Donnerstag, 28. Dezember 2017

Gästeblog: Nachgereicht

Wir haben ein Weihnachtsgeschenk bekommen! Einen Blogbeitrag, geschrieben von Geno. Sie und ihr Mann Ali haben uns Ende Mai/Anfang Juni besucht. Die Freude ist groß, wir wollen sie gleich mit Euch teilen, hier der neueste Beitrag aus der Serie "Gästeblog statt Gästebuch" (wir hoffen, diese Serie wirkt nicht abschreckend auf potentielle Besucher, wie Ihr seht akzeptieren wir auch noch späte Einsendungen!):


Mittlerweile ist es bereits einige Monate her, dass wir Walli und Philip in Botswana besucht haben. Na ja, wir hatten uns eher einquartiert mit der Option auf unbestimmte Verlängerung und die beiden waren so höflich, sich auf das Abenteuer einzulassen.
Aber nun von vorne mit der Geschichte: Ich kenne Walli bereits seit dem Kindergarten und als sie erzählte, dass sie mit Philip nach Botswana geht, war klar, dass ich die Möglichkeit für einen Besuch nutzen wollte. So war ich im Mai dieses Jahres für insgesamt vier Wochen mit meiner Schwester Christiane und meinem Mann Ali im südlichen Afrika unterwegs. Namibia, Botswana und Zimbabwe lagen auf unserer Reiseroute. Nun ist eine Reise durch Afrika vieles, vor allem eine Lektion in Geduld und Gelassenheit und wir haben unsere Lektion gelernt. Trotz monatelanger Reisevorbereitung waren unsere Probleme nicht etwa der Begegnung mit wilden Tieren beim Camping oder der Sorge um unsere Malariaprophylaxe geschuldet, sondern eher bürokratischer Natur. In Swakopmund war uns das Auto aufgebrochen worden. Der Dieb hatte dabei nicht nur einen Gebetsteppich ergattert, sondern auch Alis Aufenthaltstitel für die Bundesrepublik Deutschland, ohne die er nicht mehr nach Hause einreisen konnte. Der Versuch, bis zum Ende unserer geplanten Reise irgendwie Ersatz für die verloren gegangen Papiere zu beschaffen, war gescheitert und so setzten wir unsere geplante Reise durch Namibia, Botswana und Zimbabwe fort. Unser Plan B war in Gaborone bei der deutschen Botschaft ein neues Visum zu beantragen. Über Plan C – D, die ich noch als Alternative ausgearbeitet hatte, wollen wir nicht weiter reden.


Man hatte uns mittlerweile darüber aufgeklärt, dass das Unterfangen nicht kurzfristig zu erledigen wäre, und so hatten wir uns von den bereits gebuchten Rückflügen verabschiedet und uns auf unbestimmte Zeit bei Walli und Philip einquartiert. Wie gesagt, Afrika lehrt einen Geduld und Gelassenheit. Und die deutsche Botschaft trägt noch ihr übriges dazu bei, da sie es mit Feiertagen und Öffnungszeiten sehr genau nimmt, so dass uns gar nichts anderes übrig blieb, als einfach der Dinge zu harren und die Zeit bei unseren Gastgebern zu genießen. Und das haben wir auch getan. Walli und Philip hatten nichts (wirksames) dagegen, dass wir Gäste ohne Rückflugticket waren und so haben sich beide sehr viel Mühe gegeben uns die schönen Seiten von Gaborone zu zeigen. Zugegeben, ein schwieriges Unterfangen, aber nicht gänzlich umsonst.

Tag 1 – frische Wäsche!
Wir waren zu dem Zeitpunkt ja bereits fast drei Wochen als Camper im südlichen Afrika unterwegs gewesen. Daher wurde der Umstand, in einem bequemen Bett mit eigenen Bad und fertigem Frühstück am Morgen aufzuwachen nur noch von der Waschmaschine getoppt, mit der wir unsere Garderobe stadtfein machen konnten. Was will man eigentlich mehr im Urlaub! Gut, man muss sich erst einmal an Elektrozäune im Garten, blinkende Alarmanlagen, Bewegungsmelder und Panikknöpfe gewöhnen, aber danach stellt sich schnell ein Gefühl der Gemütlichkeit ein.

Tag 2 – Der Yachtclub
Als Tagesprogramm stand ein Besuch im Yachtclub von Gaborone an. Noch nicht so viel über die Hauptstadt wissend, dachten wir uns, dass hier vielleicht neben Hausangestellten auch ein Liegeplatz im Yachtclub zur normalen Ausstattung gehört. Wir konnten uns leider keinen eigenen Eindruck der Anlage verschaffen, der Weg dorthin war überflutet, der Fährverkehr zeitlich beschränkt und während wir da im Matsch am Rande des Stausees standen und auf eine unspektakuläre kleine Insel hinaussahen, überkam mich das Gefühl, dass die Wörter 'mondän' und 'Yachtclub' in Gaborone doch anders verstanden werden.

Tag 3 – Shopping in der Mall
Walli hatte es schon angedeutet, nach dem Studieren der Broschüre des Tourismusbüros Gaborone hatte ich es dann auch verstanden: Zu den Sehenswürdigkeiten in Gaborone gehören die großen Shopping Malls, allen voran Game City, die Mall, die nur fußläufig von unserem Quartier entfernt lag. Da meinem Mann ja seit dem Diebstahl in Namibia noch ein paar Ausrüstungsgegenstände fehlten, nahm er die Gelegenheit gern wahr. Dass er sich direkt zwei Jogginghosen zugelegt hat, hätte Walli als Zeichen unseres Willens, noch etwas länger zu bleiben, interpretieren können. Wer die Zeichen zu deuten weiß ...
Tatsächlich fanden wir das Wetter im Juni in Gaborone noch richtig sommerlich und haben gerne in der Sonne auf der Terrasse oder am Pool gesessen. Uns zuliebe hatten Walli und Philip an einem Abend sogar den Grill rausgeholt, um uns danach zu versichern, dass eigentlich kein Einheimischer mehr bei diesen Temperaturen grillen würde. Was man nicht alles macht für diese Touristen!

Tag 4 – Glühwein am Pfingstmontag
Da eine deutsche diplomatische Vertretung im Ausland sich an alle verfügbaren deutschen sowie landestypischen Feiertage des Gastlandes halten muss, hatten wir uns einfach eine schlechte Woche ausgesucht, um dort etwas erledigen zu wollen. Es musste also ein weiterer Tag mit alternativem Unterhaltungsprogramm in Gaborone verbracht werden. Der erste Versuch galt dem Nationalmuseum. Was immer die Ausstellung eigentlich zu bieten hat, es muss unfassbar aufwendig zu restaurieren sein, da dieser Vorgang nun schon alle Besucher von Walli und Philip vor verschlossenen Türen hat stehen lassen. Gaborone zeigt sich von seiner komplizierten Seite: kulturell eher dürftig, aber wettertechnisch ok.
Da musste eine Alternative her, die sich uns tatsächlich in einer Abendveranstaltung auftat, bei der wir auch Kollegen von Philip kennen lernen dürften: Gulasch und Glühwein in Mokolodi, dem hauseigenen Nature Reserve von Gaborone.

Tag 5 – Die Welt ist ein Dorf
Endlich hatten wir es geschafft, die Visa-Beantragung auf den Weg zu bringen. Da Walli anschließend noch etwas zu erledigen hatte und der Versuch, sich in der Innenstadt von Gaborone die Zeit zu vertreiben kläglich gescheitert war, hatten wir uns kurzerhand für den Besuch einer weiteren, als Sehenswürdigkeit gekennzeichneten Shopping Mall, entschieden. Diese Auszeichnung hat sie nach Walli durchaus zu Recht, da sie über die Rarität einer Buchhandlung verfügt. Das wir aber wirklich an einem der beliebtesten Places-to-be abgesetzt worden waren, bestätigte sich doch tatsächlich kurz darauf: Uns liefen zwei Mitglieder der Reisegruppe über den Weg, mit der wir eine Woche lang durch Botswana gereist waren und die wir fünf Tage zuvor in Victoria Fall/Simbabwe verlassen hatten. Unglaublich, nach fünf Tagen hatten wir also schon unsere ersten Bekannten in Gaborone! Beim obligatorischen Austausch von weiteren möglichen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung hatten die beiden folgende Antwort: Wart ihr schon in Johannesburg?

Tag 6 – Entspannung
Ich war ja noch gewillt, Gaborone einen versteckten Charme und unbekannte, interessante Seiten zu unterstellen. Daher war ich beim Stöbern im Internet auf einen interessanten Artikel gestoßen. Besonders ein Satz aus dem Artikel hat es mir angetan, da ich selber in Bonn wohne und dies sehr gerne tue:
„Finanzdienstleister haben sich in ihr [Gaborone] eingerichtet, Konferenzmanager, Behörden, internationale Organisationen. Wer Bonn oder Brasilia mag, wird Gaborone lieben.“
Ich mag Bonn und kenne Brasilia nicht. Aber das ist doch ein Argument, um der Stadt eine Chance zu geben!

Tag 7 – Kommunikation
Da sich bezüglich unserer Rückreise sowieso nichts beschleunigen ließ, warteten wir weiterhin geduldig auf Antwort aus der Botschaft. In der Zwischenzeit musste ein wenig Kontakt mit meinem Arbeitgeber gehalten werden, der das Problem sehr entspannt hinnahm und meinen Urlaub auf ungewisse Zeit verlängerte. Auch bei Freunden und Familie ließ ich wieder einmal von uns hören. Da die Kommunikation in den letzten Wochen eher dürftig ausgefallen war, konnte ich nun in einer Whatsapp-Gruppe lesen: „... und das ist Geno, die hängt gerade in Afrika fest und antwortet eher selten“. Immerhin erinnerte man sich noch an mich.

Tag 8 – Rhinos
Wir besannen uns auf die wichtigen Dinge in Botswana: Mit Walli fuhren wir ins Khama Rhino Sanctuary, um uns dort auf die Jagd nach spektakulären Tierbeobachtungen zu begeben. Und tatsächlich konnten wir Nashörner aus direkter Nähe betrachten. Mit solchen Erlebnissen im Gepäck ärgert man sich auch nicht mehr über all die Unplanmäßigkeiten, die unsere eigentliche Urlaubsplanung durchkreuzt hatten.

Tag 9 – Verluste
Am nächsten Tag brachen wir wieder Richtung Gaborone auf. Irgendwo auf der Heimfahrt merkte Ali dann, dass er wohl sein Handyladekabel im Hotel liegen gelassen hatte. In aller Stille setzte ich dieses auf unsere immer länger werdende Verlustliste: Tagesrucksack, Gebetsteppich, Jogginghose, Regenjacke, Taschenlampe, Portemonnaie, Krankenversicherungskarte, Aufenthaltstitel, Hausschlüssel, Ehering, ein Küchenmesser (das nun irgendwo in der Wüste der Namib liegt) und ein Handyladekabel. Na gut, positives an der Situation: Immerhin habe ich meinen Mann nicht verloren. Obwohl er aufgrund des fehlenden Eherings nicht mehr offensichtlich als solcher zu identifizieren ist.

Tag 10 – Abschied
Beim Frühstück mussten wir feststellen, dass die Kaffeevorräte der Gastgeber langsam zur Neige gingen, es wurde Zeit zu gehen. Zudem hatte sich die Botschaft gemeldet: Mein Mann verfügte wieder über ein gültiges Visum und konnte in Deutschland einreisen. Nach über einer Woche Urlaubsverlängerung konnten wir als also wieder nach Haus aufbrechen, auch wenn es uns schwer fiel, da wir eine echte tolle Zeit in Gaborone hatten.
Den letzten Abend verbrachten wir noch gemeinsam mit Walli und Philip in einer Skylounge, in der man zu seinem Getränk eine tolle Übersicht über Gaborone hatte. Da wir uns ja noch immer mitten im Ramadan befanden, rollte Ali in einer Ecke der Skylounge seinen Gebetsteppich aus, während wir anderen den Sonnenuntergang über der Stadt genossen. Aus der Irritation des Kellners war zu schließen, dass eine solche Szenerie nicht häufig vorkommt, aber anscheinend ungefragt bei Touristen geduldet wird. Den Abend haben wir anschließend in einem Restaurant ausklingen lassen, um uns am nächsten Tag mit unserem Gepäck und unseren Erinnerungen auf zum Flughafen zu machen und uns ins nächste Abenteuer zu stürzen: der Einreise nach Europa mit einem Tunesier, der nur ein vorläufiges Visum aus der deutschen Botschaft aus Gaborone besitzt ...

Epilog
Nach unvergesslichen Wochen unserer abenteuerlichen Afrikareise konnten wir noch richtig entspannte und erholsame Tage bei Walli und Philip genießen. Was die Stadt Gaborone nicht an Erwartungen erfüllen kann, machen die beiden als Gastgeber mehr als wieder wett.
In einer Stadt, in der ein Gartencenter ein touristisches Highlight darstellt, freut man sich über alle kleinen Highlights. Und davon haben wir mit unseren Gastgebern doch sehr viele zusammentragen können. Am Anfang war Gaborone etwas verstörend, doch am Ende hat sich ein Bild zusammengefügt. Ich will nicht sagen, dass ich Gabs als Urlaubsdomizil ins Herz geschlossen hätte, nein, das nicht, aber der Urlaub dort war wunderbar!

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