Dienstag, 16. Oktober 2018

Der Eindringling

Dass sich manchmal Paviane in unseren Garten verirren, haben wir schon geschildert. Wirklich dort gesehen habe ich sie allerdings erst einmal, als zwei der Viecher im Februar über unsere Terrasse schlenderten. Drei Monate später verwüsteten sie ein Obstbäumchen in unserem Garten und auch die Mülltonne war einmal ausgeräumt. Vor Kurzem entdeckte Philip auf dem Dachfirst der Nachbarn, die schräg hinter uns wohnen, einen Pavian, der da saß wie eine Galionsfigur.

Und so war ich zwar nicht begeistert, aber auch nicht übermäßig erstaunt, als ich vergangenen Freitag plötzliche einen Pavian sah, während ich gerade mit meinen Eltern telefonierte. Zwischen unserem und dem Nachbargrundstück steht eine Mauer mit dem obligatorischen Elektrozaun. Damit die Büsche und Bäume in unserem Garten nicht ständig zwischen die elektrischen Drähte wachsen, haben unsere Vermieter eine Holzkonstruktion errichtet, die den Zaun abschirmt. Und darauf spazierte ein Pavian, der dann in unseren Garten kletterte und erstmal aus der Vogeltränke trank. Diese war in den letzten Wochen eher zur Katzentränke mutiert, aber dass jetzt selbst Affen zum Trinken kommen, fand ich doch etwas übertrieben. Ich schloss erstmal die Terrassentüren und zeigte unserer Maid Patricia den Pavian, der inzwischen auf die Terrasse spaziert war, aber wieder umkehrte, als er uns innen sah. Er wanderte ums Haus, bediente sich an unserem Naartjie-Baum und lief schließlich in Richtung Tor, während wir aus der Haustür traten und ich noch ein Foto machte. Als das Tier probeweise auf uns zukam, täuschte Patricia einen Steinwurf in seine Richtung an, worauf der Affe machte, dass er wegkam.


So weit, so gut. Ich rief meine Eltern zurück, doch auch dieses Gespräch unterbrach ich nach einigen Minuten, als ich plötzlich ein lautes Kreischen hörte. Bis ich an der Haustür war, war schon alles vorbei und da ich nicht selbst dabei war, beschreibe ich hier, was Patricia mir erzählte:
Sie war gerade dabei, das abgetrocknete Besteck in die Besteckschublade einzuräumen, als sie mutmaßlich mich in der Küche hörte. Es irritierte sie etwas, dass ich in der Küche umherging, ohne etwas zu sagen, sie fand es wohl auch etwas unhöflich, dachte sich aber nichts weiter dabei. Erst als ich begann zu essen, beschloss sie, nun könnten wir ja schon mal ein paar Worte wechseln und drehte sich um. Und dann saß da der Pavian auf unserem Stehtisch und bediente sich gerade an den Bananen in der Obstschale.

Patricia schrie, der Pavian floh durch die Haustür - versuchte allerdings dann auch gleich wieder, hineinzukommen, hatte er doch auf seiner Flucht nur eine der Bananen mitgenommen. Unsere Haustür (mit Klinke auf beiden Seiten) geht ziemlich leicht auf und der Affe haute zweimal dagegen, während Patrica die Tür zuhielt und ich sie abschloss. Während wir anschließend in der Küche standen und sie mir beschrieb, wie der Pavian auf dem Tisch gesessen hatte, erschien der doch tatsächlich noch einmal auf der Terrasse und schlug auch mal probeweise gegen die Tür. Was ein freches Vieh! Patrica und ich waren doch beide etwas geschockt. Dass ein Affe durch offene Türen in ein Haus spazieren könnte, war uns bewusst gewesen, dass er aber aktiv versuchen würde, Türen zu öffnen, hatten wir nicht erwartet. Später entdeckte ich sogar einen schmutzigen Abdruck am Schrank, in dem wir Gläser und Tassen aufbewahren. Bevor Patricia ihn entdeckte, hatte der Pavian die Küche offensichtlich schon einmal inspiziert - und wir hatten großes Glück gehabt, dass er dabei nichts kapput gemacht hatte.

Ich sah unseren ungebetenen Besucher schließlich über einen Baum aufs Nachbargrundstück türmen. Aber nachdem der Pavian nun unsere Obstschale kennt, wird er uns vielleicht bald wieder einen Besuch abstatten. Die Haustür wird jetzt bis auf Weiteres von innen abgeschlossen.

Freitag, 12. Oktober 2018

Der Dritte zum Dritten

Letzte Woche gab es das jährliche soziale Highlight der deutschen Community Gaborones (und nein, ich meine nicht das Bierfest!): Der deutsche Botschafter lud zu einem Empfang anlässlich des Tags der deutschen Einheit in den Garten seiner Residenz. Kaum zu glaube, dass dies schon der dritte solche Empfang für uns in Botswana war! 
Rückblickend lässt sich sagen, dass unser soziales Leben nach unserem ersten Empfang zum Tag der deutschen Einheit bergauf ging: Hier hatten wir doch noch einmal einzelne neue Leute kennengelernt, aus diesen Bekanntschaften wurden in den darauf folgenden Monaten Freundschaften.

Am Eingang der Residenz wurden wir zunächst vom Botschafter sowie von mehreren Botschaftsmitarbeiter/innen und ihren Partnern begrüßt - sechs Mal Händeschütteln (für uns, für die Botschaftsmitarbeiter dürften es ca. 200 zu schüttelnde Hände gewesen sein). Im Garten der Residenz begrüßten wir dann Kollegen und Freunde. Die botswanische und die deutsche Nationalhymne wurden von Band abgespielt, letztere in einer etwas getragenen, kitschigen Version. Dann sprachen der deutsche Botschafter und die botswanische Außenministerin, die Werte des Multilateralismus wurden hochgehalten.


Gefühlt waren dieses Jahr mehr Gäste zum Empfang gekommen als sonst - und wir kannten wieder mehr als in den Vorjahren. So war es größtenteils ein freudiges Wiedersehen, gelegentlich auch ein neues Kennenlernen. Fingerfood wurde gereicht, und nachdem wir uns aus einer für die Kellner offenbar unerreichbaren Ecke des Gartens wegbewegt hatten, bekamen wir auch noch etwas ab.
Herr Botschafter, wann laden Sie mal wieder ein? 

Sonntag, 7. Oktober 2018

Irgendwo im Nirgendwo der Kalahari-Wüste

Kaum zu glauben, trotz aller unserer Ausflüge gibt es noch immer ein paar Ziele in Botswana, die auf unserer "bucket list" stehen.
Kürzlich hatten wir ein durch Feiertage um Montag und Dienstag verlängertes Wochenende; klar, dass wir das nutzen mussten. Ein Ziel auf unserer imaginären Liste war das Central Kalahari Game Reserve (CKGR). Mit 52.700 km² ist es das das weltweit zweitgrößte Wildtierreservat, etwas größer als Bosnien und Herzegowina, 1,27-mal so groß wie die Schweiz oder die Niederlande oder knapp kleiner als Hessen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Wir hatten etwas Respekt vor diesem "wilden" Gebiet, durch das ein paar sehr sandige (in der Regenzeit sehr matschige) Pisten führen und in dem man womöglich tagelang niemandem begegnet. Auch wenn unser Schluckspecht uns bisher überall hin- und wieder weggebracht hat, wollten wir unser Glück und ihn nicht zu sehr herausfordern, und so planten wir keine Campingtour, sondern buchten uns kurzfristig in einer der nur zwei Lodges in diesem Riesengebiet ein. Anders als die "normalen" Gäste flogen wir jedoch nicht zu unserer Unterkunft, sondern entschieden uns dazu, mit dem Auto hinzufahren - das war bei dieser eher am Rande des CKGR liegenden Lodge prinzipiell möglich: Nach ca. acht Stunden Fahrt (inkl. einer Übernachtung im Dachzelt) verließen wir die geteerte Straße und fuhren auf einer welligen Piste ca. 42 km bis zum Nationalparkeingang. Dort wurden wir per Funk im Camp angemeldet und fuhren anschließend die letzten ca. 60 km bis zur Lodge, die wunderschön gelegen war.
Die Fahrt über die Pisten hatte etwas länger gedauert als uns vorab angegeben worden war (was nur teilweise daran lag, dass wir einmal im Sand stecken blieben), aber gleich nach Ankunft und Einchecken konnten wir noch zu einem verkürzten Nachmittags-Game Drive aufbrechen. Dieser begann gleich mit einem Höhepunkt: Unser Guide hatte per Funk gehört, wo es etwas Spannendes zu sehen geben sollte. Dort fanden wir dann eine getötete Oryx-Antilope. Bevor wir noch überlegen konnten, wer das Tier gerissen hatte, entdeckten wir die erfolgreiche Jägerin auf der anderen Seite des Wagens in einem Busch: Eine Leopardin, die uns erst beobachtete, sich schließlich aber doch entschloss, weiter zu ziehen.



Anhand der Spuren konnten wir am nächsten Tag nachvollziehen, dass wohl Hyänen ihre Beute über Nacht weggezerrt hatten. Wir fanden die Leopardin schließlich noch einmal mit frischer Beute.

Die Landschaft in der Zentralkalahari unterschied sich deutlich von anderen Gegenden Botswanas, die wir bereits kannten: flacher, mit mehr großen, weiten Steppen und weniger/keinem Wasser. Hier fühlen sich vor allem Springböcke und Oryx-Antilopen wohl, die ihren Wasserbedarf durch das Kauen des trockenen Grases stillen können. Wir sahen außerdem viele Schakale, Riesentrappen in größeren Ansammlungen, und erstmals auch Füchse und Honigdachse.
Bekannt ist die Kalahari auch für ihre Löwen, die hier besonders groß werden und deren Mähne - wenn sie mal ausgewachsen sind - zunehmend schwarz wird. Eins dieser Exemplare sahen wir - es war eine imposante Erscheinung!



Der Unabhängigkeitstag Botswanas am 30.09. wurde besonders gefeiert: Das Hauptgebäude der Lodge war mit Luftballons in den Farben der botswanischen Flagge geschmückt, selbst das Game Drive-Fahrzeug war dekoriert worden (wobei wir sowohl das Fähnchen als auch die blau-weiß-schwarzen Ballons im Laufe des Vormittags-Game Drives verloren). Nachmittags gab es eine Präsentation zur Geschichte des Landes und den bisherigen Präsidenten. Abends am Lagerfeuer wurde dann erst die botswanische Nationalhymne gesungen, schließlich getanzt und gesungen - ein eindrückliches Erlebnis. Das Abendessen dieses Tages war typisch botswanisch, zwar auch lecker gekocht, es wird aber dennoch wohl nicht mein Lieblingsessen werden.




Über unserem Luxus-Zelt war eine Plattform errichtet, auf der wir zwei Nächte lang draußen schlafen konnten unter einem fantastischen Sternenhimmel. Auch das war ein Erlebnis - und wäre noch schöner gewesen, hätten wir nicht nach den erfüllten Tagen so gut und tief geschlafen. Nur einmal wachten wir nachts auf, weil jemand einen großen Scheinwerfer auf uns richtete - bis uns klar wurde, dass offenbar der (Halb-)Mond aufgegangen war und uns anschien. In einer Nacht hörten wir Löwengebrüll - der Löwe, den wir bereits tagsüber gesehen hatten, versuchte wohl, sein Rudel wiederzufinden. In der anderen Nacht wurden wir morgens von Vögeln geweckt - dachten wir, es stellte sich heraus, dass die Laute von Schakalen kamen, die sich offenbar ganz in der Nähe gegenseitig riefen.

Neben den "normalen" Game Drives bot unsere Lodge auch noch eine besondere Aktivität: Die Zentralkalahari ist die Heimat der San (Buschleute). Sie wurden von der Regierung überwiegend vertrieben, ein paar Dörfer sind jedoch (wieder oder noch?) vorhanden, und eine San-Familie kam, um mit uns einen "bush walk" zu machen. Es blieb uns erspart, dass sich unterwegs ein Löwenrudel mit zwölf Löwen anpirschte, obwohl der eine obige Löwe kurz vorher nach seiner Familie gerufen hatte (einer anderen Gruppe war das wohl mal passiert, sie behielten die Nerven, blieben standhaft und die Löwen griffen nicht an, sondern zogen schließlich wieder ihrer Wege). Dieser Spaziergang war sehr faszinierend: Wir lernten, wie die San verschiedene Pflanzen zur Heilung oder als Gift für die Pfeilspitzen nutzen, uns wurde das Fallenstellen für verschiedene Tiere sowie die Jagd auf Hasen gezeigt, außerdem das Feuermachen mit zwei Stöcken und etwas Stroh.



Es waren sehr intensive zweieinhalb Tage, die wir im Central Kalahari Game Reserve verbrachten. Voll mit neuen Eindrücken fuhren wir zurück nach Gaborone (was tatsächlich zwölfeinhalb Stunden Fahrt an einem Tag bedeutete). Werden wir es schaffen, hier noch einmal hinzukommen?

Donnerstag, 27. September 2018

Bierfest statt Buchfest

In Gaborone fand dieses Jahr erstmals ein Buchfestival statt! Wie toll ist das denn, in einer Stadt, in der gerade der einzige, noch dazu recht kleine Buchladen geschlossen hat. Klar, dass passionierte Buchblogger dort hingehen müssen!

Oder? Na ja, es gab am gleichen Tag auch eine Konkurrenzveranstaltung, von der wir - leider? - bereits vor dem Buchfestival erfahren hatten, denn die deutsche Botschaft machte ordentlich Werbung dafür und behauptete auch gefühlt wochenlang, die Tickets wären bereits fast ausverkauft ... Erstmalig fand am vergangenen Samstag ein Bierfest statt, und zwar auf dem Gelände des Golfclubs, wohin die deutsche Botschaft dieses Jahr auch schon für die (wenigen) deutschen WM-Spiele zum Public Viewing eingeladen hatte. Nachdem wir letztes Jahr schon das größte Oktoberfest Afrikas in Windhoek besucht hatten, zog es uns also dieses Jahr zum größten Oktoberfest Gaborones (ein weiteres ist uns hier allerdings auch nicht bekannt), schlicht Bierfest genannt. Immerhin startete das hiesige Bierfest am gleichen Tag wie das Münchner Original. Über Freunde an der Botschaft kauften wir sündhaft teure Tickets - tatsächlich stellten wir erst am Tag vor der Veranstaltung fest, dass für uns die doppelt so teuren VIP-Tickets besorgt worden waren. Man gönnt sich ja sonst nichts. Leider konnten wir uns nicht VIP-mäßig anziehen, da uns doch tatsächlich Dirndl und Lederhose fehlten. Bei anderen Familien kamen jeweils Vater-Söhne und Mutter-Töchter im jeweiligen Einheitslook mit gleichen Hemden zur Lederhose bzw. gleichem Dirndl. Für den nächsten Auslandsaufenthalt sollten wir uns wohl besser vorbereiten. Über die Dirndl- und Lederhosendichte der Besucher waren wir doch überrascht, umso mehr, als wir viele der Besucher gar nicht kannten (und so vermuteten, dass nicht nur Deutsche die bayerische Traditionskleidung trugen). Zwei Besucher kamen sogar mit Robin Hood-Kappen inklusiver langer Federn und einigen reichte es auch, sich einen Bierkrug aus Schaumstoff auf den Kopf zu setzen.



Das Bierfest an sich war, nun ja, nicht sonderlich spektakulär. Auffällig war, dass man am Eingang wählen konnte, ob man ein Weinglas oder ein Bierglas haben wollte. Wir entschieden uns für Weingläser. Der Wein war jedoch ungekühlt und in der Sonne gelagert; auf den wohl sehr süßen warmen Weißwein verzichteten wir, aber auch der Rotwein war deutlich über Genusstemperatur. Wer kommt eigentlich auf die Idee, auf einem Bierfest Wein zu konsumieren? An Bieren gab es eine größere Auswahl als an Weinen, Craft Bier wurde ebenso angeboten wie "Kölsch-like Beer". Und zum Essen gab es neben Leberkäse auch Weißwürste, Brezeln und Sauerkraut - eben fast alles, was man sich bei einem Bierfest so vorstellen kann (oder auch nicht).


Die Musik - glücklicherweise nicht die klassische Oktoberfestmusik - war etwas laut; zumindest, wenn man sein Gegenüber noch verstehen wollte. Ein Spaziergang über die Greens des Golfplatzes war leider nicht vorgesehen. So unterhielten wir uns, so gut es ging, an unserem VIP-Tisch mit Freunden und Bekannten, bis wir schließlich beschlossen, wieder nach Hause zu fahren.


Mal schauen, welches Oktoberfest wir nächstes Jahr besuchen! (Oder wird es statt einem Bierfest doch die Frankfurter Buchmesse? Anmerkung Walli: Auf jeden Fall!!!)

Montag, 24. September 2018

Sieben auf einen Streich

Vor einer guten Woche landeten Philip und ich wieder in Botswana. Ich ungefähr ein Stündchen vor ihm, und da in meinem Flieger zwei von Philips GIZ-Kollegen saßen und es so eine Mitfahrgelegenheit für mich gab, wartete ich nicht am Flughafen auf ihn, sondern fuhr schon einmal nach Hause.
Kaum vor der Haustür angekommen, realisierte ich, dass ich nicht alleine war. Etwas raschelte, etwas huschte durchs Gebüsch. Vier oder fünf junge Katzen versteckten sich vor mir und krochen tief in unseren Christusdorn. Vier oder fünf! Wir haben hier schon einmal ein Katzenbaby aufgepäppelt, bevor wir es weggegeben haben. Die kleine Gollum war total niedlich und ist mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen, aber wir sind einfach nicht der richtige Hauhalt für ein Katzen-Haustier. Und für vier oder fünf erst recht nicht.

Ich stellte den Kätzchen also etwas Wasser hin und klärte sie darüber auf, dass von mir nicht viel mehr zu erwarten sei. Irgendwann kam auch Philip. Am nächsten Tag waren die Kätzchen weg, als ich nach Hause kam, traf ich nur eine größere graue Katze vor der Haustür an, die mich irritiert bis konsterniert betrachtete. Offensichtlich die Mutter - am nächsten Tag saßen ihre Kinder wieder im Christusdorn und irgendwann kam sie und säugte sie. Bei der Gelegenheit habe ich nochmal nachgezählt - es sind sogar sechs Kätzchen. (Philips Kommentar: "Das werden ja immer mehr!") So geht es seitdem, mal sitzen die Kätzchen vor dem Haus, mal lassen sie sich einen Tag lang gar nicht blicken, mal sind sie allein, mal kommt die Mutter vorbei. Gestern Abend tollten alle sieben über den Kunstrasen, während wir zu Abend aßen. Die Katzenmutter guckt uns immer noch an, als würde sie sich fragen, was wir eigentlich in ihrem Garten machen, aber ansonsten gewöhnen wir uns langsam aneinander. Und süß sind sie ja schon allesamt.



Samstag, 22. September 2018

Ein Koffer voller Klopapier

Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.

Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.

Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.

Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.

Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!

Sonntag, 9. September 2018

Der Herr Minister fliegt ein

Für Arbeitsverweigerer im Auslandseinsatz gibt es kaum eine größere Drohung als "Der Minister kommt" (je nach Besuchsprogramm ungefähr gleichzusetzen mit "Die Bundeskanzlerin kommt" oder "Der Bundespräsident kommt").
Wenn mein Chef, der GIZ Landesdirektor, im Urlaub oder auf Dienstreise ist, dann darf ich ihn vertreten. Das fand ich bisher immer interessant, weil man so noch einmal Einblicke in andere Aufgaben bekommt - und bisher hielten sich die dringenden oder kritischen Anfragen in seiner Abwesenheit meist in Grenzen.
Während der Abwesenheit meines Chefs bin ich nicht nur Chef, sondern auch mein Chef. Doch als er im Juli in Urlaub war, kam es knüppeldick: absehbare Budgetkürzungen, kritische Abfragen, und schließlich: Der Minister kommt. Zunächst sollte ich es noch nicht groß weitertragen, dann kam die Anfrage, innerhalb von 48 Stunden Dokumente zu erstellen, der Druck ging los.
Glücklicherweise wird solch ein Ministerbesuch nicht von der GIZ koordiniert, für so etwas gibt es ja die deutsche Botschaft. Dort fand allerdings im Zeitraum Juni bis August ein Wechsel von drei der sechs Mitarbeiter/innen statt, wobei zu dem Zeitpunkt noch keine/r der neuen Mitarbeiter/innen eingereist war. Der deutsche Botschafter war zwar noch da, machte jedoch deutlich, dass er seinen Urlaub im August - während des Ministerbesuchs - durchaus anzutreten gedenke. Interessant, was man sich als Botschafter alles erlauben kann...
Glücklicherweise kam mein Chef kurze Zeit später aus dem Urlaub zurück und konnte wieder übernehmen. Mit den verbliebenen Mitarbeiter/innen an der Botschaft sowie dem Protokoll des Ministers wurde ein Ablaufplan ausgearbeitet, Besuchstermine angefragt und die Logistik ausgetüftelt. Projektfahrzeuge mit Fahrer wurden ausgewählt, um die Delegation des Ministers durch die Stadt zu kutschieren, ein Mitarbeiter als "Gepäckmeister" auserkoren, der sich am Flughafen um das Gepäck der Delegation kümmern sollte.
Für die Projekte kam - glücklicherweise? - keine weitere dringende Anfrage. Wir haben überhaupt sehr wenig vom Ministerbesuch mitbekommen: Ich habe ihn noch nicht einmal gesehen. Schade eigentlich. Obwohl, doch, live habe ich gesehen, facebook-live, denn die botswanische Regierung hat dort die ersten 25 Minuten des Besuchs von Herrn Müller bei Präsident Masisi live bei Facebook gestreamt. Auch eine Art von "open Government". Wann wir wohl mal ein Gespräch von Frau Merkel oder Herrn Steinmeier mit einem ausländischen Politiker live online verfolgen können? Oder wollen wir das vielleicht gar nicht?
Apropos mitbekommen: Wenn ich den Minister schon nicht gesehen habe, so haben wenigstens Walli und ihre Eltern das Flugzeug der Flugbereitschaft am Flughafen aufgesucht und ein Foto gemacht - für unsere Blogleser machen wir doch (fast) alles - und am Flughafen Gaborones fühlen sich Walli und ihre Eltern ja mittlerweile auch recht heimisch dank gewisser Koffersuchaktionen...


Es war der erste Besuch von Herrn Müller im südlichen Afrika überhaupt, von Botswana und seinem Präsidenten zeigte er sich sehr beeindruckt - man brauche in Deutschland solche Beispiele aus Afrika von Staaten mit funktionierender Demokratie, und gutem Wirtschaftswachstum. Auch der Besuch bei SADC verlief im Großen und Ganzen wohl zur Zufriedenheit des Ministers. Beim anschließenden Stopp in Kasane im Norden Botswanas ließ sich Herr Müller noch die Kooperation mehrerer Staaten im Naturschutz erklären - u.a. während einer Boots-Safari auf dem Chobe-Fluß und während einer Safari zu Land. Sicherlich eindrücklich! Frisches Geld brachte Herr Müller leider keines mit; wir wären ja schon dankbar, wenn die angekündigten Kürzungen nächstes Jahr etwas weniger stark ausfielen.