Es ist ein gutes Jahr her, dass ich beschrieben habe, wie das mit der Müllabfuhr in Botswana so läuft. Damals kam die Müllabfuhr oft am Wochenende und ihr morgendliches Klingeln riss uns regelmäßig aus dem Schlaf. Mich hatte gerade das erste Mal ein Müllmann nach Geld gefragt und ich hatte ihm aus Prinzip keins gegeben.
Wie sich die Zeiten ändern ...
Wir haben inzwischen einen recht guten Kontakt zu unserer Nachbarin, was nicht zuletzt an einem Evergreen liegt, über den wir uns jedes Mal angeregt unterhalten, wenn wir uns sehen: "War die Müllabfuhr eigentlich mal wieder da?" Da sie berufstätig und alleinstehend ist, befürchtet sie, sie ständig zu verpassen. Manchmal stellt sie Müllsäcke auf Verdacht raus, aber das ist auch eine Wissenschaft für sich: In den Säcken sollten dann keine Essensreste, Fleischverpackungen etc. sein, diese werden sonst eventuell von Straßenhunden aufgebissen, die den Müll dann in der ganzen Nachbarschaft verteilen. Die ganze Mülltonne auf Verdacht rauszustellen, ist aber auch so eine Sache - einer Kollegin unserer Nachbarin wurde sie tatsächlich geklaut. Tja.
Da ich öfters zu Hause bin, sollte man meinen, dass wir die Müllabfuhr relativ regelmäßig mitbekommen, was aber leider auch nicht der Fall ist. Tatsächlich hatten wir sie fast drei Monate nicht gesehen, bis sie letzte Woche mal wieder kam. Der ein oder andere Blogleser wird sich jetzt denken "Kein Wunder, so oft wie die verreisen!" und tatsächlich waren wir auch immer mal wieder nicht da, aber insbesondere unter der Woche waren wir in den letzten drei Monaten doch meistens in Gaborone. Und die Müllabfuhr hat sich auch abgewöhnt, am Wochenende zu kommen, was unsere Chancen, sie mal abzupassen, doch deutlich hätte erhöhen sollen. Aber irgendwie wart sie nicht mehr gesehen - meine Freundin Ruth vermutete, sie würde vielleicht einfach nicht mehr bei uns klingeln, weil wir so gut wie nie Trinkgeld gegeben hätten. Sie selbst steckt den Müllmännern ab und an 100 Pula zu (ca. 8,30 €), was mir dagegen wieder ziemlich krass vorkommt - so viel verdienen botswanische Hausangestellte in der Regel als Halbtagslohn.
Leider gibt es keinen Ort, an den man seinen Müll selbst hinbringen könnte. Ich fahre ab und an zu einem Recyclinghof, der Glas und Dosen nimmt, aber mehr Möglichkeiten existieren einfach nicht.
Bei meiner Freundin Ruth kommt die Müllabfuhr jeden Dienstag - ein Luxus, der sich nur so erklären lässt, dass sie um die Ecke vom Präsidentenpalast wohnt. Aber auch unser Gärtner Sam - ebenfalls Innenstadt-näher als wir - berichtete, dass die Müllabfuhr in seiner Gegend seit neuestem sogar zweimal die Woche käme! Vielleicht ließen sie unser Viertel dafür einfach aus? Sam litt auf jeden Fall so mit, dass er die Müllabfuhr eines morgens für mich anhielt, als er sie mal zufällig in unserer Straße sah. Leider war es nicht DIE Müllabfuhr, sondern ein privates Entsorgungsunternehmen, das Gartenabfälle mitnimmt. So sind wir jetzt zu einer kostenpflichtigen grünen Tonne gekommen (die allerdings blau ist). Das brachte uns allerdings in Bezug auf den Hausmüll immer noch nicht weiter.
Aber dann, letzten Dienstag, klingelte es. Ich schaute durch die Kamera der Gegensprechanlage und sah - einen Müllmann durch die Straße laufen! Hurra! Ich rannte hinaus, der Müllmann, schon dabei weiterzuziehen, kam zurück und fragte ob ich viel Müll hätte - allerdings, nach drei Monaten - und lud dann die Tonnen aus, die ich auf die Straßen rollte. Ich bat ihn zu warten und suchte nach Kleingeld - soweit ist es gekommen, ich gebe den Müllmännern jetzt schon Geld, ohne dass sie danach fragen müssen. Dummerweise hatte ich nur 9 Pula und gab ihm dafür noch eine kleine Tüte Salzcracker mit (auch eine botswanische Lektion: Was zu essen geht immer). Er zog erfreut von dannen - so erfreut, dass er hoffentlich das nächste Mal wieder klingelt, wenn die Müllabfuhr in der Gegend ist ...
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