aus war unser erster Stopp beim "Kalahari Meerkat Project", einem Erdmännchen-Forschungsprojekt, das dadurch bekannt wurde, dass hier wohl mal in der Erdmännchen-Szene berühmte Filme über Erdmännchen gedreht wurden. Nach einer Campingnacht ging es am nächsten Morgen früh los: Geführt von einer Freiwilligen positionierten wir uns bereits vor Sonnenaufgang vor einem Erdmännchen-Bau. Pünktlich zum Sonnenaufgang schaute ein Erdmännchen heraus und sondierte die Lage, kurz darauf kamen die weiteren Tiere der Gruppe.


Unsere Führerin war eine Engländerin, die als Freiwillige ein Jahr lang hier forscht bzw. Forscher durch die Feldarbeit unterstützt: Jeden Morgen steht sie vor Sonnenaufgang auf, um für einige Stunden Erdmännchen zu beobachten, bis die sich gegen 10 Uhr in ihren Bau zurückziehen, weil es zu heiß wird. Wie ist ihr Sozialverhalten? Wie verständigen sie sich? Wie ist ihre Gewichtszu- oder -abnahme? All das wird dokumentiert.


An dem Morgen, an dem wir da waren, sollte ein Tier gewogen werden, das klappte jedoch nicht so ganz. Das dominante Weibchen hatte seit dem letzten Besuch bei der Gruppe zwei Tage zuvor offenbar Junge bekommen - diese blieben jedoch leider im Bau und waren für uns daher nicht sichtbar.
Dafür beobachteten wir die Gruppe, wie sie zunächst etwas Ausschau hielt, und dann zielstrebig in eine Richtung losdüste, um 50 Meter weiter damit anzufangen, im Boden nach Skorpionen zu buddeln. Es hielt sie allerdings nicht lange an einem Ort, sie zogen dabei stetig weiter.


Wir beobachteten die Erdmännchen eine Weile im Licht der aufgehenden Sonne, bis die Visite schließlich nach einer halben Stunde vorbei war. Es war ein Sonntagmorgen, da bleiben auch die Freiwilligen nicht so lange bei der Gruppe.


Unser Urlaub führte uns anschließend in den Kgalagadi Transfrontier Park, einen grenzüberschreitenden Park auf südafrikanischem, botswanischem und namibianischem Gebiet. Wir hatten uns die südafrikanische Seite vorgenommen (nachdem wir vor anderthalb Jahren schon einmal auf botswanischer Seite waren) - und wurden nicht enttäuscht. Einer der vielen Höhepunkte: Am zweiten Tag unseres Aufenthalts fanden wir zufällig eine Erdmännchen-Gruppe, die sich direkt neben der Straße aufhielt und nach Nahrung buddelte. Erdmännchen hatten wir noch nie in freier Wildbahn gesehen, ohne dass uns ein eigener Erdmännchen-Führer hingeführt hätte. Auch diese Gruppe ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören und buddelte eifrig weiter - einfach süß!




Freitag, 1. Februar 2019

Die Entscheidung für eine Umzugsfirma

Als wir in Deutschland waren, sprach uns eine Freundin auf unseren Blogbeitrag zu den von uns angefragten Umzugsfirmen an, der einen Cliffhanger enthalten würde, den wir nie aufgelöst hätten. Ich habe ihn gerade nochmal gelesen und musste feststellen: Sie hat völlig Recht. Dabei bietet das Thema "angefragte Umzugsfirmen" inzwischen genug Stoff für einen weiteren Blogbeitrag. Zeit, dass ich diesen schreibe ...
Was bisher geschah: Pelo von Umzugsfirma Nummer eins kaufte mir mein altes Damenrad ab und bat mich, ihm den Preis von Philips Fahrrad, den ich nicht spontan wusste, zu whatsAppen. Das tat ich, und das war auch unser letzter Kontakt. Es irritiert mich ein bisschen, dass er zwar Raum für Raum mit seinem Tablet abfotografiert hat, es aber noch nicht mal schaffte, mir ein Angebot zu schicken. Auf der anderen Seite war er schon vom Auftreten her der Unprofessionellste, weswegen ich sein Unternehmen gedanklich eh schon ausgeschlossen hatte. Umzugsfirma eins war damit schnell raus.

Umzugsfirma vier hat es allerdings auch nicht geschafft, ohne nochmalige Aufforderung ein Angebot zu schicken. Ihr Vertreter war noch gar nicht bei uns gewesen, als ich den letzten Blogbeitrag zu dem Thema schrieb. Aber nachdem ich von mehreren Seiten hörte, dass dieses international operierende Unternehmen auch zu den besten gehörte, rief ich dort an, worauf ein junger Mitarbeiter vorbeikam, der passenderweise Kago hieß (spricht sich aus wie "Cargo" - Frachtgut). Kago war neben dem letzten Rhodesier von Umzugsfirma drei (siehe letzter Blogbeitrag zu dem Thema) der einzige, der gar keine Anstalten machte, mir etwas abkaufen zu wollen. Das fand ich gut. Er machte zwar ein paar Bemerkungen über Frauen und wie viele Schuhe sie brauchen und mutmaßte wegen des bunten Chaos in unserem Arbeitszimmer, dass wir offensichtlich Kinder hätten, aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten kamen wir gut miteinander zurecht. Kago erkundigte sich außerdem, ob Frankfurt in der Nähe von Koblenz wäre - seine Firma hat dort ihren deutschen Sitz.
Dass ich nach seinem Besuch gar nicht mehr von Kago hörte, verwunderte mich. Zugegebenermaßen hatte er während unseres Südafrika-Urlaubs vor Weihnachten mal versucht, mich anzurufen, aber es kam weder eine Mail noch ein Angebot. Weil er sonst einen passablen Eindruck gemacht hatte, fragte ich Anfang Januar nach, worauf offensichtlich sein Chef antwortete mit Rückfragen zu unserem Umzug nach Koblenz ... irgendwie waren die Eckpunkte unserer Anfrage verlorengegangen, unter anderem der Ort. Schriftlich ließ sich aber alles klären und schließlich schrieb mir tatsächlich auch noch jemand vom deutschen Unternehmenssitz in Koblenz, der sich als zukünftiger Ansprechpartner vorstellte. Das war nett, aber tatsächlich sind mir die Fähigkeiten meines botswanischen Ansprechpartners momentan wichtiger, da ich den Eindruck bekommen habe, dass das Niveau der Umzugsfirmen hier sehr unterschiedlich ist. Und falls hier irgendwas nicht klappt, glaube ich nicht, dass irgendjemand in Koblenz groß Einfluss nehmen kann ...

Ständig in Kontakt war ich auch noch mit Lebo von Umzugsfirma Nummer drei. Lebo, die mir bereits einen Klappstuhl und unseren Campingtisch für ihr mobiles Nagelstudio abgekauft hatte. Sie hatte außerdem größeres Interesse an meinem alten IKEA-Schrank mit Nachttischchen und begeisterte außerdem noch eine Freundin für Philips großen PAX-Schrank. Auch sie kontaktierte mich während unseres Südafrika-Urlaubs wegen der Abholung der Schränke und kam dann an unserem Abflugtag in den Heimaturlaub noch vorbei, allerdings ohne jede Transportmöglichkeit. Also machte sie einfach nochmal Fotos von den Schränken und wir verschoben den Rest aufs neue Jahr.
Nach unserer Rückkehr aus Deutschland machte ich Lebo dann Terminvorschläge zur Schrankabholung, die sie zwar zur Kenntnis nahm, sich aber nicht äußerte, welchen sie nehmen wollte. Mir war dagegen schon an einem festen Termin gelegen, wir wollten ja nicht das ganze Wochenende auf Verdacht zu Hause rumsitzen. Die Kommunikation war nicht ganz einfach - würde sie bezüglich unseres Umzugs anders laufen, wenn wir diese Firma nehmen würden? Wir hatten unsere Zweifel.
Noch größere Zweifel bekamen wir allerdings, als Lebos Freundin am Sonntagmittag mit ihrem Schwager vor unserer Tür stand. Man muss dazu sagen, dass Umzugsfirma Nummer drei uns einen Spezialpreis vorgeschlagen hatte, falls unser Umzug nur das vereinbarte Volumen hätte. Heißt: Lebo hatte bei der Betrachtung unseres Hausstands ermittelt, wie viele Kisten gepackt werden müssten und welches Volumen unser Umzugsgut hätte. Das darauf basierende Angebot war besonders günstig, würde sich aber schnell verteuern, falls es doch mehr werden sollte. Tja. Lebos Freunde standen nun mit einem Pickup vor der Tür, bei dessen Anblick sofort klar war, dass da niemals zwei Schränke drauf passen würden. Der Schwager von Lebos Freundin begann mit Philips Hilfe gleich hochmotiviert mit dem Abbau des PAX-Schranks. Würde dieser überhaupt auf das Auto passen? Wir waren gespannt.

Ich rief während des Abbaus Lebo an, die angeblich das Geld für beide Schränke hätte. Dabei stellte sich heraus, dass sie in einem Café im nahegelegenen Einkaufszentrum Game City saß um auf ihre Freunde zu warten. Sie sagte, sie wären da verabredet gewesen, aber die Freunde waren nicht aufgetaucht, sondern offensichtlich direkt zu uns gefahren - vielleicht doch schon in der Annahme, dass eh nur ihr Schrank auf das Auto passen würde? Miteinander kommuniziert hatten sie nicht, weil sie kein Prepaid-Guthaben mehr auf ihren Handys hatten. Als Lebo schließlich ankam, war auf jeden Fall der Schrank ihrer Freunde schon fast abgebaut und klar, dass ihrer nicht mittransportiert werden könnte. Sie war nicht glücklich. Eine zweite Fahrt kam für sie an dem Tag nicht mehr infrage, da sie gar nicht mehr genug Geld für Benzin hätten (Lebo und ihre Freunde leben in Ramotswa, ca. 20 km außerhalb). Ich gab ihr zum Trost immerhin das Nachttischchen mit. Philip und ich staunten, wie der Schwager ihrer Freundin versuchte, den Schrank zu sichern ("Meinst Du wirklich, das kann so heil ankommen?" "Nicht mehr unser Problem ..."). Und dann fuhren sie los ...




... und kamen heil an! Zumindest berichtete uns das Lebos Freundin, als sie am Dienstag wiederkam, um Lebos Schrank abzuholen. Mit einem anderen Mann und einem anderen Auto, wo mein alter kleiner Schrank aufrecht stehend transportiert wurde. Die Ladefläche war vorher schon mit Zementsäcken und einer Badewanne beladen, die dann zur Stütze links und rechts genutzt wurden.


Was soll ich sagen - was Kommunikation im Vorfeld und Organisation des Umzugs anging, hatte ich einfach höhere Erwartungen in jemanden, der das beruflich machte. Und mein Vertrauen, dass Lebo das Volumen unseres Umzugs richtig eingeschätzt hätte, ging gleich null. Nachdem die Schrankübergabe nun vollbracht war, wartete ich noch zwei Anstandstage und sagte ihr dann per E-Mail ab. Sie hat sich nie wieder gemeldet.

Tja, und somit blieb nur noch Umzugsfirma zwei - wir ziehen jetzt mit "Mr. Move" um, ich habe dem letzten Rhodesier zugesagt. Auch hier gab es schon kleinere Minuspunkte, aber wir sind dennoch guter Hoffnung, dass diese Firma unseren Umzug am Professionellsten durchführt. Ab dem 20. Februar sind die Umzugspacker hier - wir halten Euch auf dem Laufenden!

Dienstag, 29. Januar 2019

Verschnitten

Als wir aus unserem diesjährigen Heimaturlaub zurückkamen, waren wir gerade auf dem Rückweg vom Flughafen, als mich die SMS von einem unserer Vermieter erreichte: "Hi, are you guys back yet?" Waren wir ja noch nicht ganz, aber kurz darauf und sahen ihn dann auch gleich: Mattias und sein Sohn hatten vor unserem Tor geparkt und schnitten gerade die Büsche an der Außenmauer zurück. Das war super - unser Gärtner hatte mich bereits Anfang Dezember angesprochen, dass das mal wieder in Angriff genommen werden müsste. Hier gibt es zwar keinen Bürgersteig, auf dem Leute laufen könnten, aber trotzdem versuchen Fußgänger natürlich, nicht auf der Straße zu gehen und so war bei den Bougainvilléen, anderen Büschen und Bäumen schon öfters etwas abgeknickt worden. Ich hatte unseren Vermietern allerdings noch gar nicht Bescheid gegeben - wie schön, dass sie das gerade von selbst erledigten!

Die Freude währte nur kurz - einen Tag später kam Philip von der Arbeit nach Hause und stellte fest, dass da nochmal jemand am Werk gewesen war, der sich wesentlich grobmotorischer als unser Vermieter angestellt hatte. Der ziemlich traurige Anblick passte zu Philips etwas verkorkstem Start nach unserem Heimaturlaub.


Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.


Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.

Samstag, 26. Januar 2019

Compliments of the season!

Alles Gute zum neuen Jahr, liebe Blogleser! Das haben wir Euch noch gar nicht gewünscht, glaube ich. Nun findet Ihr vielleicht, dass wir ziemlich spät dran sind und ich es mir am 26. Januar auch sparen könnte. Aber nein: In Botswana wünscht man sich bis Ende Januar "compliments of the season". Wobei ich zugebe, dass es langsam schon nachlässt. Aber als wir am 17.01. in Botswana landeten, gingen Philip und ich mittags eine Kleinigkeit im Café Dijo essen. Das war früher, als Philips Büro noch in unserem Viertel Kgale View war, unser Stammcafé, wenn wir uns zum Mittagessen trafen. Ich gehe immer noch ab und an hin, treffe Freundinnen, warte, dass eins unserer Auto in der Waschanlage nebenan fertiggewaschen wird oder trinke einfach so einen Cappucchino. Wenn ich alleine bin, habe ich immer ein Buch dabei - mein Lieblingskellner hat sich angewöhnt, mich zu fragen, was ich lese und ist immer wieder aufs Neue erstaunt, was man so alles lesen kann.

Selbst, wenn Philip fast gar nicht mehr zum Café Dijo kommt und ich weitaus seltener als früher, sind wir also irgendwie beide noch bekannt. Und so kamen an unserem Ankunftstag hier gleich drei Kellner an unseren Tisch, um uns "compliments of the season" zu wünschen - am 17. Januar! In den Tagen davor in Deutschland hatten die Neujahrswünsche schon komplett aufgehört, aber hier ging es dann für uns nochmal los - und ich fand es total nett. Auch wenn insbesondere Philips Ankunftstage nach unserem Heimaturlaub (der für ihn ja zur Hälfte eine Dienstreise war) nicht allzu glatt liefen, muss das doch mal positiv erwähnt werden. Und während ich anfangs noch mit einem leicht verwunderten "happy new year" antwortete, schmettere ich inzwischen Bekannten, die ich dieses Jahr zum ersten Mal sehe, selbst als Erste ein "compliments of the season" entgegen. Das hebt gleich die Laune. Also, meine auf jeden Fall :-)

Samstag, 19. Januar 2019

Kultur- und andere Schocks hüben wie drüben

Vor ein paar Monaten meinte Walli mal, dass wir ja vielleicht Weihnachten gar nicht mehr extra nach Deutschland fliegen müssten, wenn es absehbar sei, dass wir ohnehin Anfang 2019 in die Heimat zurückkehren. Wir entschlossen uns schließlich doch, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Und ich bekam einen Kulturschock.
Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.

Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!

Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?

Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...

Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.