Dienstag, 1. August 2017

Heimaturlaub

Vor eineinhalb Wochen, bevor wir nach Botswana zurückflogen, fragte mich meine Mutter am Telefon, was denn die Bilanz unseres Heimturlaubs sei. Seitdem denke ich auf dieser Frage herum, etwas Griffigeres als "neun Schlafcouchen, drei Hotelbetten und ein Gästezimmerbett" ist mir aber noch nicht eingefallen. Philip und ich sind viel rumgereist und hatten wunderschöne Wiedersehen - daraus eine Bilanz zu ziehen, ist eigentlich unmöglich. Erwähnenswert ist vielleicht, dass es kleine Situationen gab, in denen ich doch merkte, in Deutschland etwas verpasst zu haben: Als ich die bei Kaufhof gekauften T-Shirts und Blusen in einen Stoffbeutel knüllte, weil es keine kostenlosen Plastiktüten mehr gibt. Als der REWE-Kassierer vor sich hinkicherte und ich ihn irritiert anschaute und schließlich bemerkte, dass er - wie alle seine Kollegen - ein kleines Headset trug und sich offensichtlich mit den anderen unterhielt, während er kassierte. Als ich bei ALDI eine neue Kühltheke mit fertigen Sandwiches, Salaten und SUSHI entdeckte. (Sushi bei ALDI? Seltsame Welt ...) Sehr irritiert hat mich auch der Einhorn-Tisch in einer Buchhandlung: Ganz viele verschiedene Produkte mit Einhörnern drauf, vom Ausmalbuch für Erwachsene über Sinnsprüche bis zum Stofftier - und davon war kaum was für Kinder, das richtete sich schon an ältere Zielgruppen ... was ein seltsamer Hype! Erfreulicherweise fand ich kurz darauf eine Postkarte, die meine Gefühle wiederspiegelte.


Neben all den wunderschönen Wiedersehen gab es übrigens auch die ein oder andere kuriose Begegnung. So traf ich unmittelbar nach meiner Ankunft in Odendorf Frau A. im Supermarkt, die ich seit meiner Kindheit kenne. Frau A. erkundigte sich nach meinem Leben in Botswana um mir dann übergangslos von ihrem Sohn zu erzählen, der nach jahrelanger Promotion nun doch "nur" als Lehrer arbeiten würde. "Das hätte er auch schon vor zehn Jahren haben können, und nun ist er schon Mitte 30! Er ist auch erst sehr spät ins Berufsleben eingestiegen!" Irritiert über das "auch" erwähnte ich sicherheitshalber mal, dass ich vor meinem Abflug nach Botswana durchaus neuneinhalb Jahre gearbeitet hatte. Das verwunderte Frau A. kurz, doch dann rief sie im Hinblick auf meinen Auslandsaufenthalt nochmal energisch: "Verlorene Zeit!", was ich bei aller Sympathie doch etwas unangebracht fand.

Mein Augenarzt reagierte weitaus wohlwollender auf Botswana und erzählte mir, dass er in den 90er Jahren Schusswunden in Johannesburg operiert hätte. Fast im selben Atemzug ließ er mich wissen, dass sich durch Entwicklungshilfe und Kurzzeit-Einsätze der Bundeswehr das Taliban-Problem in Afghanistan nicht lösen lasse. Ich war etwas erleichtert, als er mir endlich in die Augen guckte.

Eine Woche Urlaub zu zweit haben Philip und ich übrigens auch noch gehabt, in Interlaken, von wo aus wir die Schweizer Alpen erkundeten. Das war kurz vor Ende unseres Heimaturlaubs und schon eine gute Wiedereinstimmung auf Botswana, dort spricht nämlich auch kaum jemand deutsch. Die Einheimischen natürlich schon, aber selbst die redeten mit uns auf Englisch - wohl aus Gewohnheit, die Masse der Urlauber scheint nämlich aus Asien und aus arabischen Ländern zu kommen.
In den Bergen war es großartig. An einem Tag fuhren wir auf das Jungfraujoch und fanden uns im Gletscherschnee wieder. Alles weiß, wie passend - das war ja schließlich unser Winterurlaub! Übrigens ein Thema, mit dem sich unsere botswanischen Mitbürger hier prima verwirren lassen. "So it's summer in Germany?" "Yes, but most of the time it isn't warmer than here in winter ..."


Und dann ging es auch schon wieder nach Gaborone. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch, den Titel eines Kinderbuchs zu zitieren, den ich so toll fand, dass ich es kaufen musste:


In diesem Sinne: Vergesst uns nicht - der nächste Heimaturlaub kommt bestimmt ...

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