Mittwoch, 23. August 2017

Verbuscht oder nicht verbuscht, das ist hier die Frage ...

Neulich traf ich eine Freundin zum Mittagessen. Wie ihr Mann arbeitet auch sie bei der GIZ, beide haben schon mehrere Auslandseinsätze hinter sich. Ich weiß nicht mehr, wie sie darauf kam, aber plötzlich fiel der Begriff "verbuscht". Ich kannte ihn nicht, sie ging allerdings offensichtlich davon aus und teilte mir mit, wer ihrer Meinung nach ganz schön verbuscht sei, wer nur ein wenig (ihre Familie) und wer ja noch kaum (Philip und ich zum Beispiel). Während ich ihren Erläuterungen folgte, versuchte ich mir einen Reim darauf zu machen. Hatte Verbuschung vielleicht etwas mit Naturverbundenheit zu tun? Uns als kaum verbuscht zu bezeichnen, erschien mir da unfair (unser Treffen fand kurz vor unserem sehr naturverbundenen Campingausflug in den Kgalagadi Transforntier Park statt). Bevor ich aber richtig nachfragen konnte, war sie schon beim nächsten Thema.

Abends befragte ich Philip, der den Begriff der "Verbuschung" natürlich kannte. Ein paar Tage später erkundigte ich mich auch noch probeweise bei dem MAP, der mich mal zum Golfspielen hatte animieren wollen. Auch ihm war das Ganze geläufig. Ich hatte da offensichtlich etwas verpasst!

Der Duden sieht den Begriff auch eher naturverbunden und definiert ihn als "mehr und mehr von Sträuchern überwuchert werden". Wikipedia ist da schon aufschlussreicher und hat eine soziologische Definition von "Verbuschung" parat:

Verbuschung im übertragenen Sinne ist Jargon und bezeichnet eine bestimmte Art der kulturellen Assimilation von entsandtem Personal im Ausland, besonders in Entwicklungsländern. Der Begriff ist dabei abwertend belegt und beschreibt die Tendenz von Personal, das lange Zeit in Entwicklungsländern bzw. lange Zeit am gleichen Ort entsandt ist, sich unbewusst von den Verhaltensnormen im eigenen Land zu entfernen.

Philip versuchte mir das Ganze mit Beispielen näherzubringen und erzählte z.B. von Kollegen, die in Eschborn auffielen, weil sie nicht aus einem Glas, sondern gleich aus der Wasserflasche tranken. Ich blieb relativ unbeeindruckt, hatte ich doch an meinem Frankfurter Arbeitsplatz ebenfalls meist eine Wasserflasche auf dem Schreibtisch stehen, aus der ich direkt trank. (Wem je ein Glas Wasser auf dem vollen Scheibtisch umgekippt ist, wird die Vorteile erkennen.) Es stellte sich dann raus, dass Philip eher aus der Flache trinken auf Konferenzen meinte. Wie dem auch sei: So ganz habe ich mir den Begriff der Verbuschung noch nicht zueigen gemacht, achte jetzt aber vermehrt auf Zeichen. Vor ein paar Wochen musterten zum Beispiel innerhalb weniger Tage zwei Freundinnen mein ziemlich verstaubtes Auto und stellten dann beide die gleiche Frage: "Habt Ihr keinen Gärtner?" Beim ersten Mal erkannte ich den Zusammenhang noch nicht: Viele Expats lassen von ihrem Gärtner ihre Autos waschen. Wenn also die Verbindung zwischen einem schmutzigen Auto und einem angestellten Gärtner nicht gleich klar ist, lässt das hoffen, dass die Verbuschung noch nicht wirklich eingesetzt hat ...
Philip hat sogar einen Witz zu dem Thema beizutragen: Wie erkennt man einen Entwicklungshelfer im Ruhestand? Steht mit dem Auto vor dem Tor, hupt, und niemand macht auf.

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