Samstag, 9. Juni 2018

Attacke aus dem Weltall: Botswana im Visier

Ok, zugegeben, diese Überschrift ist ein klein wenig reißerisch. Aber ganz falsch ist sie auch nicht. Und es handelt sich noch nicht mal um einen Filmtitel (der würde wohl auch besser nach Hollywood passen). Am vergangenen Wochenende, samstagsabends, ging ein Meteorit über Botswana nieder und verglühte in der Erdatmosphäre.
Der Meteorit war geschätzt ca. 2 Meter im Durchmesser - und wurde erst entdeckt, als er bereits am Mond vorbeigeflogen war. Dann wurden Forscher auf ihn aufmerksam und stellten fest, dass er auf Kollisionskurs mit der Erde war. Somit gab es nur wenige Stunden Vorwarnzeit. Wie gut, dass der Meteorit nicht größer war und eine ernste Bedrohung für die Erde (oder für Botswana) darstellte.
Man konnte den Meteoriten wohl deutlich über Botswana wahrnehmen, es existieren sogar kurze Videos im Internet (z.B. auf Spiegel Online). Wir waren zum Zeitpunkt seines Verglühens gerade campend im Okavango Delta, allerdings war der Himmel ungewöhnlich bewölkt, so dass wir nichts mitbekommen haben.
Nur einen Tag später konnten wir dafür wieder einen fantastischen Sternhimmel beobachten. In Botswana geht das, insbesondere außerhalb Gaborones, häufig richtig gut, weil die Lichtverschmutzung so gering ist. Wir sahen so viele Sterne, dass wir einzelne Sternbilder kaum noch identifizieren konnten, die Milchstraße war gut erkennbar. Als Krönung beobachteten wir noch Sternschnuppen. Wir verraten jetzt aber nicht, was wir uns gewünscht haben, ein bisschen Aberglaube muss sein.


Mittwoch, 6. Juni 2018

Vitamin D gesucht

"Vitamin B" kann mir helfen, eine spannende Stelle in Deutschland zu finden. Doch nun wurde mir bescheinigt, dass ich auch noch Vitamin D brauche. Das generiert der Körper insbesondere aus Sonnenlicht.
Einen solchen Vitamin D-Mangel fand ich zunächst einigermaßen überraschend: Botswana ist doch ein Land, in dem quasi an 365 Tagen im Jahr die Sonne zu sehen ist. Da sollte man ja denken, dass ich genügend Sonnenlicht abbekomme. Unter der Woche bin ich allerdings tagsüber im Büro und bekomme von der Sonne kaum etwas mit. Ich lege selten Strecken zu Fuß zurück, teils aus Sicherheitsgründen, teils weil die Distanzen zu weit sind und zu einem großen Teil auch weil es einfach keine Fußgängerwege gibt. Und am Wochenende oder im Urlaub versuchte ich bisher eigentlich, die Sonne zu vermeiden oder zumindest Sonnencreme zu verwenden. Denn die UV-Strahlung - und damit die Sonnenbrandgefahr - ist hier sehr hoch. Und so bin ich insgesamt kaum dem Sonnenlicht ausgesetzt.
Nun soll ich also eine Zeitlang Vitamin D-Pillen schlucken. Kein Problem, dachte ich. Mittlerweile war ich in drei verschiedenen Apotheken hier und musste feststellen, dass es doch eines ist: Man kennt zwar den Wirkstoff fast überall, aber besorgen kann ihn mir niemand. Vitamin D mag nicht das kritischste aller Medikamente sein, aber wenn sie schon so etwas nicht bestellen können, wie mag dann erst die Versorgungslage mit wichtigeren Medikamenten aussehen? Ich werde nun wohl versuchen, mir Tabletten aus Deutschland zu besorgen. Vielleicht finde ich demnächst ja eine/n Kolleg/in, der/die/das nach Botswana reist und sie mir mitbringen kann.  Oder eine/r von Euch kommt uns besuchen?
In der Zwischenzeit versuche ich es mit kleinen Maßnahmen. Mal ein paar Minuten auf der Sonnenliege in der Sonne liegen - ohne Sonnencreme. Oder - wie kürzlich an einem Sonntag - Verlagerung der Frühstücks von der überdachten Terrasse in die Sonne.



Da wir nun Winter haben, ist die Sonneneinstrahlung glücklicherweise nicht ganz so stark, und zumindest in den Morgen- und Nachmittagsstunden ist es in der Sonne auch nicht so heiß.
Mal schauen, ob ich in meinem nächsten Blogeintrag dann von meinem Sonnenbrand erzähle...

P.S.: Bisher mussten wir das Frühstück im Garten übrigens noch nicht mit den Pavianen teilen

Sonntag, 3. Juni 2018

Stellenausschreibung

Eine Frage, die uns in Gesprächen immer wieder gestellt wird, ist: "Wie lange bleibt Ihr denn noch dort?" Wir freuen uns ja, dass Ihr meint, dass wir schon viel zu lange "weg" sind und so langsam wiederkommen sollten!
Ich habe meinem Chef schon vor einiger Zeit gesagt, dass ich innerhalb der nächsten 12 Monate gerne wieder in Deutschland für die GIZ arbeiten möchte. Er war wenig begeistert. (Nebenbei: Auch seine Frau Ruth, die Walli häufiger trifft, war wenig begeistert, ist doch so absehbar, dass mit Walli dann eine Bezugsperson weniger hier sein wird.) Nach langen Verhandlungen (zwischen mir und ihm sowie zwischen Walli und Ruth) hat er dann zugestimmt, mich frühestens zum 1. September gehen zu lassen. Das setzt jedoch voraus, dass ich einen passenden Job in Deutschland finde - und das ist gar nicht so einfach, finde ich.
Mein Chef dagegen hat Panik, dass er mein Projekt leiten muss, falls ich gehe und kein Nachfolger bereit steht. Daher hat er nun meine Stelle ausgeschrieben. Das bedeutete auch, dass ich meinem Team bereits sagen musste, dass ich nicht mehr ewig bleiben werde; es fiel mir nicht leicht, ich hatte Sorge, dass ich so zu einer "lame duck" werden könnte, d.h. dass mir größere Entscheidungen nicht mehr zugetraut werden und mir "auf der Nase herumgetanzt" wird. Das ist bisher jedoch nicht geschehen. Und so fühle ich mich etwas befreit, denn nun ist es kein Geheimnis mehr, dass ich nicht mehr ewig hier sein werde.
Zur Dokumentation hier die wesentlichen Teile der (internen) Stellenausschreibung.

Leiter (m/w) Wirtschaftsvorhaben mit der Southern African Development Community (SADC)
Tätigkeitsbereich:

Das Programm "Stärkung der regionalen wirtschaftlichen Integration in der SADC-Region" (CESARE) zielt darauf, dass SADC-Mitgliedsländer die Voraussetzungen für den Handel mit Gütern und Dienstleistungen entsprechend der SADC-Industrialisierungsagenda verbessern können
Das Globalvorhaben „Förderung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Umsetzung von EU-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA)“ hat als eine von zwei Fokusregionen die SADC-EPA-Länder. Es fokussiert sich insbesondere auf Unterstützung beim Aufbau eines partizipativen Monitoringsystems für das EPA sowie auf ein „awareness raising“ zu ausgewählten EPA-Themen in der Region. Darüber hinaus wird aus dem Schwerpunkt die Planung und Umsetzung weiterer handelsrelevanter Vorhaben in der SADC-Region fachlich begleitet, so z.B. die Umsetzung einer Maßnahme aus dem Globalvorhaben „Fonds Handel für Entwicklung“ zur Handelserleichterung am Grenzübergang Kasumbalesa (DR Kongo – Sambia) sowie ein angedachtes Projekt der deutschen Allianz für Handelserleichterungen in Südafrika im Rahmen des globalen IZR-Vorhabens „Globale Allianz für Handelserleichterungen“.

Ihre Aufgaben: 
  • Führungsverantwortung für ein hochqualifiziertes Team aus internationalen, regionalen und nationalen Fachkräften sowie die Koordination eines an die Consultingwirtschaft vergebenen Handlungsfelds
  • Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Finanzmittelplanung, das Monitoring der Programmaktivitäten, die Gewährleistung eines sinnvollen Instrumentenmixes sowie die Berichterstattung an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie an SADC.
  • Fachliche Beratung des SADC Sekretariats und anderer relevanter Akteure zu Themen der regionalen wirtschaftlichen Integration (z.B. Industriepolitik, Zollmodernisierung, Handelserleichterungen, EU-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen).
  • Finalisierung der Verhandlungen einer Kofinanzierung durch die EU sowie die Erstellung eines entsprechenden Änderungsangebots an das BMZ (inkl. Aufstockung aus Rahmenplanung 2019)
  • Enge Abstimmung mit handelsrelevanten Globalvorhaben, insbesondere solchen, die Aktivitäten in der SADC-Region umsetzen.
  • Mitwirkung im Managementteam der GIZ Botswana/SADC.
Ihr Profil:
  • Sie kombinieren ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium der Wirtschaftswissenschaften mit breiter Fachkompetenz und mehrjähriger Berufserfahrung zu den Prozessen der regionalen wirtschaftlichen Integration in den Bereichen Handel mit Gütern und Dienstleistungen.
  • Dabei haben Sie auch Umsetzungskenntnisse und -erfahrungen im Bereich Privatwirtschaftsentwicklung und regionale Wertschöpfungsketten. Umsetzungserfahrung von EU-Kofinanzierungen sind wünschenswert.
  • Des Weiteren haben Sie mehrjährige Berufserfahrung in der Partnerberatung in einem politisch sensiblen Umfeld und in der Ausgestaltung von Netzwerken gesammelt.
  • Sie verfügen über Managementerfahrung im komplexen Umfeld, wünschenswerterweise in einem regionalen Projekt, und haben bereits Führungserfahrung gesammelt.
  • Eine ausgeprägte Kommunikationskompetenz sowie kulturelles Einfühlungsvermögen gehören zu Ihren Stärken.
  • Dadurch wirken Sie bei unterschiedlichen Interessenslagen und in einem schwierigen politischen Umfeld ausgleichend und vermittelnd.
  • Außerdem sind Sie äußerst teamfähig sowie belastbar und treten respektvoll, glaubwürdig und sicher auf.
  • Verhandlungssichere Englisch- und Deutschkenntnisse setzen wir voraus. Französisch- und/oder Portugiesisch-Kenntnisse sind von Vorteil.
Standortinformationen:
Die Versorgungslage in Botswana ist sehr gut. Auch die grundlegende medizinische Versorgung ist gegeben. Die Schulsituation ist gut. Es gibt mehrere Schulen die internationale Abschlüsse (IB, A-Level) anbieten.
Im Allgemeinen ist die Sicherheitslage ruhig. Den Vorgaben zu Sicherheitsmaßnahmen der GIZ ist zu jeder Zeit Folge zu leisten. Bitte informieren Sie sich grundsätzlich auch über landesspezifische Hinweise des Auswärtigen Amts.

Freitag, 1. Juni 2018

Ich staue mich so durch

Seit Januar hat mein Projekt ja ein neues Büro. Es ist - das war absehbar - leider nicht mehr ganz so nah an unserem Heim gelegen wie das vorherige Büro, das weniger als 2 km entfernt lag. Ca. 8 km einfache Strecke bei kürzestem Weg ist die Entfernung, nicht unbedingt wild, ohne Verkehr in 15 Minuten zu fahren. Nur leider sind zu den Zeiten, zu denen ich unterwegs bin, noch ein bis drei andere Autos auf der Straße. Morgens brauche ich in der Regel ca. 25 Minuten. Abends ist es gefühlt in den letzten Wochen deutlich schlimmer geworden mit dem Verkehr. Ich staute mich kürzlich schon mal eine Stunde bis nach Hause, häufiger mal 45 Minuten. Eine Ausfallstraße, die nicht weit von unserem Haus entfernt liegt und abends recht befahren sein kann, ist derzeit eine Großbaustelle. Obwohl ich diese Straße gar nicht unbedingt nehmen muss, gibt es häufig einen Rückstau in den Kreisverkehr, den ich durchfahren muss.

Und während ich so an verschiedenen Stellen im Stau stehe, habe ich schön Zeit, mich über andere Vekehrsteilnehmer aufzuregen. Besonders beliebt bei mir sind die Minibusfahrer (quasi als Sammeltaxen unterwegs). Sie überholen bevorzugt die lange Schlange auf dem Standstreifen, um dann vorne von allzu gnädigen Autofahrern wieder problemlos in die Schlange reingelassen zu werden. Interessant finde ich auch das zweispurige Abbiegen auf einer Spur, das quasi alle hier praktizieren. Kommen so alle insgesamt schneller voran? Spurwechsel im zweispurigen Kreisverkehr sind natürlich auch beliebt, kommen glücklicherweise aber nicht ganz so häufig vor. So wundert es mich nicht, dass die Zahl der Verkehrstoten in Botswana deutlich höher liegt als in Deutschland.

Könnte ich meine Arbeitszeit stärker an die Verkehrslage anpassen? Die GIZ würde mir einerseits sicherlich die Flexibilität geben (gerade wurde eine neue Betriebsvereinbarung geschlossen, die eine noch stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten als ohnehin schon erlauben wird). Gleichzeitig gibt es in meinem Team schon einigermaßen geregelte Arbeitszeiten - an die ich mich als Chef dann wohl auch halbwegs halten sollte, Vorbildfunktion und so.

So freue ich mich derzeit doch darauf, dass der nächste Büro-Umzug bereits angekündigt ist. Wir wussten immer, dass unser derzeitiges Büro nur eine Übergangslösung sein würde. Und das neue Büro sollte verkehrstechnisch etwas günstiger für mich liegen - auch wenn ich den oben genannten Kreisverkehr weiterhin durchqueren muss.

Dienstag, 29. Mai 2018

Mundraub

Vor einiger Zeit hatten wir tierischen Besuch, über den Philip bereits berichtet hat. Seitdem wurde ich ab und an gefragt, ob wir nochmal Paviane im Garten gehabt hätten, was ich verneinen konnte - bis jetzt. Zwar haben wir keine Tiere mehr gesehen, aber unser Gärtner zeigte mir letzte Woche, dass welche im Garten gewesen sein mussten. Tatsächlich war es auch ohne Fährtenlese-Kenntnisse ganz eindeutig ...



Die Viecher hatten wohl die Früchte an unserem Naartjie-Bäumchen entdeckt und sich dann offensichtlich auf es gestürzt - anders lassen sich die Schäden kaum erklären. Naartjies sind Mandarinen-/Clementinen-ähnliche Zitruspflanzen, die sich einfach schälen lassen - wie das am Boden liegende Schalenhäufchen eindrucksvoll illustrierte.


Unser Vermieter kam heute wegen eines tropfenden Rohrs vorbei und ich erzählte ihm von den Pavianen. Er berichtete daraufhin, dass sein Bruder vor ein paar Jahren eine wahre Pavianplage gehabt hätte: Diese kamen regelmäßig in seinen Garten und tranken dort aus dem Pool - sechs, sieben ausgewachsene Tiere, die sich um den Swimmingpool scharrten wie Antilopen um ein Wasserloch. Das würde uns hier gerade noch fehlen ...  Ich erkundigte mich, wie Mattias die Tiere wieder losgeworden war - einfach verscheuchen kann man Paviane kaum, sie können durchaus aggressiv werden. Und so war Mattias subtiler vorgegangen: Er hatte einen großen, aufblasbaren Hai in seinen Swimmingpool gesetzt. Dieser schaukelte im Wind auf dem Pool hin und her und war den Pavianen nicht geheuer - sie trollten sich. Noch wirkungsvoller ist laut unserem Vermieter vermutlich ein aufblasbarer Leopard, da Paviane Leoparden fürchten. Falls unsere Obstbäume weiter geplündert werden, sollten Philip und ich wohl mal in Schwimm- oder Plüschtiere investieren - die kann man sicher auch in Bäume setzen ...

Samstag, 26. Mai 2018

eSwatini ist geboren: Die Zahl 50

Hat es eigentlich jemand mitbekommen? Ein SADC-Mitgliedsland heißt jetzt "Kingdom of eSwatini". Hiermit meine ich übrigens nicht das "Mountain Kingdom", Lesotho, zu dem wir kürzlich einen Abstecher gemacht haben.
Man könnte fragen, wie weit ein Land gehen muss, um mit der Zeit zu gehen. Dass ein Staat jetzt noch das elektronische "e" vor seinen Namen setzt, geht schon etwas weit, finde ich. Klingt aber immerhin hip. Und die Umbenennung war ein Geburtstagsgeschenk! Der König von Swaziland hat sich zu seinem 50. Geburtstag am 19. April die Umbenennung seines Landes geschenkt. Kein Witz. Hat schon Vorteile, der letzte absolute Monarch Afrikas zu sein. Sowas will ich auch werden. (Formell betrachtet ist eSwatini, wie ich gerade bei Wikipedia nachgelesen habe, eine Diarchie, eine spezielle Form der Monarchie, in der die Macht bei zwei Personen liegt, in diesem Fall dem König sowie seiner Mutter). Von einer kurzen Dienstreise in dieses Land hatte ich übrigens hier einmal berichtet.
Die Umbenennung hat allerdings noch einen etwas ernsteren Hintergrund: eSwatini (samt elektronischem "e") ist der traditionelle Landesname, der schon immer existierte; Swaziland war der Name der Kolonialherren (das Land war, ähnlich wie Botswana, britisches Protektorat). Anders also als z.B. Bechuanaland, das sich nach seiner Unabhängigkeit wieder in Botswana umbenannte, hatte Swaziland den fremdbestimmten Namen beibehalten - bis jetzt. Immerhin trifft der Tag der Umbenennung nicht nur den 50. Geburtstag des Königs, sondern auch das Jahr der 50-jährigen Unabhängigkeit.
Achtung, jetzt wird's abgefahren: Passenderweise wurde das Vermögen von Mswati III., so der Name des Königs von eSwatini, 2015 auf mind. 50 Mio USD geschätzt. Bis er seine 50. Frau heiratet, wird es allerdings voraussichtlich noch etwas dauern; 2017 hat er erst seine offiziell 14. Ehefrau geheiratet (was nicht bedeutet, dass er von den vorhigen 13 geschieden ist), bisher hat er mindestens 30 Kinder (also noch nicht ganz 50). Sein Vater brachte es übrigens wohl auf 70 Frauen, von denen er 210 Kinder hatte. Die Lebenserwartung der Swazi passt übrigens auch gut in die 50er-Analogie: Sie liegt 2018 laut Economist bei gerade einmal 50,54 Jahren - nur in 4 Ländern weltweit haben die Menschen eine niedrigere Lebenserwartung.
Die Umbenennung des Landes kam für mich überraschend und es wird wohl noch etwas Umgewöhnungszeit brauchen, bis der neue Name mir flüssig über die Lippen kommt. Manche finden es interessant, dass Swaziland/eSwatini Geld und Zeit für eine symbolische Umbenennung hat, während fast 50% der Bevölkerung mit weniger als 1,90 USD pro Tag auskommen (derzeitige Definition von absoluter Armut).

P.S.: Es versteht sich von selbst und sollte ich eigentlich gar nicht schreiben müssen, dass ich diesen Eintrag als Privatperson geschrieben habe - zitiert mich bitte nicht (siehe sowieso den Disclaimer zu diesem Blog); im Job hatte ich bisher wenig bis gar nicht mit Swaziland als Land und seiner Entwicklung zu tun. Die Menschen, die ich hier aus Swaziland getroffen habe, sind sehr warmherzige, tolle Leute und sicherlich auch an der Entwicklung ihres Landes interessiert. Dem König bin ich leider noch nicht begegnet, habe ihn noch nicht einmal aus der Entfernung gesehen. Ob ich mich wohl trauen würde, ihm kritische Fragen zu stellen? Oder wäre ich zu diplomatisch?

Donnerstag, 24. Mai 2018

Im Königreich der Berge

Gegen Ende unserer Südafrika-Rundreise (Gästeblog meiner Mutter hier) machten wir noch einen Abstecher nach Lesotho, einen Kleinststaat, der vollkommen von Südafrika umschlossen wird. Er nennt sich auch "The Mountain Kingdom". Wir waren in der Gegend und fanden die Gelegenheit gut, noch "mal eben" ein neues Land zu entdecken.
Schon kurz nach dem Grenzübertritt merkten wir, dass wir nicht mehr in Südafrika, sondern im "richtigen" Afrika angekommen waren. Kaum größere Häuser, sondern viele kleine Hütten, die die Hauptstraßen säumten, zahlreiche Wellblech-Kioske, Obstverkäufer auf den Straßen, kleinere Felder als in Südafrika - insgesamt deutlich weniger entwickelt. Am ersten Tag fuhren wir noch durch recht dicht besiedeltes und bewirtschaftetes Flachland. Wir versuchten, das Nationalheiligtum zu finden (einen Berg mit historischer Bedeutung), scheiterten jedoch an der fehlenden Ausschilderung - bzw. als wir den Ort schließlich gefunden hatten, war es zu spät und eine Besichtigung vor Einbruch der Dunkelheit zeitlich nicht mehr möglich.
Am nächsten Tag fuhren wir dann über eine Passstraße ins Gebirge. Ziel war der Ort Semonkong, der auf ca. 2200 m Höhe gelegen ist. Schon die Straße dorthin war sehens- und fahrenswert (ich habe aber auch Spaß an Passstraßen). In einem älteren Reiseführer war als Fahrtdauer noch dreieinhalb Stunden angegeben, damals war die Straße offenbar noch nicht geteert, trotzdem ist sie auch heute noch abenteuerlich. Oft darf man nur 60 km/h fahren, generell liegt die Maximalgeschwindigkeit in ganz Lesotho bei 80 km/h. Wir fuhren durch immer kleiner werdende Dörfer, meist mit strohgedeckten Rundhütten, passierten traditionell gekleidete Einwohner, oft mit deckenähnlichen Umhängen und spitz zulaufenden Hüten. Alle paar Kilometer blockierte eine Schafherde die Straße und musste von ihrem jeweiligen Schäfer erst zur Seite gescheucht werden, bevor wir weiterfahren konnten. Die Landschaft war für uns ungewohnt grün, auch die Berge waren überwiegend grasbewachsen.




Wir hatten einen Stellplatz auf dem Campingplatz einer Lodge gebucht; letzterer war jedoch aufgrund von starken Regenfällen während der vorhergehenden Tage etwas schlammig. Am "Activities Desk" der Lodge (ja, so etwas gab es hier!) buchten wir einen geführten Spaziergang zur Hauptattraktion der Gegend: dem Maletsunyane Wasserfall. Mit 186m reiner Fallhöhe ist dieser Wasserfall fast doppelt so hoch wie z.B. die Viktoriafälle - wenn auch nicht so breit und gewaltig. Eineinhalb Stunden dauerte der Hinweg, an Feldern vorbei (manchmal auch mittendurch) und durch kleine Dörfer. Wir lernten z.B., dass eine gelbe Fahne vor einem Haus signalisiert, dass dort selbstgebrautes Bier verkauft wird (nein, wir machten nicht an jedem Haus für einen Test halt). Zwischen den Dörfern sahen wir die Bewohner laufen - oder reiten: Wer es sich leisten kann, hat ein Pferd, oder zumindest einen Esel - doch laut unserem Führer können sich nur wenige Einwohner die umgerechnet ca. 360 Euro für ein Pferd leisten.



Wir näherten uns schließlich dem Wasserfall und pausierten an einem schönen Aussichtspunkt. Neben dem Wasserfall gibt es (angeblich) das höchste "Abseiling" der Welt: Nur zehn Meter seitlich kann man sich über 204m abseilen. Das klang für mich nach einem schönen Abenteuer, doch die Vernunft siegte: Hier oben in den Bergen war der Winter schon eingekehrt, das Wasser hätte einen sicherlich ziemlich nass und kalt gespritzt. Wir werden also noch einmal im Sommer herkommen müssen.


Apropos Winter: Der hatte in den Bergen Lesothos tatsächlich schon begonnen. In der folgenden Nacht ging die Außentemperatur wohl auf den Gefrierpunkt runter. Wir machten erstmals alle Schotten unseres Dachzelts dicht, was vorher noch nie nötig gewesen war; so richtig warm wurde es allerdings trotzdem nicht. Walli beschloss anschließend, dass ihr Schlafsack aus Pfadfinder-Zeiten wohl so langsam mal ersetzt werden dürfte; gut, dass da ein Geburtstag ins Haus stand.
Nach der zweiten Nacht in Lesotho machten wir uns wieder Richtung Südafrika auf - zwar etwas verfroren und mit matschverkrusteten Schuhen, aber dennoch begeistert. Lesotho ist eine Reise wert!