Mittwoch, 13. Juli 2016

Nur Futter rennt!

Während unseres Ausflugs nach Madikwe bin ich auf ein literarisches Genre gestoßen, dass ich so noch gar nicht kannte: Safari-Berichte! Sieht man in deutschen Buchhandlungen eher selten, würde ich behaupten ... im Buchregal unserer Lodge standen dagegen gleich zwei Bücher, von denen mich der Klappentext des einen so gefesselt hatte, dass ich es am liebsten mitnehmen wollte. Stattdessen habe ich es mir dann hier in Gaborone brav auf meinen ebook-reader runtergeladen.

Der Autor von "Don't run, whatever you do" heißt Peter Allison und ist ein Australier, der sich in den 90ern im Alter von 19 Jahren nach Südafrika aufgemacht hat und dort in einem Safari Camp hängenblieb, als ihm das Geld ausging - erst als Barmann, aber er hat sich dann nach und nach zum Safari Guide ausbilden lassen und schließlich mehrere Jahre in verschiendenen Lodges im Okavango Delta in Botswana gearbeitet. Inzwischen hat er drei Bücher geschrieben, ich habe das erste gelesen und fand es sehr amüsant. Er erzählt mit viel Selbtsironie von seinen Erlebnissen und Erfahrungen im Busch. Mein englischer Wortschatz zu afrikanischen Tieren hat sich durch die Lektüre nochmal vergrößert und gleichzeitig habe ich viel Neues erfahren. So ist der honey badger zum Beispiel der Honigdachs. Philip und ich haben beide noch keinen gesehen (dabei ist er - abgesehen von den nördlichsten Ländern -  in ganz Afrika zu finden) und er wirkt auch erst einmal eher unscheinbar, ist aber eines von nur vier Tieren, mit denen sich Löwen lieber nicht anlegen. Der Honigdachs hat nämlich zwei sehr wirkungsvolle Verteidigungsstrategien: Zum einen verspüht er ein anscheinend extrem übelriechendes Analsekret, wenn er sich bedroht fühlt (laut Allison stellt er damit jedes Stinktier in den Schatten), zum anderen hat er wohl lange Klauen, die er sehr effektiv auch gegen größere Tiere einsetzt. Falls junge, unerfahrene Löwen oder Leoparden ihn tatsächlich angreifen, schlägt der wohl sehr bewegliche Honigdachs diese zielsicher in die Genitalien seiner Angreifer, was jeden Feind, der nicht schnell genug geflüchtet ist, verbluten lässt. Er ist also ein kleines, aber recht wehrhaftes Kerlchen, das man nicht unbedingt versuchen sollte zu streicheln ...

Der Titel des Buches zitiert übrigens die Wildnis-Regel Nummer eins: Was auch immer man tut, wenn man einem Raubtier gegenübersteht: Wegrennen ist das Verkehrteste. Abgesehen davon, dass jedes Raubtier schneller ist als der Mensch, weiß es: Nur Futter rennt ... und als das möchte man ja gerade nicht gesehen werden.
Ich will mein neuerworbenes Wissen zwar nicht unbedingt beim nächsten (geführten, die sind ja immer geführt) Bush Walk einsetzen müssen, aber spannend zu lesen war es schon. Und natürlich ist es auch mal schön, die Perspektive eines Safari Guides, der täglich Pirschfahrten mit Touristen macht, zu erleben. Und der natürlich auch amüsante Anekdoten über seine verschiedenen Gäste zu berichten weiß. Ich habe mich beim Lesen sehr gut amüsiert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen