Sonntag, 19. März 2017

Frühstück mit Elefanten

Während unseres Heimaturlaubs in Deutschland habe ich mir einen aktuellen Bestseller gekauft: Gesa Neitzels "Frühstück mit Elefanten". Er ist im September bei Ullstein erschienen und stand bis jetzt 12 Wochen auf der SPIEGEL Paperback Sachbuch-Bestsellerliste - ein schöner Erfolg für die Autorin, die mit ihrem Buch offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Gesa Neitzel beschreibt in ihrem Erfahrungsbericht, wie sie ihrem Berliner Leben den Rücken kehrt und ins südliche Afrika reist, um sich dort innerhalb eines Jahres zur Rangerin ausbilden zu lassen. Als Leser ist man gefühlt hautnah dabei - wenn sie versucht, sich Vogelstimmen einzuprägen, einem Elefanten in die Augen schaut oder schießen lernt (letzeres nur als zur Ausbildung gehörende Sicherheitsmaßnahme). Dabei wird man sehr schnell in den Sog dieses Buches gezogen. Die Autorin beschreibt Landschaften, Gerüche und Geräusche so toll, dass man zum Teil nur die Augen schließen muss und selbst das ausgetrocknete Limpopo-Flußbett vor sich sieht. Aber auch ihre Freunde und Lehrer wachsen einem ans Herz, denn sie lässt den Leser nicht nur an ihrer Ausbildung, sondern auch an ihren Gefühlen teilhaben.


Gesa Neitzels Ausbildungsstationen waren in Botswana, Südafrika und Namibia - wir haben das Buch daher mit besonderem Interesse gelesen. Und als ich im Januar Freiwilligendienste googelte, während Philip als erster von uns beiden "Frühstück mit Elefanten" las, stieß ich tatsächlich auf das Projekt, bei dem die Autorin ein dreimonatiges Praktikum absolviert hatte - EHRA, woran ich dann tatsächlich auch zwei Wochen teilnahm. Es war natürlich toll, ihre Erlebnisse da im Vorfeld zu lesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen - und hinterher gleich nochmal, denn inzwischen hatte ich einige der Leute kennengelernt, von denen im Buch die Rede war.

Philip und mich hat es dennoch erstaunt, dass das Buch so einen großen Erfolg hat - Sehnsuchtsort Afrika? Träumen wirklich viele Deutsche vom afrikanischen Busch und seinen Tieren bzw. interessieren sich so sehr dafür? Sicher hilft es dem Buch, dass die Autorin in der letzten Zeit öfters in Talkshows eingeladen war. Ich kann "Frühstück mit Elefanten" auf jeden Fall empfehlen: Es liest sich auch wegen der vielen persönlichen Anekdoten gut und man bekommt noch einmal einen anderen Eindruck vom südlichen Afrika und seiner Tierwelt. Darüber hinaus ist es zum Teil schon fast philosophisch und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die jeden mal umtreiben: Was mache ich mit meinem Leben? Wo will ich hin? Was macht mich glücklich? Gesa Neitzel hat für sich einige Antworten gefunden und sie als Leser auf ihrem Weg zu begleiten, ist auf alle Fälle bereichernd.

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