"A United Kindom" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Botswanas erstem Präsidenten Seretse Khama und seiner englischen Frau Ruth. Die beiden lernten sich lange vor Botswanas Unabhängigkeit kennen, als er 1947 in Oxford studierte. Ein Jahr später heirateten sie, was schnell zu einer wahren Staatsaffäre wurde: Seretse Khama war der legitime Thronfolger der Bamangwato (einer botswanischen Ethnie) - diese hatten sich natürlich eher eine Ehefrau aus dem eigenen Volk für ihr künftiges Oberhaupt vorgestellt. In Südafrika dagegen begann 1948 die Hochphase der Apartheid, in der der bereits lange existierende Rassismus durch eine Fülle neuer Gesetze weiter vorangetrieben wurde. Sogenannte Mischehen waren hier verboten. Zudem forderte Südafrika ein Mitspracherecht für die benachbarten englischen Protektorate und konnte eine Ehe zwischen einem dortigen König und einer Weißen natürlich nicht akzeptieren, weswegen das Land unter anderem Druck auf England ausübte. Auch dort war man also not amused.
Wie Seretse und Ruth Khama mit der Ablehnung von allen Seiten umgingen und sich dem Druck nicht beugten ist das Thema von "A United Kingdom". Hier der Trailer zum Film:
Vor drei Wochen feierte er bei den Toronto International Film Festivals 2016 Premiere, der Kinostart in Großbritannien ist am 25.11. Einen deutschen Termin habe ich noch nicht herausfinden können, nehme aber an, dass der Film auch in Deutschland laufen wird, weil er hochkarätig besetzt ist und die Premiere wohl bei Kritikern und Publikum insgesamt recht gut ankam.
Hier in Botswana sieht man dem Kinostart natürlich gespannt entgegen, der bereits 1980 verstorbene Sir Seretse Khama hat schließlich die Unabhängigkeit Botswanas mit möglich gemacht und das Land als erster botswanischer Präsident weise regiert und auf einen guten Weg gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Frau gehört so quasi zur Gründungsgeschichte der unabhängigen Republik Botswana. In den sozialen Netzwerken werden allerdings auch Stimmen laut, die bemängeln, dass in dem Film kaum Botswaner mitspielen würden und hier auch nur ein kleiner Teil gedreht worden wäre - der aber immerhin in Serowe, von wo Seretse Khama tatsächlich stammte. Schön fand ich auch den Kommentar einer Botswanerin, sie hätte es viel besser gefunden, wenn die Hauptrollen von Denzel Washington und Jodie Foster gespielt worden wären - beides auf jeden Fall hervorragende Schauspieler, aber da Jodie Foster inzwischen fast Mitte 50 und Denzel Washington schon Anfang 60 ist, wäre es vielleicht doch etwas seltsam gewesen, wenn sie die jungen Liebenden verkörpert hätten ...
Richtig hoch gekocht sind die Emotionen, als im Zuge der Unabhängigkeitsfeiern schon eine Preview des Films in einem Gaboroner Kino stattfand. Das Kino verkündete auf facebook, dass es auch einige Karten im freien Verkauf gäbe und die zahlenden Gäste ebenfalls Zugang zur VIP-Lounge hätten. Für Einzelpersonen sollte der Spaß 1.500 BWP kosten, für Paare 2.500 BWP - umgerechnet sind das 127,- € und 212,- €. Das ist schon in Deutschland viel Geld, in Botswana stellt es für viele aber einen nicht unbeträchtlichen Teil des monatlichen Einkommens dar. Dementsprechend brach ein richtiger Shitstorm auf der facebookseite des Kinos aus, die Leute machten sich lustig, wiesen daraufhin, dass das ein Film für die Botswaner sein sollte und nicht nur für reiche Leute bzw. "Europeans only". Der Kinobetreiber ergänzte irgendwann verschüchtert, dass die Erlöse an die Lady Ruth Khama Stiftung gehen würden, aber geholfen hat ihm das auch nicht mehr.
Inzwischen ist die Premiere über die Bühne gegangen - wie viele Leute da waren, lässt sich den Fotos nicht entnehmen, aber wer das Geld ausgegeben hat, hatte immerhin die Gelegenheit, Botswanas Präsidenten Ian Khama live zu sehen. Das (selbstverständlich demokratisch gewählte) Staatsoberhaupt ist übrigens ein Sohn von Seretse und Ruth Khama. Das Hollywood Happy-End gab's also auch im wahren Leben - auf gleich mehreren Ebenen.
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