Die Touristenattraktionen in und um Gaborone sind endlich. Umso schöner ist es, wenn man unverhofft noch etwas Neues entdeckt. Den Ausflug zur Weberei in Oodi hatte ich unserem letzten Besuch zu verdanken - Angelika und Friedemann hatten im Reiseführer davon gelesen und wollten gerne hinfahren. Ich war leicht skeptisch, weil ich von der Weberei noch nie gehört hatte und im Reiseführer ab und an auch Sehenswürdigkeiten genannt sind, die einfach nicht (mehr?) auffindbar sind - aber einen Versuch war es allemal wert und die Fahrtzeit von ca. einer Dreiviertelstunde war auch überschaubar.
Die "Oodi Weavers" waren dann zu meiner Überraschung nicht nur existent, sondern auch relativ gut ausgeschildert. Wir fuhren auf Staubstraßen und fanden schließlich noch einen Ortskundigen, der uns weiterhalf. Glück gehabt! Inzwischen erzähle ich fleißig rum, dass die Weberei in Oodi ganz empfehlenswert ist und da kam auch schon mal die Rückfrage: "Ach, Ihr habt die gefunden? Wir nicht ..."
Das Weben hat in Botswana keine größere Tradition. Die Oodi Weavers sind
eine Weberkooperative, die 1973 von einem schwedischen Ehepaar als
Entwicklungshilfeprojekt gegründet wurde. Zu meiner Freude gab es nicht
nur einen Laden, in dem die Weberzeugnisse verkauft wurden, sondern man
konnte auch die Arbeitsstätten besichtigen. In einem aus einem einzigen
großen Raum bestehenden Gebäude standen unterschiedlichste Webstühle
sowie einige Spinnräder. Um die zehn ältere Frauen waren hier am Werk
und webten und knüpften vor allem Wandteppiche mit ländlichen Szenen.
Kunsthandwerk begegnen wir hier in Botswana eher selten, und so hat mir
diese Weberei sehr gefallen. Gleichzeitig empfand ich den Anblick als
ziemlich anrührend: Die älteren Damen, die uns bereitswillig ihre
Arbeiten zeigten, an diesen sehr einfachen, alten Webstühlen ...
Vor eineinhalb Wochen bin ich nochmal nach Oodi gefahren und habe zwei Freundinnen die Weberei gezeigt. Ihre Meinungen dazu waren gemischt. Zwar gefielen ihnen die Arbeiten, sie haben auch beide etwas gekauft, allerdings war eine der beiden schon erschüttert, dass die Frauen an dermaßen einfachen Webstühlen arbeiten und sich seit den 1970er Jahren wenig getan zu haben scheint. Ich dagegen fand es faszinierend, dass dieses Projekt immer noch existiert. Klar gibt es vieles, was man verbessern könnte: die Ausschilderung zum Beispiel. Sie müssten Werbung machen. Marketing! Vielleicht auch Auftragsarbeiten anbieten. Und es wäre vorteilhaft, wenn mindestens eine der Frauen so gut Englisch spräche, dass sie Kundenfragen beantworten könnte.
Oodi ist dennoch von Gaborone aus allemal eine Reise wert. Die Weberei ist ein toller Gegensatz zu den großen Shoppingmalls der Hauptstadt. Gut zu wissen, dass auch das Umland von Gaborone manchmal noch für eine Überraschung gut ist. Vielen Dank an Angelika für die Bilder!


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